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Serie

Quartiere im Fokus (II): Das Riethüsli ist ein Quartier auf dem Abstellgleis

Das Riethüsli gilt als Durchfahrts- und Schlafviertel. Das könnte sich nun ändern. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind gefragt.
Christoph Renn
Die über einen halben Kilometer lange Baustelle wird das Erscheinungsbild des Quartiers Riethüsli verändern. Und vielleicht auch seinen Charakter. (Bild: Urs Bucher)

Die über einen halben Kilometer lange Baustelle wird das Erscheinungsbild des Quartiers Riethüsli verändern. Und vielleicht auch seinen Charakter. (Bild: Urs Bucher)

Das Riethüsli schreibt momentan einen Rekord: Mit über einem halben Kilometer befindet sich im Quartier die zurzeit längste Baustelle der Stadt. Seit Ende Mai laufen die Bauarbeiten für die Neugestaltung der Teufener Strasse nach dem Wegfall des alten Bahntrassees der Appenzeller Bahnen. Für das Quartier, das seit jeher durch den Verkehr auf der Teufener Strasse wie durch einen Graben getrennt ist, eine Entwicklung, die es fit für die Zukunft macht.

«Bereits jetzt ist spürbar, dass weniger Autos von Appenzell Ausserrhoden her durchs Riethüsli fahren», sagt Quartiervereinspräsident Hannes Kundert. Die bessere Verbindung der Appenzeller Bahnen scheine Personen dazu zu bewegen, vermehrt vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.

Bäume sollen Zentrum des Quartiers aufwerten

Durch die Baustelle ist das Riethüsli optisch im Wandel: Die alten Schienen sind entfernt, die Strasse entlang der ehemaligen Zughaltestelle wird breiter. Ob diese Änderungen auch den Charakter des Quartiers verändern, steht jedoch noch in den Sternen. Fakt ist: Die neuen Platzverhältnisse im Abschnitt Hochwacht bis zum Einlenker bei der Elektro Kundert AG bietet eine Chance, die genutzt werden muss. «Es sind eine Velostreifen, ein Fussgängerweg und ein Allzweckstreifen geplant», sagt Kundert. Zudem sollen Bäume das «Zentrum» des Quartiers aufwerten.

Doch das Riethüsli braucht nicht bloss eine optische Veränderung. Im Quartier fehlt ein Lebensmittelgeschäft, Restaurants sind Mangelware. Seit dem Auszug des Quartierlädelis Christen im Jahr 2014 und dem Ende des Restaurants Riethüsli im Folgejahr entwickelt sich die 4500-köpfige Grenzgemeinde zum Appenzellerland zum Schlafquartier und gerät aufs Abstellgleis. Es fehlt eine Poststelle. Mit dem Auszug von Languedoc Weine folgte in diesem Jahr der nächste Schlag. Der Umsatz stimmte nicht mehr, wird Inhaber Manuel Bischof auf der Internetseite des Riethüslis zitiert.

Ob sich die Quartierbewohner bald wieder über ein neues Lebensmittelgeschäft freuen können, ist noch unklar. Hannes Kundert:

«Natürlich wäre ein Quartierladen enorm wichtig.»

Dem stimmt auch Peter Bischof, Quartierverantwortlicher der Stadt St.Gallen, zu. Deshalb habe die Stadt die Liegenschaften schon vor längerer Zeit erworben, um Erdgeschossnutzung mit passablen Mieten attraktiv zu machen. Am Ende müssten jedoch die Bewohnerinnen und Bewohner dort einkaufen, sonst funktioniere es nicht. Dem stimmt Hannes Kundert zu.

Das Riethüsli lebt nur wegen der Einwohner

Von einer Schlafgemeinde kann laut Bischof und Kundert jedoch nicht die Rede sein. Zwar gebe es nur wenige Angebote, dies habe jedoch dazu geführt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Selbstinitiative ergriffen hätten. So ist durch ihr Engagement der Quartiertreff Nestpunkt entstanden. «Jedoch könnte er noch besser besucht werden», sagt Kundert.

Beatrice Truniger, Stadtparlamentarierin. (Bild: Urs Bucher)

Beatrice Truniger, Stadtparlamentarierin. (Bild: Urs Bucher)

Ebenfalls aus der Not heraus haben engagierte Mütter im Riethüsli einen Kinderhort ins Leben gerufen. «Doch ohne Unterstützung der Stadt funktioniert das nicht. Deshalb muss er im Sommer schliessen», sagt Beatrice Truniger, Stadtparlamentarierin (SP). Notwendig wurde die Selbstinitiative, weil der Neubau das Schulhauses Riethüsli 2013 verschoben wurde. Das familienergänzende Angebot FSA+ ist an diesen Neubau gebunden. So kann es noch Jahre dauern, bis es auch im Riethüsli ein entsprechendes Angebot gibt. «Das geht aber deutlich zu lange», sagt Truniger. Zwar hat die Stadt Unterstützung für eine Übergangslösung zugesagt. Wie diese aussieht, sei aber noch nicht spruchreif.

«Doch für ein Quartier wie das Riethüsli ist ein familienergänzendes Angebot enorm wichtig.»

Denn hier gebe es einen grossen Einkommensunterschied zwischen Familien, die am Hang leben, und jenen, die entlang der Teufener Strasse wohnen. «Hier kann sich nicht jede Familie privat eine Kinderbetreuung leisten.»

Das einzige Erfreuliche ist, dass der Neubau des Schulhauses noch immer in der Investitionsrechnung der Stadt aufgeführt ist. «Das Riethüsli steht bezüglich Schulhaus aber schon seit 2013 auf dem Abstellgleis», sagt Hannes Kundert. Er spricht von einem Trauerspiel. Auf das Abstellgleis könnten in den kommenden Jahren auch die Familiengärten Ruckhalde geraten. Die Stadt plant dort den Bau von Wohnungen. «Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Stadt Ersatzmöglichkeiten im Quartier bieten muss», sagt Gisela Bertoldo, Präsidentin der Familiengärten Ruckhalde. Denn eines sei klar: «Die Nachfrage ist ungebrochen hoch.» Der Quartierverein ist gleicher Meinung.

Familiengärten stehen vor offener Zukunft

Die Weichen neu stellen muss die katholische Pfarrei. Ihre Kirche wird abgebrochen. Unterschlupf haben sie bei den Reformierten gefunden. «Die paritätische Kirche ist ein erfreuliches Projekt», sagt der reformierte Diakon Daniel Bertoldo. Natürlich habe es Kritiker gegeben. «Doch die meisten konnten wir beim Eröffnungsgottesdienst am 18.August überzeugen. Die beiden Konfessionen können von einander lernen und müssen gegenseitiges Verständnis zeigen.» Er hoffe, dass die paritätische Kirche im Riethüsli ein sicht- und spürbarer Ort werde.

Quartiere im Fokus

In einer losen Serie nimmt die Stadtredaktion die einzelnen Quartiere der Stadt St.Gallen unter die Lupe. Der Fokus liegt auf Eigenheiten, Charakteristika und engagierten Personen. Im ersten Teil der Serie stand das Lachen-Quartier im Mittelpunkt.

Im Rahmen der Serie bereits erschienen:

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