«Das Virus wird unserer Branche starke Schmerzen zufügen»: Wie die Corona-Krise die St.Galler Gastrobranche trifft

Abgesagte Veranstaltungen, stornierte Caterings: Die Gastrobranche spürt erste Auswirkungen des Corona-Virus.

Christina Weder
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Abgesagte Veranstaltungen: Der Catering-Bereich ist besonders betroffen von der Corona-Krise.

Abgesagte Veranstaltungen: Der Catering-Bereich ist besonders betroffen von der Corona-Krise.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone
René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen.

René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen.

Bild: pd

Das Corona-Virus bringt auch die Gastrobranche in Bedrängnis. Die Situation sei nicht einfach. Und Prognosen seien schwierig, sagte René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen, an der 132. Hauptversammlung vom Montagabend. Doch:

«Das Virus wird unserer Branche starke Schmerzen zufügen.»

Die Hauptversammlung fand im Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) im Riethüsli unter besonderen Vorkehrungen statt. Im Saal sassen die Vereinsmitglieder und geladenen Gäste – darunter viel Politprominenz aus Stadt und Kanton – nicht wie gewohnt Schulter an Schulter. Die Stühle waren etwa einen Meter weit auseinandergeschoben. Am Eingang stand Desinfektionsmittel bereit. Und bevor die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingelassen wurden, mussten sie eine Selektion durchlaufen: Wer unter Husten litt oder kürzlich in einem Risikogebiet war, durfte nicht rein.

Ausgehverhalten innert kurzer Frist verändert

Auch inhaltlich dominierte das Corona-Virus an der HV. Erste Auswirkungen seien in der Gastrobranche spürbar, sagte Rechsteiner. Das Ausgehverhalten habe sich innert weniger Tage verändert. Betroffen sind bis jetzt vor allem der Catering-Bereich und die Hotellerie, die mit Absagen und Stornierungen konfrontiert sind.

Rechsteiner, der im «Bierfalken» wirtet und selber Caterings ausrichtet, bekommt das am eigenen Leib zu spüren. Eine Veranstaltung nach der anderen werde abgesagt. Und am Abend merke man, dass es auch in den Beizen etwas ruhiger sei. Hinzu kommt: Immer mehr Firmen führen Homeoffice ein. Damit sei absehbar, dass der Umsatz in den Restaurants am Mittag zurückgehe.

«Hilfe, ich bin Wirt! Zeigt mir den Weg oder Ausweg!»

Seine Ausführungen stellte der Gastropräsident unter den Titel «Hilfe, ich bin Wirt! Zeigt mir den Weg oder Ausweg!». Die Massnahmen von Bund und Kanton hätten wirtschaftliche Folgen fürs Gastgewerbe. Der Gastropräsident befürchtet Liquiditätsengpässe. Das Corona-Virus treffe auf eine bereits «geschwächte und chronisch unterfinanzierte Branche». Er schätzt, dass zwei von drei Betrieben in gravierende Liquiditätsschwierigkeiten geraten könnten und fordert Massnahmen, um ein «Massensterben von Lokalen» zu verhindern.

Konkret fordert Rechsteiner eine unbürokratische Handhabung der Kurzarbeit und eine «finanzielle Unterstützung in erheblichem Umfang». Er denkt etwa an längere Zahlungsfristen bei Rechnungen der öffentlichen Hand oder an die Schaffung von Fonds zur Gewährung zinsloser Überbrückungskredite für Betriebe, die in Schwierigkeiten geraten.

Wegfall von Geschäftsessen und -reisen wiegen schwer

Walter Tobler, Kantonalpräsident Gastro St.Gallen.

Walter Tobler, Kantonalpräsident Gastro St.Gallen.

Bild: Meinrad Schade

Auch Walter Tobler, Kantonalpräsident von Gastro St.Gallen, spürt eine grosse Verunsicherung in der Branche. In den vergangenen Tagen habe er zahlreiche Anrufe von beunruhigten Wirten erhalten. «Der Individualgast geht noch auswärts essen», sagt er. Doch wegfallende Geschäftsessen und Geschäftsreisen wiegten schwer.

Tobler sieht zwei Möglichkeiten zur Schadenbegrenzung: eine Epidemieversicherung oder Kurzarbeit. Übers Wochenende versuchte er selber, einen Antrag für Letztere auszufüllen, und stellte fest: «Viel zu kompliziert.» Ein Kleinstbetrieb mit einem Koch und zwei Serviceangestellten komme da an den Anschlag. Die Kurzarbeit sei fürs Gastgewerbe neu. Er fordert deshalb eine einfachere Handhabung.

Bruno Damann, Volkswirtschaftsdirektor des Kantons St.Gallen.

Bruno Damann, Volkswirtschaftsdirektor des Kantons St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Bruno Damann, der als Volkswirtschaftsdirektor dem Gastgewerbe vorsteht, stellte diese in Aussicht. Gefragt seien schweizweite Regelungen. Er versprach:

«Wir versuchen, so grosszügig wie möglich Kurzarbeit zu bewilligen.»

Für Walter Tobler ist das ein Grund zur Zuversicht: «Ich hoffe, dass wir die Krise erhobenen Hauptes überstehen.» Alle anderen Punkte auf der Traktandenliste wurden am Montagabend diskussionslos abgehakt und ohne Gegenstimme genehmigt.