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Nachtschicht in Wittenbach: Frühmorgens wurde das Aquädukt des Studerswilenbach abgebrochen

Bis vor kurzem floss der Studerswilenbach in einem Stahlrohr über die Gleise beim Bahnhof Wittenbach. In der Nacht auf Dienstag wurde das sieben Tonne schwere Stück entfernt. Dafür standen ein Dutzend Männer und zwei Kräne im Einsatz.
Johannes Wey
Der kleinere Teil des Stahlrohrs wird auf die Bauholzstrasse gehoben. (Bilder: Johannes Wey)

Der kleinere Teil des Stahlrohrs wird auf die Bauholzstrasse gehoben. (Bilder: Johannes Wey)

Es ist keine ruhige Nacht, die die Anwohner der Bauholzstrasse erleben. Rund ein Dutzend Bauarbeiter und Maschinenführer haben zu beiden Seiten der Bahngleise Lastkräne in Stellung gebracht. Dann nähert sich ein Schienenfahrzeug der Südostbahn (SOB) mit einer Hebebühne. Von dort aus soll das Stahlrohr, das die Gleise in mehreren Metern Höhe quert, zerschnitten werden.

Bis Anfang dieses Jahres floss der Studerswilenbach durch dieses Aquädukt. Nun wurde er umgelegt. Streckenweise wurde er offengelegt und fliesst nun in einem neuen Bett parallel zur Bauholzstrasse. Die Arbeiten sind Teil des Grossprojekts, in dessen Rahmen das Dorf Wittenbach ein neues, urbanes Zentrum erhält. Das Aquädukt war bislang für ÖV-Passagiere das Tor zu Wittenbach, gewissermassen eine unvorteilhafte Visitenkarte. Nun hat sein letztes Stündlein geschlagen.


Der Zugfahrplan ist die grösste Herausforderung

Die zwei Männer auf der Hebebühne rücken dem Stahlrohr mit Schneidebrennern zu Leibe. Es soll in der Mitte getrennt werden, um die beiden Teile danach auf einen Tieflader zu hieven. Insgesamt wiegt das Rohr rund sieben Tonnen. Für Patrick Vetter, Bauführer bei der Gerschwiler AG, ist das kein aussergewöhnlicher Auftrag. «Speziell ist höchstens, dass das Rohr über die Bahngleise führt.»

Das ist auch der Grund, weshalb die Arbeiten mitten in der Nacht erfolgen müssen: «Die Bahnlinie muss gesperrt sein und der Strom abgeschaltet werden.»

Damit die Arbeiten reibungslos über die Bühne gehen, wurde das Rohr auf der Seite der Bauholzstrasse bereits zuvor weitgehend durchtrennt. Mit den letzten Zentimetern warten die Arbeiter, bis ihre Kollegen in der Mitte so weit sind. Am anderen Ende wurde die Bahnhofstrasse ohnehin bereits neu gestaltet; das Rohr liegt dort nur noch lose auf. Zum Dieselgeruch mischt sich der Gestank von durchtrenntem Metall. Wer keinen Kran oder Schneidebrenner bedient, kann nur warten. Genau wie die vier Schaulustigen, die der Kälte trotzen. Das Zerteilen des Rohrs zieht sich länger hin als geplant. Gegen 3 Uhr wollen die Männer eigentlich fertig sein, damit die SOB genügend Zeit hat, die Bahnlinie pünktlich wieder in Betrieb zu nehmen. Noch immer stieben Funken vom Stahlrohr zu Boden.

Die Teile werden verladen und abtransportiert:

Vorbereitungen dauern zwei Monate

So rasch der Abriss über die Bühne geht, so langwierig waren die Vorbereitungen. Ein bis zwei Monate Vorlauf brauche so ein Einsatz, sagt Vetter. Das Team und die Maschinen müssen organisiert und die Nachtsperre muss mit der SOB abgestimmt werden – zur Sicherheit auch für eine zweite Nacht als Reserve.

Vier bis fünf solcher Nachteinsätze fallen für Vetter jährlich an. Dieser hier gehört zu den kürzeren. Manchmal wird über Wochen nachts gearbeitet. Genau wie bei den Arbeiten am Bruggwald- und Galgentobeltunnel, welche die SOB im vergangenen Sommer vorantrieb. Ein Grossteil der Arbeiten erfolgte im Dreischichtbetrieb, der rund um die Uhr dauerte.

Der Aufwand für das Viadukt ist kleiner. Kaum ist das Rohr durchtrennt, nagt der Schweissbrenner schon an den Stützen. Kurz darauf kann das Viadukt in zwei Teilen auf die beiden Strassen gehoben werden. Kurz vor drei Uhr sind auch die Stützen des Rohrs abgesägt und auf dem Tieflader verstaut. Pünktlich können die Arbeiter ihr Material zusammenräumen. Wer will, kann am Dienstag frei machen, für die Chauffeure sind ohnehin Ruhezeiten vorgeschrieben. Patrick Vetter wird um sechs Uhr wieder an der Arbeit sein.

Vor dem Abtransport muss das ehemalige Aquädukt des Studerswilenbachs mit einem Schneidebrenner geteilt werden. Das geschieht von einem Schienenfahrzeug aus.

Vor dem Abtransport muss das ehemalige Aquädukt des Studerswilenbachs mit einem Schneidebrenner geteilt werden. Das geschieht von einem Schienenfahrzeug aus.

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