Kommentar

Bundesgericht zur St.Galler Talentschule: Das Urteil ist für die Stadt stossend

Die Stadt St.Gallen tut gut daran, Auswärtige nicht von ihrer Talentschule auszuschliessen. Es leuchtet aber nicht ein, weshalb die Stadt für einen auswärtigen Talentschüler weniger Schulgeld einfordern darf als für einen auswärtigen Real- oder Sekundarschüler, der eine städtische Schule besucht.

Daniel Wirth
Hören
Drucken
Teilen
Daniel Wirth, Leiter der Stadtredaktion.

Daniel Wirth, Leiter der Stadtredaktion.

(Bild: Ralph Ribi)

Talentschulen sind sinnvolle Einrichtungen. Jugendliche in ihren Begabungen zu fördern und gleichzeitig schulisch auszubilden – das ist eine schöne Aufgabe. Allerdings: Diese Aufgabe kostet Geld. Unklar war bis heute, wer wie viel bezahlen muss. Jetzt hat das Bundesgericht festgestellt: Der Kanton lag vollkommen richtig, als er 2018 in einer Verordnung zum Volksschulgesetz festgehalten hat, wie hoch das Talentschulgeld sein darf, das die Träger verrechnen.

Dass die Stadt St.Gallen als Beschwerdeführerin und der Kanton als Beklagter das Urteil des Bundesgerichts diametral anders auslegen, liegt in der Natur der Sache. Jedenfalls: Die Rechtslage ist geklärt. Gleichwohl leuchtet es nicht ein, weshalb die Stadt für einen auswärtigen Talentschüler weniger Schulgeld einfordern darf als für einen auswärtigen Real- oder Sekundarschüler, der eine städtische Schule besucht. Die tiefen Beiträge für Talentschüler im Sport decken die Kosten der Stadt nie und nimmer. Die Differenz von mehreren zehntausend Franken pro Talentschüler von auswärts muss mit Steuergeldern der Bewohner der Stadt ausgeglichen werden. Das ist stossend.

Die Stadt St.Gallen tut aber gut daran, Auswärtige nicht von ihrer Talentschule auszuschliessen. Es könnte ihr die kantonale Anerkennung kosten. Die Verantwortlichen im Bildungsdepartement sollten über die Höhe der Talentschulgelder für auswärts beschulte Begabte nachdenken und die Tarife rasch nach oben anpassen. Es kann nicht sein, dass die Gemeinden mit Talentschulen Geld drauflegen.

Mehr zum Thema