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Tagesbetreuung für Schulkinder: Das Riethüsli will nicht länger warten

Unmut macht sich im Riethüsli breit. Die Tagesbetreuung im Quartier soll frühestens 2025 eingeführt werden, gleichzeitig mit der Eröffnung des Schulhausneubaus. Bis dahin setzt die Stadt auf den privaten Hort. Doch diesem droht die Schliessung.
Christina Weder
Der private Hort im Riethüsli bietet Platz für maximal 16 Kinder. Der Bedarf liege bei 100 Plätzen, heisst es im Quartier. (Bild: Urs Bucher)

Der private Hort im Riethüsli bietet Platz für maximal 16 Kinder. Der Bedarf liege bei 100 Plätzen, heisst es im Quartier. (Bild: Urs Bucher)

Der Ausbau der städtischen Tagesbetreuung gibt weiter zu reden. Nun brodelt es in einem Quartier. Das Riethüsli fühlt sich übergangen. Die Stadt hat mit dem Ausbau der Tagesbetreuung vorwärts gemacht und in mehreren Quartieren früher als geplant Übergangslösungen und Provisorien geschaffen. Doch im Riethüsli ist nichts passiert. Eltern und Schulkinder warten weiterhin auf ein lückenloses Betreuungsangebot.

Jeannette Leuch, Verein Hort Riethüsli St.Gallen (Bild: Urs Bucher)

Jeannette Leuch, Verein Hort Riethüsli St.Gallen (Bild: Urs Bucher)

Nun setzen sich das Elternforum und der Verein Hort Riethüsli zur Wehr und wenden sich in einem Schreiben an den Stadtrat, das Stadtparlament, die Direktion Schule und Bildung, den Quartierverein und die Ortsbürgergemeinde. Einzig für das Riethüsli sei die familienergänzende Betreuung nicht zeitnah geplant, schreiben sie und fordern eine städtische Übergangslösung auch für ihr Quartier. «Man soll uns nicht vergessen», sagt Jeannette Leuch, die Präsidentin des Vereins Hort Riethüsli.

Es dauert noch bis zum Ausbau der Tagesbetreuung

Tatsächlich ist das Riethüsli das einzige Quartier, in dem die Stadt für Schulkinder lediglich einen Mittagstisch anbietet – aber keine Betreuung vor und nach der Schule. Ein Tagesbetreuungsangebot ist zwar auch hier vorgesehen. Doch es lässt auf sich warten. Gemäss Postulatsbericht von 2017 soll es erst mit der Fertigstellung des Schulhauses eingeführt werden.

Auf das Neubauprojekt wartet das Quartier schon länger. Es ist aus Spargründen seit mehreren Jahren zurückgestellt. Dieses Jahr soll die Planung wieder aufgenommen werden. Im Neubau sind auch Räume für die Tagesbetreuung vorgesehen. Doch bis diese bezogen werden können, dauert es noch mindestens bis ins Jahr 2025. Zu lange, finden die Eltern im Riethüsli. Bis dahin will sich die Stadt auf den privaten Hort stützen, den es im Quartier gibt. Doch dieser steht vor dem Aus, wie der zuständige Verein und das Elternforum schreiben. Dem Hort drohe spätestens im Sommer 2021 die Schliessung. Die Finanzierung sei nicht mehr sichergestellt, die Auflagen des Kantons würden strenger. Es fehle an Geld für qualifiziertes Personal und Räumlichkeiten.

Maximal 16 Plätze im Hort

Sowieso sei die Situation mit dem Hort unbefriedigend. Er ist 2008 aus einer Notsituation von Eltern ins Leben gerufen worden. Noch heute steckt viel ehrenamtliches Engagement dahinter. Untergebracht ist er in einem Pavillon auf dem Schulgelände, den die Stadt zur Verfügung stellt. Dort bietet er aufgrund der Infrastruktur maximal 16 Plätze an. Der Bedarf sei im Quartier aber viel höher und werde bei weitem nicht abgedeckt. Notwendig wären eigentlich mehr als 100 Plätze, schreiben die Eltern.

Auch die Betreuungszeiten lassen zu wünschen übrig. Der Hort bleibt während der 13 Schulferienwochen geschlossen. Auch frühmorgens vor Schulbeginn findet keine Betreuung statt. Das führe dazu, dass einzelne Kinder berufstätiger Eltern bereits vor 7.30 Uhr vor der Schule anzutreffen seien. Störend sei auch, dass die Betreuungsgebühren deutlich höher seien als für die städtischen Angebote. Für die Verfasser des Schreibens ist klar: Das Riethüsli ist im Vergleich zu den anderen Quartieren klar benachteiligt, was die familienergänzende Betreuung anbelangt. Sie fordern «im Rahmen der Gleichbehandlung» eine sofortige städtische Übergangslösung.

Es gibt keinen Entscheid für Zwischenlösung

Schuldirektor Markus Buschor zeigt auf Anfrage Verständnis für die Reaktion aus dem Quartier. Es sei ihm bewusst, «dass das Riethüsli am längsten auf die Tagesbetreuung warten muss». Das Schulhaus-Neubauprojekt stehe fix auf der Agenda. Mit dessen Fertigstellung solle die Tagesbetreuung im Riethüsli eröffnet werden. Er stellt klar: Bis jetzt gebe es keinen Entscheid für eine Übergangs- oder Zwischenlösung. Dennoch sagt er:

«Wir nehmen das Schreiben ernst. Und wollen mit Fachleuten über die Bücher gehen.»

Der Stadtrat wird sich mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Gestern wurde ein Vorstoss mit dem Titel «FSA plus in der Stadt – auch im Riethüsli» eingereicht. Er stammt aus der Feder von SP-Stadtparlamentarierin Beatrice Truniger, die im Quartier wohnt. «Das Riethüsli ist bezüglich Tagesbetreuung ein blinder Fleck», sagt sie. Das Quartier warte schon lange auf den Schulhausneubau und nun auch auf die Tagesbetreuung. Das bringe das Fass zum Überlaufen und sorge für Unmut. «Man darf uns nicht immer vertrösten», sagt sie.

Sie will den Stadtrat in die Verantwortung nehmen und von ihm wissen, mit welchen Massnahmen er reagieren wird, wenn der private Hort im Riethüsli geschlossen wird. Weiter fragt sie, ob der Stadtrat bereit sei, die Planung im Quartier zu überdenken und der sich verändernden Situation anzupassen. Nun wartet das Quartier auf Antworten.

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