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Das Vermächtnis des sammelwütigen Wittenbachers

Zeitungen, Zeitschriften, Autografen, Ansichtskarten: Der Wittenbacher Josef Steigmeier sammelte unzählige Zeitzeugnisse. Einen Teil davon hat er der Kantonsbibliothek Vadiana vermacht.
Noemi Heule
Schatzmeister über die Sammlung von Josef Steigmeier ist heute Wolfgang Göldi. Der Kantonsbibliothekar hat die Sammlung für die Vadiana gesichtet und teilweise erschlossen. (Bild: Ralph Ribi)

Schatzmeister über die Sammlung von Josef Steigmeier ist heute Wolfgang Göldi. Der Kantonsbibliothekar hat die Sammlung für die Vadiana gesichtet und teilweise erschlossen. (Bild: Ralph Ribi)

Es hat sich einiges summiert während 80 Jahren Sammelwut. Der Wittenbacher Josef Steigmeier widmete seine Zeit nicht nur dem politischen Geschehen und der Geschichte des Dorfes, sondern er richtete seinen Blick hinaus in die Welt. Das Geschehen rund um den Globus weckte sein Interesse. Und er holte sich die Welt in seine Stube nach Wittenbach. Bevor er vor zwei Jahren mit 90 Jahren starb, las er täglich sechs Zeitungen. Und er las sie nicht nur, sondern er sammelte sie, wie so vieles. Zeitungsschnipsel, thematisch sortiert, sind nur ein Teil seiner Sammlung, die heute in der Vadiana lagert. «Von der mittelalterlichen Handschrift bis zum Blick», lautet der Titel, den Wolfgang Göldi, Bibliothekar in der Vadiana, der Sammlung vorübergehend verpasst hat. Um eine Idee zu geben, wie breit das Spektrum der Sammlung ist, die bis in die Jugend Steigmeiers zurückgeht in den 1940er-Jahren.

Autografen von General Guisan bis Napoleon

Damals war Steigmeier Patient in Davos, just als General Guisan den Ort besuchte. Nach der Begegnung schrieb der 14-Jährige dem General ein Brieflein und bat um eine Signatur. Ein Wunsch, den dieser prompt erfüllte. Zur Unterschrift gesellten sich später jene der Generäle Charles de Gaulle oder Napoleon. Sie legte den Grundstein für eine Autografen-Sammlung, deren Stücke Steigmeier mehrheitlich auf Auktionen erwarb. Dazu gehören Otto von Bismarck, Erich Honecker, Kurt Furgler oder Hermann Hesse. Von Winston Churchill ergatterte Steigmeier eine signierte Menükarte, entstanden, als der britische Staatsmann im Zürcher Zunfthaus zur Meise speiste.

Josef Steigmeier mit seinem Archiv in der Kantonsbibliothek

Josef Steigmeier mit seinem Archiv in der Kantonsbibliothek

Die Sammlung von über 100 Autografen gehört zu Steigmeiers wertvollsten Hinterlassenschaften. Aber auch andere Schätze sind für die Kantonsbibliothek von Bedeutung - eine spätmittelalterliche Handschrift oder Bücher mit Lokalbezug. Etwa ein Band über den St. Galler Ballonkapitän Eduard Spelterini oder eine Schrift des St. Galler Genetikers Ernst Rüdin, der in Nazi-Deutschland als Rassenhygieniker unrühmlich in die Geschichte einging.

Viele Sammlungen werden abgewiesen

All dies wird nun bewahrt, konservatorisch korrekt verpackt und im Bibliothekskatalog verzeichnet. Doch nicht alles schafft es in den Bestand der Bibliothek. Vieles, gerade Bücher, besitzt die Vadiana bereits oder ist für sie nicht von Belang. «Ein Grenzfall» sei die Sammlung von Josef Steigmeier sagt Wolfgang Göldi. Denn viele ähnliche Sammlungen muss die Bibliothek abweisen, auch wenn es sich, wie bei Steigmeier, um Schenkungen handelt. «Unsere zeitlichen und räumlichen Ressourcen sind beschränkt», sagt Göldi. Eine Sammlung muss deshalb einen Lokalbezug haben und eine Lücke im Bestand füllen. Denn der Aufwand für Erhalt und Erschliessung ist gross. Um diese Arbeit abzugelten, hat Steigmeier der Bibliothek obendrein einen fünfstelligen Betrag hinterlassen. Denn er häufte zahlreiche «Papierberge» an, wie er selber sagte. Aber er hortete auch. Wie so viele Sammler konnte er sich nicht von seinen Fundstücken trennen.

Einblick in die Sammlung

Am Freitag, 31. August, von 13.00 bis 13.45 Uhr stellt Wolfgang Göldi die Sammlung von Josef Steigmeier im Ausstellungssaal der Kantonsbibliothek Vadiana vor.

Die Sammlung in der Vadiana ist deshalb nur ein Auszug seiner Sammelwut, seines ganzen Lebenswerks. Weitere Bruchstücke hat er dem Stadtarchiv oder der Museumsgesellschaft Wittenbach vermacht. Doch bereits dieser Auszug hat es in sich. Denn das Spektrum ist breit und die Sammlung unvollständig. Und sie birgt weiterhin Überraschungen. Wolfgang Göldi ist noch immer dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. «Ganz habe ich ihn noch immer nicht», sagt er. Ganz hatte ihn wohl auch Steigmeier nie. Göldi spricht von unzählbaren Einzelheiten, die eine längst vergangene Welt, farbig und plastisch, noch einmal aufleben lassen.

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