«Das Resultat gab mir einen Motivationsschub»: Jetzt will es die Andwiler Gemeinderatskandidatin Irene Räss umso mehr schaffen

Irene Räss will es im zweiten Wahlgang schaffen. Schöggeli verteilt die 39-jährige SVPlerin aber nicht.

Perrine Woodtli
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Irene Räss ist Sicherheit im Verkehr ein Anliegen.

Irene Räss ist Sicherheit im Verkehr ein Anliegen.

Bild: Michel Canonica (6. Februar 2020)

So ganz angenehm ist es Irene Räss nicht. Wie sie so auf einem Feldweg fürs Foto posiert. Sie sei nicht der Typ, der sich ständig präsentieren müsse. «Wenigstens sind wir hier nicht mitten im Dorf, wo mich jeder sieht», sagt sie und lacht. Ihr sei aber bewusst, dass dies dazugehöre.

Schliesslich hat die 39-jährige SVP-Frau ein klares Ziel vor Augen: Sie will in den Andwiler Gemeinderat. Der erste Wahlgang im Oktober wurde zum Wahlkrimi. Nur eine Stimme trennte Räss von Seline Heim-Keller (CVP), beide verpassten das absolute Mehr nur knapp.

Kandidatinnen unterwegs

Seline Heim-Keller (CVP) und Irene Räss (SVP) kämpfen um den freien Sitz im Andwiler Gemeinderat. Der erste Wahlgang am 20. Oktober endete mit einem Resultat für die Geschichtsbücher: Seline Heim holte 359 Stimmen, Irene Räss 358. Am 8. März findet der zweite Wahlgang statt. Die Redaktion stellt die zwei Kandidatinnen auf Rundgängen durch Andwil vor. Sie entscheiden selber, welche drei Stationen sie auf welche Weise ansteuern wollen. (red)

In einem Monat werden die Andwilerinnen und Andwiler endgültig ihre neue Gemeinderätin wählen. Ihr gehe es sehr gut, sagt Irene Räss. «Ich freue mich auf den zweiten Wahlgang und bin gespannt.» Manchmal spreche sie jemand im Dorf an und wünsche ihr Glück. Auch ihre drei Töchter feuern sie an.

Einen Schulhaus-Favoriten hat sie noch keinen

Für die Rundfahrt durch Andwil hat die politische Quereinsteigerin das E-Bike ausgewählt. Von ihrem Hof, der abgeschieden und idyllisch im Hölzli liegt, geht es ins Zentrum. Sie und ihre Familie seien oft mit den E-Bikes unterwegs, sagt Räss, während ihr der kühle Fahrtwind ins Gesicht bläst. «Im teils steilen Gelände ist das eine super Sache.»

Räss steigt im Dorfkern vom Sattel. Das Zentrum hat sie als erste Station ausgesucht, weil sich hier ein grosser Teil des Andwiler Lebens abspielt. Die Kirche, die Geschäfte, das Otmarzentrum, wo sich die Vereine treffen, das Gewerbe und die Quartiere, wo viele Familien leben – alles komme hier zusammen. «Hier werden auch die Fäden gezogen», sagt Räss mit Blick aufs Gemeindehaus. Dort will auch sie bald ein und aus gehen. Andwil sei eine gut funktionierende Gemeinde.

«Ich würde sie gerne mitgestalten.»

Für sie war gleich klar, dass sie sich erneut zur Wahl stellt. «Ich ziehe Dinge durch.» Ein Rückzug sei keine Option gewesen. Als Seitenhieb gegen Seline Heim, die sich eine erneute Kandidatur länger überlegte, sei das aber keinesfalls gemeint. «Da ist jeder verschieden.»

Im Dorfzentrum befinden sich auch die Schulhäuser Ebnet und Otmar. Die Schulraumplanung ist in Andwil derzeit ein heisses Thema. Die Bürger müssen bald entscheiden, wo das neue Schulhaus dereinst stehen soll – in Andwil oder in Arnegg. Der Schulrat hat für beide Möglichkeiten je fünf Varianten ausgearbeitet. Einen Favoriten hat Räss noch keinen. Sie werde sich an der Infoveranstaltung ein genaueres Bild machen.

Andwiler Moos ist ein Privileg für die Gemeinde

Irene Räss zieht den Velohelm wieder an. Verkehrssicherheit ist ihr wichtig, wie die dreifache Mutter betont. Zu viele Unfälle passierten täglich. «Kürzlich sah ich in einer Nachbargemeinde, dass die Schulkinder alle Leuchtwesten tragen. Das fand ich einfach grossartig.»

Vom Kern geht’s die Strasse hinauf und weiter durch ein ruhiges Quartier. Räss winkt einem Bekannten. Fast mühelos fährt es sich dank der E-Bikes die steile Paradiesstrasse hinauf. Über Stock und Stein geht es durch den ruhigen Paradieswald. Hinter den dichten Bäumen liegt das Naturschutzgebiet Andwiler Moos und die zweite Station.

«Für die Andwiler ist es ein Privileg, dass es so einen Ort in der Gemeinde gibt», sagt die Bäuerin. «Hier gibt es eine reichhaltige Biodiversität.» Sie lässt ihren Blick über die weiss bedeckten Wiesen schweifen. Der Schnee glitzert in der warmen Nachmittagssonne. Räss setzt sich auf eine Bank und nimmt zwei Äpfel aus der Tasche.

Erstes Resultat gab ihr einen Motivationsschub

Nach einer Pause geht es weiter, zurück ins Dorf und von dort ins Hölzli. Auf dem Weg hält Räss an der dritten und letzten Station der «Tour de Andwil» an, im Weiler Fronackeren. Von hier aus geniesst man einen weiten Ausblick auf die 1980-Seelen-Gemeinde und die Landschaft. «Diese Aussicht steht symbolisch für Weitsicht. Auch Politiker brauchen diese.»

Die Familie Räss führt auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb in Andwil auch eine Geflügelzucht.

Die Familie Räss führt auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb in Andwil auch eine Geflügelzucht.

Bild: Ralph Ribi (31. Juli 2019)

Nach anderthalb Stunden endet die Tour auf dem Hof mit den Kühen, Hühnern und Ponys. Hund Zottel begrüsst die Velofahrer schwanzwedelnd. Räss wird auch den zweiten Wahltag zu Hause verbringen. «Hier fühle ich mich am wohlsten.» Dieses Mal fühle es sich anders an als beim ersten Wahlgang.

«Das Resultat gab mir einen Motivationsschub. Jetzt will ich es umso mehr schaffen.»

Sie gehe aber auch jetzt nicht speziell auf Stimmenfang. Keine Schöggeli verteilen vor dem Spar also? «Auf keinen Fall», sagt Irene Räss und lacht. «Das ist nichts für mich.» Sie sei eher eine zurückhaltende Person. Wichtiger sei, nahe bei den Bürgern und präsent zu sein. «Die Leute kennen mich ja.» Sie lasse es einfach auf sich zukommen.