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Das wachsame Wittenbach und andere Orte, wo Sie überwacht werden

Die Schule Wittenbach will alle ihre Anlagen überwachen können. Schon heute ist das Dorf unter gründlicher Beobachtung.
Johannes Wey

Moderne Überwachungskameras erinnern fast schon an eine verfrühte Weihnachtsdekoration. Die Halbkugeln hängen unter Dächern und an Masten. Die verspiegelte Hülle lässt keinen Schluss darauf zu, wohin das elektronische Auge späht.

Die Primarschulgemeinde Wittenbach will nach den Schulanlagen Steig und Kronbühl auch die Anlagen Dorf, Obstgarten oder das im Bau befindliche Schulhaus Sonnenrain überüberwachen können. Die Grundlage dafür soll ein Reglement schaffen, dass noch bis am 24. September dem fakultativen Referendum untersteht («Tagblatt» vom 23. August). Bei der Schulgemeinde nennt man Lärm, Abfall und Sachbeschädigungen als Gründe für die Kameras, die bereits heute auf die Pausenplätze Steig und Kronbühl gerichtet sind. Konkrete Pläne für weitere Kameras gebe es aber noch keine. Überwacht wird auch das OZ Grünau.

In Wittenbach setzt man auch sonst gerne auf Videoüberwachung: Seit kurzem darf die Südostbahn am Bahnhof Wittenbach auch den Bushof, den Parkplatz und die Unterführung mit Kameras überwachen. Und beim Werkhof sorgen gleich sieben Stück dafür, dass niemand illegal Abfall entsorgt und beim Jugendtreff alles mit rechten Dingen zugeht.

Jugendarbeiter setzen mit Video Hausordnung durch

Damit werden in Wittenbach gleich viele öffentliche Orte überwacht wie in der Stadt St.Gallen. Zumindest, wenn man das Umfeld des Kybunparks als einzelnen Standort zählt. Mit der «Lex Arena» kann hier ein Gebiet, dass sich im Süden bis zum Bahnhof Winkeln erstreckt, abgefilmt werden, allerdings nur an Spieltagen. Ansonsten werden in St.Gallen nur «neuralgische Punkte» – der Bohl sowie die Brühltor, Rathaus- und Bahnhofunterführung – überwacht.

Der Wittenbacher Gemeindepräsident Oliver Gröble findet den Einsatz von Kameras in seiner Gemeinde verhältnismässig. «Sie dienen der Abschreckung.» Zudem seien sie das einzige Mittel gegen Abfall und Vandalismus. Natürlich befinde man sich immer in einem Spannungsfeld, wenn man Personen filme, die sich korrekt verhielten. Allerdings würden die Bilder nur ausgewertet, wenn es tatsächlich zu Verstössen komme. Aus der Bevölkerung habe es keine negativen Rückmeldungen zu den zusätzlichen Kameras gegeben. Gröble erinnert sich an seine Zeit bei der Direktion Sicherheit und Soziales in St.Gallen. «Damals weckte das neue Polizeireglement noch Ängste.» Diese seien der Akzeptanz gewichen. Seit die zusätzlichen Kameras beim Werkhof aufgehängt wurden, habe die Jugendarbeit rund fünf Mal die Aufnahmen ausgewertet, um Jugendtreffbesucher nach Littering oder Verstössen gegen die Hausordnung zu konfrontieren.

Dass in Wittenbach insbesondere Schulanlagen überwacht werden, ist kein Zufall. Über die Hälfte der St.Galler Schulen setze Videokameras ein, sagt die kantonale Datenschützerin Helen Suter. Sogar im beschaulichen Muolen und das seit vielen Jahren. Laut Gemeindepräsident Bernhard Keller hatte man zuvor Probleme mit Litterung und Vandalismus. Dank den Kameras seien die Probleme verschwunden. Noch diesen Herbst soll ein weiteres Reglement aufgelegt werden, um mit Videokameras gegen regelmässige Velodieb­stähle am Bahnhof vorzugehen.

Gemeinden schaffen Reglemente auf Vorrat

Während in St.Gallen, Wittenbach und Muolen öffentliche Plätze mit Kameras überwacht werden, verzichten andere Gemeinden darauf, obwohl sie die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen haben. So hat die Schulgemeinde Andwil-Arnegg nach teils schweren Fällen von Vandalismus – unter anderem wurde ein Molotowcocktail gegen die Turnhalle geworfen – im vergangenen Frühling ein entsprechendes Reglement in Kraft gesetzt. Kameras seien aber noch keine installiert, sagt Schulgemeindepräsident Christoph Meier. Bei der laufenden Renovation auf der Schulanlage Ebnet seien aber im Hinblick auf eine mögliche Überwachung Leerrohre verlegt worden. Rechtliche Grundlagen, aber keine Kameras, gibt es auch in Waldkirch. Die Stadt Gossau verfügt ebenfalls über ein entsprechendes Reglement und prüfte 2010 die Überwachung des Gebiets um den Bahnhof mit rund 25 Kameras. Angesichts der Kosten kam der Stadtrat davon allerdings wieder ab.

Freifahrtschein für Bahnbetriebe

Auf Bahnhöfen ist für die Videoüberwachung keine Verfügung der jeweiligen Gemeinde nötig. Die Bundesverordnung über die Videoüberwachung im öffentlichen Verkehr erlaubt die Überwachung, um Personen vor Aggressionen und Belästigungen zu schützen, Wertgegenstände zu sichern, Sachbeschädigungen zu verhindern oder schlicht Fahrgäste zu zählen.


Die SBB machen keine Angaben darüber, auf welchen Bahnhöfen Kameras in Betrieb sind. In den Bahnhofordnungen wird jeweils auf die Videoüberwachung hingewiesen. An vielen Bahnhöfen in der Region scheint sich der Einsatz auf Schalterhallen und Wartesäle zu beschränken, wie ein Augenschein zeigt. Am Hauptbahnhof St. Gallen ist die Videoüberwachung der Bahnhof- und Rathausunterführung von der Stadt geregelt, da diese als Wege klassiert sind.


Die Südostbahn (SOB) überwacht in der Region St. Gallen derzeit die Bahnhöfe Wittenbach, St. Gallen-Haggen und Herisau. Dabei stehen laut Medienstelle betriebliche Gründe im Vordergrund. Beispielsweise könne die Betriebszentrale so dem Lokführer Bescheid geben, wenn die Passagiere eines verspäteten Busses zugestiegen sind.


Die Appenzeller Bahnen haben unter anderem am Gaiserbahnhof in St. Gallen und am Bahnhof Gossau Kameras im Einsatz. Laut Direktor Thomas Baumgartner werden aber keine Aufzeichnungen gemacht. Sie dienten der Leitstelle zur Überwachung des Zugverkehrs. (jw)

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