Das sagt der Mörschwiler Gemeindepräsident Paul Bühler zum Swisswindows-Konkurs: «Am meisten leid tun mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter»

Die Fensterherstellerin Swisswindows AG geht in Konkurs. Mörschwil verliert seinen grössten Arbeitgeber.

Daniel Wirth
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Am Hauptsitz in Mörschwil arbeiteten zuletzt rund 100 Mitarbeitende für die Fensterbauerin Swisswindows AG.  (Bild: Nik Roth)

Am Hauptsitz in Mörschwil arbeiteten zuletzt rund 100 Mitarbeitende für die Fensterbauerin Swisswindows AG.  (Bild: Nik Roth)


An der Haltelhusstrasse in Mörschwil, unmittelbar an der Autobahn A1, befindet sich heute ein mittelgrosses Industrie- und Gewerbegebiet mit Firmen unterschiedlicher Branchen: Fensterbau, Haustechnik, Elektrik, Kanalreinigung.

Die allererste Unternehmung, die sich dort in den 1980er-Jahren ansiedelt hatte, war die Dörig Fenster Service AG. Die Firma wurde 1999 von der Swisspor-Gruppe der Brüder Bernhard und Georges Alpstaeg übernommen.

Zehn Jahre später schlossen sich die Dörig Fenster ServiceAG, die Herzog Fenster AG und die Kufag AG zur Swisswindows AG zusammen. In Mörschwil war seither der Hauptsitz. Gestern nun die Hiobsbotschaft für die insgesamt 170 Mitarbeitenden: Die Firma hat Konkurs angemeldet.

Gemeindepräsident wurde nicht informiert

Der Mörschwiler Gemeindepräsident Paul Bühler hat auf der Strasse vom Konkurs des grössten Arbeitgebers im Dorf erfahren, wie er am Mittwoch auf Anfrage sagte. Die Nachricht vom Swisswindows-Konkurs habe ihn überrascht. Es habe keine Anzeichen dafür gegeben. Bühler sagt: 

«Am meisten leid tun mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.»

Er schätzt, dass zuletzt noch rund 100 Frauen und Männer bei der SwisswindowsAG an der Haltelhusstrasse im Lohn standen.

Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler.  (Bild: Michel Canonica)

Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler.  (Bild: Michel Canonica)

Mörschwil ist eine finanzkräftige Gemeinde. Der Gemeindepräsident sagt, der Niedergang der Fensterbauerin sei für Mörschwil nicht existenzbedrohend. Für die Wirtschaftsregion sei der Konkurs indessen ein herber Schlag.

Was passiert mit der Fabrikhalle?

Die Swisswindows-Produktionsstätte zwischen der Kantonsstrasse hinunter zum See und der Autobahn ist ein grosses Gebäude. Was mit dem Areal und der Fabrik in Zukunft geschieht, ist offen.

Bühler hat die Hoffnung, dass eine Auffanggesellschaft gebildet und ein Teil des Personals in Mörschwil weiterbeschäftigt werden kann. Das Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen ist gestern über den Konkurs informiert worden, genau so wie die 170 Mitarbeitenden am Hauptsitz und in den Produktionsstätten in Steinach am See und in Müllheim im Thurgau.

Bei den Mitarbeitern sass der Schock über die Nachricht des Verlusts ihres Arbeitsplatzes gestern tief.

«Wovon sollen wir jetzt leben? Wovon soll ich meine Rechnungen bezahlen? Ich weiss nicht, ob wir diesen Monat überhaupt einen Lohn bekommen werden.»

Das sagte ein 55-jähriger Swisswindows-Mitarbeiter nach dem die Belegschaft in Mörschwil informiert worden war.

Michael Aebisegger ist seit Anfang Jahr Gemeindepräsident in Steinach. Er erfuhr gestern vom «St.Galler Tagblatt» vom Swisswindows-Konkurs. Er sagt, der Verlust von 170 Arbeitsplätzen sei schlecht für Region als Wirtschaftsstandort.

Steinachs Gemeindepräsident Michael Aebisegger. (Bild: PD)

Steinachs Gemeindepräsident Michael Aebisegger. (Bild: PD)

Die Gemeinde am See selbst ist vom Konkurs der Fensterbauer nicht gleich stark betroffen wir die St.Galler Agglomerationsgemeinde Mörschwil. Aebisegger schätzt, dass am Schluss noch rund 20 Personen am Swisswindows-Standort Steinach beschäftigt waren.

Die Unternehmensleitung habe dem Gemeinderat schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass die Standorte Steinach und Mörschwil am Hauptsitz zusammengelegt würden. Von der Konkursanmeldung ist der Steinacher Gemeindepräsident gestern einigermassen überrascht worden, auch wenn gemäss Michael Aebisegger schon seit längerer Zeit Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten der Swisswindows AG im Seedorf kursierten.

Stadler Rail AG mietet die Hallen im Schöntal

Anders als Paul Bühler in der Nachbargemeinde Mörschwil muss sich Aebisegger keine Sorgen machen, was in den Swisswindows-Hallen im Schöntal in Steinach geschieht. Gemäss dem Steinacher Gemeindepräsidenten werden die Hallen, in denen einst der Nutzfahrzeug- und Stickereimaschinenhersteller Saurer produzierte, in Zukunft von der Schienenfahrzeugherstellerin Stadler Rail AG mit Sitz im thurgauischen Bussnang gemietet.

Philipp Welti, Pressesprecher bei der Stadler Rail AG, bestätigte das gestern auf Anfrage dieser Zeitung. «Ja, wir werden die Hallen im Schöntal mieten.» Es würden dort aber nur wenige neue Arbeitsplätze entstehen, sagt Welti. Die Hallen würden im Wesentlichen als Lagerraum und für Profilarbeiten verwendet, sagt er.

Mit dem Konkurs der Swisswindows AG geht in der Region zwischen St.Gallen und Bodensee ein Stück Fensterbau-Geschichte zu Ende. Allerdings keine lange. Die Dörig Fenster Service AG wurde 1981 gegründet. Mit dem Slogan «Maximale Aussicht» wurde gestern auf der Homepage noch Werbung gemacht. Auf die Mitarbeiter, die auf die Strasse gestellt werden, könnte das zynisch wirken.