«Das Quartier ist in einer speziellen Situation»: Stillstand im Wittenbacher Grenzstreit

Der Wittenbacher Gemeindepräsident will die Bewohner des Bruggwaldquartiers besser einbinden.

Michel Burtscher
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Die Gemeindegrenze führt heute entlang der Bruggwaldstrasse.

Die Gemeindegrenze führt heute entlang der Bruggwaldstrasse.

Bild: Ralph Ribi (28. Februar 2020)

Vor zwei Jahren schien es, als komme Bewegung in die Sache. Der St.Galler Stadtrat preschte vor und teilte mit, er wolle mit der Gemeinde Wittenbach über den Grenzverlauf im Bruggwaldquartier diskutieren. Auslöser dafür war eine Petition von Quartierbewohnern. Mit dieser protestierten sie gegen die Auflösung eines Vertrages durch die Oberstufenschulgemeinde Grünau, der die Beschulung der Jugendlichen auf der Wittenbacher Seite des Quartiers in der städtischen Oberstufe vorsah.

Fredi Widmer, der frühere Gemeindepräsident von Wittenbach

Fredi Widmer, der frühere Gemeindepräsident von Wittenbach

Bild: Benjamin Manser

Der damalige Gemeindepräsident Fredi Widmer zeigte sich bereit zu Gesprächen – wenn auch in einem ersten Schritt nur darüber, wie in dieser Sache zu verfahren sei.

Das Bruggwaldquartier ist in einer besonderen Lage: Die Gemeindegrenze von St.Gallen und Wittenbach führt mitten hindurch (siehe Karte). Wer auf der Wittenbacher Seite wohnt, zahlt zwar seine Steuern dort, hat aber eine St.Galler Postleitzahl und fühlt sich oft auch mit der Stadt verbunden. Oder wie es der Stadtrat ausdrückte: Viele Einwohner seien schulisch, kirchlich und kulturell auf die Stadt ausgerichtet. Bei den Diskussionen um die Oberstufenschüler schwinge deshalb die grundsätzliche Frage nach der Gemeindezugehörigkeit des Quartiers mit. «Der Grenzstein kommt ins Rollen», titelte diese Zeitung damals.

Gröble intensiviert Austausch mit Quartier

Weit gerollt ist er offenbar nicht. Denn gehört hat man in dieser Sache seither nicht mehr viel. Der jetzige Wittenbacher Gemeindepräsident Oliver Gröble sagt:

«Es sind keine Gespräche geführt worden mit dem St.Galler Stadtrat.»

Der Stand sei bei diesem Thema noch immer der gleiche wie vor zwei Jahren. Warum es nicht weiterging, kann Gröble, der seit 2019 Gemeindepräsident ist, nicht sagen. Das sei vor seiner Zeit gewesen. Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin schreibt, dass der Stadtrat 2018 mit einer Vertretung des Gemeinderates Wittenbach ein Gespräch über das Thema geführt habe. Der damaligen Gemeindepräsident habe der Stadtratsdelegation zugesichert, dass ein Gespräch mit Vertretern des Bruggwaldquartiers organisiert werde. Die Handlungsoptionen müssten aber im Rahmen eines politischen Prozesses ausgelöst und umgesetzt werden, so Scheitlin. Dieser sei durch die Wittenbacher Bevölkerung zu initialisieren und mitzutragen.

Oliver Gröble, Wittenbacher Gemeindepräsident

Oliver Gröble, Wittenbacher Gemeindepräsident

Bild: Urs Bucher

Gröble betont, dass die Gemeinde Wittenbach offen sei für Gespräche über den Grenzverlauf. «Allerdings sehe ich das kurz- und mittelfristige Vorgehen in einem themenbezogenen strukturierten Dialog mit den Quartierbewohnern», sagt Gröble. Schon während seines Wahlkampfes habe er gemerkt, dass das Bruggwaldquartier aufgrund der Nähe zur Stadt in einer speziellen Situation sei. Er betont:

«Darum muss man es auch
speziell behandeln.»

Was Gröble damit meint: Er will die Quartierbevölkerung besser einbinden und hat einen institutionalisierten Austausch eingeführt. «Wir haben einen Arbeitskreis gebildet, in welchem wir verschiedene Themen erarbeiten und das Quartier darüber informieren», sagt er. Aktuell gehören zu diesen Themen etwa die Unterflurcontainer, die Tempo-30-Zone oder die Werkleitungen. «Wir müssen die Quartierbewohner ernst nehmen und ihre Anliegen zu Anliegen von Wittenbach machen.»

Quartierverein will noch keine Stellung nehmen

Was sagt man im Bruggwaldquartier dazu? Hans Peter Nigg von der Interessengemeinschaft, welche die Petition vor zwei Jahren lanciert hatte, sagt, die Situation sei noch immer unbefriedigend. «Unser Ziel bleibt weiterhin, dass es eine saubere Grenzbereinigung gibt.» Seit kurzem gibt es zudem einen neuen Quartierverein, der den Anliegen der Bewohner Gehör verschaffen will. Die Gründungsversammlung hat erst gerade stattgefunden. Beim Verein will man darum noch keine Stellung zum Thema nehmen. Der Meinungsbildungsprozess sei noch nicht abgeschlossen.