Kommentar
Das Vorgehen der Stadt St.Gallen bei der Flade ist fragwürdig

Entscheidet sich ein Sechstklässler, künftig in die Flade in die Oberstufe zu gehen, so wählt er auch Unsicherheit. Denn hat er kein Losglück, so kann ihn die Stadt St.Gallen frei in eine andere Oberstufe zuteilen. Dieses Vorgehen ist auch ein Seitenhieb gegen die Flade.

Christina Weder
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Christina Weder

Christina Weder

Hanspeter Schiess

Sechstklässlerinnen und Sechstklässler haben die Wahl. Zum zweiten Mal in der Geschichte der städtischen Oberstufe können sie sich für ein Oberstufenschulhaus entscheiden und zwei Wünsche anbringen. Die Dienststelle Schule und Musik versucht, diese zu erfüllen, wie sie in der Broschüre «Übertritt in die städtische Oberstufe» schreibt.

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass beide Schulträger – die Flade und die städtische Oberstufe – ausgeglichene Klassengrössen und ein vergleichbares Verhältnis von Sek- und Realklassen in den vorhandenen Räumen erreichen. Damit ist bereits gesagt, dass eine Zuweisung ans gewünschte Schulhaus nicht in jedem Fall möglich sein wird. Das gilt sowohl für jene Schülerinnen und Schüler, welche sich für ein städtisches Schulhaus anmelden, als auch für jene, die sich für die Flade entscheiden.

Nun richtet sich die Dienststelle Schule und Musik aber in einem Grundsatz ausdrücklich an jene Sechstklässler, die sich in erster Priorität für die Flade interessieren. Die Formulierung hat es in sich. Denn sie verunsichert Eltern und Kinder. Längst ist ihnen klar, dass sie mit der Wahl der Flade einen Unsicherheitsfaktor in Kauf nehmen: Sie müssen mit einem Losverfahren rechnen. Und für ein solches brauchen sie Glück. Ist das Glück aber nicht auf ihrer Seite, könnte es sein, dass auch der Schulhauswunsch zweiter Priorität nicht in Erfüllung geht – nämlich dann, wenn es im gewünschten städtischen Schulhaus keinen Platz mehr hat. Das besagt der städtische Grundsatz. Eltern befürchten deshalb, ihre Kinder könnten im schlimmsten Fall zwischen Stuhl und Bank fallen.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Losentscheid ist klein

Nüchtern betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit aber klein, dass es sowohl mit dem ersten als auch mit dem zweiten Schulhauswunsch nicht klappt. Die Erfahrungen vom vergangenen Frühling haben das gezeigt: Es kam nur in Einzelfällen vor.

Angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit stellt sich deshalb die Frage, ob es den Grundsatz in dieser Form überhaupt braucht. Es kommt der Verdacht auf, dass damit der Flade ein Seitenhieb verpasst wird. Denn in der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen den beiden Schulträgern kein einfaches. Doch die Situation hat sich verändert, die Flade hat sich geöffnet. Die Stadt zahlt das Schulgeld für die städtischen Kinder, welche die Flade besuchen. Anstatt Verunsicherung zu verbreiten, wäre es angebracht, Vertrauen zu schaffen, damit für jedes Kind eine gute Lösung gefunden wird. Mit einem solchen Grundsatz kann das nicht gelingen.

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