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Interview

Seelsorger zur Gedenkstätte für Sternenkinder: «Das Spital braucht diesen Ort»

Angehörigen von Sternenkindern steht am Kantonsspital bald ein Ort offen, an dem sie trauern können. Laut dem katholischen Spitalseelsorger Sepp Koller ist die Zeit jetzt reif dafür – gedauert hat es aber lange.
Interview: Christoph Renn
Hier wird die Gedenkstätte gebaut: Der katholische Spitalseelsorger Sepp Koller zeigt den Ort hinter der Frauenklinik. (Bild: Ralph Ribi)

Hier wird die Gedenkstätte gebaut: Der katholische Spitalseelsorger Sepp Koller zeigt den Ort hinter der Frauenklinik. (Bild: Ralph Ribi)

Das Kantonsspital baut eine Gedenkstätte für Sternenkinder. Es soll ein Ort werden, an dem Angehörige um Kinder trauern können, die vor der 22. Schwangerschaftswoche sterben. Im September beginnen die zweimonatigen Bauarbeiten. Ganz zur Freude des katholischen Spitalseelsorgers Sepp Koller. Zu einem modernen Spital gehöre ein solcher Platz dazu, sagt er. Denn sterbe ein Kind, egal in welchem Alter, sei die Trauer gross.

Das Kantonsspital baut einen Gedenkort für Sternenkinder neben der Frauenklinik und dem künftigen Kinderspital. Wieso erst im Jahr 2018?

Sepp Koller: Wir haben mit der Planung bereits im Mai 2017 begonnen. Es ist aber so, dass das Thema Sternenkinder und die Trauer um sie erst in den vergangenen Jahren stärker aufgekommen ist. Auch auf politischer Ebene. Sie müssen sich vorstellen: Früher wurden die Föten nicht bestattet, sondern häufig «entsorgt».

Haben früher Eltern nicht um Kinder getrauert, die vor der 22. Schwangerschaftswoche gestorben sind?

Das haben sie. Doch ihnen stand kein offizieller Ort zur Verfügung. Seit einiger Zeit gibt es zum Beispiel auf dem Ostfriedhof einen Platz, wo die Kinder bestattet werden können. Seit diesem Jahr organisieren wir auf Anfrage der Stadt dort auch Gedenkfeiern mit Bestattungen der Sternenkinder.

Wieso braucht es neben dem Friedhof noch eine zusätzliche Gedenkstätte für Sternenkinder am Kantonsspital St. Gallen?

Das Kantonsspital geht auf diese Weise sorgsam mit dem Thema um. Es ist ein Zeichen der Zeit. Der gesellschaftliche, politische und auch der religiöse Umgang mit dem Thema hat sich verändert.

«Ein Kind zu verlieren, ist das Schlimmste, das es gibt.»

Das Wichtigste für die Eltern und Angehörige von Sternenkindern ist, eine Anerkennung für ihr verstorbenes Familienmitglied zu erhalten. Und diesen Effekt erreichen wir unter anderem mit diesem Gedenkort.

Was heisst unter anderem? Welche anderen Möglichkeiten bieten Sie noch?

Die Idee ist, dass die Hebammen der Frauenklinik den Eltern ein Symbol als Andenken für ihr Sternenkind mitgeben. Sei es ein Schmetterling, ein Stein oder ein Stern auf dem sie das Geburtsdatum oder den Namen eintragen und ihn bei der Gedenkstätte ablegen können. Auch sind Sternenkinder neu ein Teil der jährlich stattfindenden Lichtfeier, an der wir allen Verstorbenen des Kantonsspitals gedenken.

Wie gross ist das Bedürfnis der Betroffenen, einen solchen Ort direkt am Kantonsspital zu haben?

In Zusammenhang mit Trauer bei einem Todesfall will ich nicht von einem allgemeinen Bedürfnis sprechen. Trauer ist etwas sehr Subjektives. In der Spitalseelsorge bieten wir aber jedem Unterstützung, der sie möchte. Wir versuchen, den Trauernden in der persönlichen Situation so gut es geht zu helfen. Wir drängen uns aber nicht auf. Die Gedenkstätte für Sternenkinder ist eine Erweiterung des Angebotes.

Sie haben täglich mit trauernden Menschen zu tun. Ist Ihre Arbeit im Umgang mit Eltern von Sternenkindern anders?

Nein. Wir gehen bei jedem Todesfall mit derselben Sensibilität vor. Dabei steht die Autonomie jedes Menschen an oberster Stelle. Ein Kind zu verlieren ist das Schlimmste, das es gibt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kind nun vor oder nach der 22. Schwangerschaftswoche verstirbt. Die Frau spürt ihr Kind, es gibt Hoffnung und die Familie freut sich. Auch für die Geschwister und alle Angehörigen sind solche Schicksale oft schwer zu verarbeiten.

Sie sind ein Teil des Projektteams der Gedenkstätte für Sternenkinder. Haben sie diesen Bau initiiert?

Nein. Die leitende Hebamme, Isabell Ackermann-Büchel, ist mit der Idee auf die Spitalseelsorge zugegangen. Zusammen mit Andrea Leupp von der evangelisch-reformierten Spitalseelsorge haben wir mit dem KSSG das Projekt realisiert.

Zur Person

Der 49-jährige Sepp Koller studierte in Fribourg und Rom Theologie. Danach war er zunächst in der Pfarrei St.Otmar in St.Gallen tätig, bevor er nach Gossau zog, wo er während fünf Jahren in der Andreas- und 15 Jahren in der Paulus-Pfarrei mitwirkte. Seit 2016 ist er Mitglied im katholischen Seelsorgeteam des Kantonsspitals St.Gallen. Dazu gehören evangelische und katholische Theologen. Sie unterstützen Patienten, deren Angehörige, aber auch Spitalmitarbeiter in der Bewältigung von Krankheit, Trauer und anderen Lebensfragen. (ren)

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