Das St.Galler Stimmvolk gibt sich selbst ein Klimaziel: bis 2050 klimaneutral werden.

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben den Klimaartikel klar angenommen. Der CO2-Ausstoss soll bis 2050 auf Null senken.

Marlen Hämmerli
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Klimademo in der St.Galler Innenstadt.

Klimademo in der St.Galler Innenstadt.

Urs Bucher (15. März 2019)

Das Ergebnis hat nicht überrascht. Stadtrat Peter Jans, Vorsteher der Direktion Technische Betriebe, freute es aber trotzdem – und zwar ausserordentlich. Die Stadt St.Gallen könne die Klimaziele des Bundesrats nun übernehmen und behördenverbindlich in die Gemeindeordnung aufnehmen, dem obersten Reglement der Stadt.

Der Nachtrag VII zur Gemeindeordnung war von Beginn an unbestritten, was sich im Resultat niederschlug. 79,1 Prozent sagten Ja bei einer Stimmbeteiligung von 58,6 Prozent.

Damit setzt die Stimmbevölkerung sich und der Stadt das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. «Das Ergebnis ist der Beweis, dass die Klimathematik bei der Bevölkerung angekommen ist und es kein Hype war», sagte Jans gestern vor den Medien.

«Der Klimawandel ist ein ernstes Problem, gegen das wir auch in den Gemeinden etwas unternehmen müssen.»
Peter Jans, Vorsteher der Direktion Technische Betriebe.

Peter Jans, Vorsteher der Direktion Technische Betriebe.

Michel Canonica

Keine Ölheizungen und keine Benziner mehr

Das städtische Energiekonzept 2050 sah bisher vor, den CO2-Ausstoss bis in 30 Jahren auf eine Tonne pro Kopf zu senken. Das Ziel wurde mit der vollständigen Dekarbonisierung jetzt verschärft, wie es Jans ausdrückte. Das Energiekonzept werde jetzt überarbeitet. «Die Massnahmen müssen beschleunigt und konsequent umgesetzt werden.»

Diese betreffen die Bereiche Wärme, Stromerzeugung und Mobilität. So müsse die Fernwärme weiter ausgebaut werden, sagte Jans. «Wir müssen schauen, dass wir möglichst bald keine Ölheizungen mehr haben und wegkommen von Verbrennungsmotoren.» Wobei dort der Handlungsspielraum der Stadt nicht so gross sei. Hier habe der Bund mehr Einfluss.

Massnahmen gegen die negativen Folgen

Der nun angenommene Nachtrag zur Gemeindeordnung gibt der Stadt neben der Dekarbonisierung zudem den Auftrag, den negativen Folgen des Klimawandels mit Massnahmen entgegenzuwirken. Als Folge des Temperaturanstiegs werden häufigere, intensivere und längere Hitzewellen erwartet.

Sogenannte Hitzeinseln treten bereits heute in der Stadt St.Gallen auf. Sind Stadtgebiete stark versiegelt mit Beton und Asphalt, kühlen sie sich in der Nacht nicht oder kaum ab. Massnahmen gegen Hitzeinseln sind folglich unter anderem mehr Grünflächen, begrünte Dächer und Fassaden, mehr Bäume und Sträucher.

Das Abstimmungsresultat legitimiert den Stadtrat, Geld für solche Massnahmen zu sprechen und den Weg der Dekarbonisierung weiterzugehen. Ein Grund mehr für Peter Jans, sich über das deutliche Resultat zu freuen.

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