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Eltern in St.Gallen-Rotmonten schimpfen über weiten Schulweg ihrer Kinder

In Rotmonten wird kurzfristig ein siebter Kindergarten eröffnet. Die Kinder müssen mit einem Bus gefahren werden – und bereits nach einem Jahr in ein zweites Provisorium zügeln. Eltern finden diese Lösung fragwürdig.
Marlen Hämmerli
Das alte Schulhaus an der Kirchlistrasse 2 wird derzeit für die Tagesbetreuung und den Kindergarten umgebaut. (Bild: Urs Bucher - 17. Juni 2019)

Das alte Schulhaus an der Kirchlistrasse 2 wird derzeit für die Tagesbetreuung und den Kindergarten umgebaut. (Bild: Urs Bucher - 17. Juni 2019)

Eltern im Schulquartier Rotmonten-Gerhalde ärgern sich. Auf nächstes Schuljahr treten zu viele Kinder in die Schule ein – zu viele für die sechs bestehenden Kindergärten. Kurzfristig eröffnet die Stadt deshalb an der Kirchlistrasse 2 einen siebten Kindergarten. Doch in unmittelbarer Umgebung wohnen keine Vierjährigen. «Also hat man Kinder aus dem ganzen Quartier zugeteilt», sagt eine Mutter, die aus Rücksicht auf ihr Kind anonym bleiben möchte. Ein Blick auf die Adressliste bestätigt dies.

Der zumutbare Schulweg beträgt gemäss Reglement unter einem Kilometer. Noch weniger, wenn Höhenmeter mitberücksichtigt werden müssen – wie es bei der Kirchlistrasse der Fall ist. Eines der künftigen Kindergartenkinder wohnt 2,5 Kilometer von der Kirchlistrasse entfernt. Ein anderes 1,8 Kilometer. Im Schnitt beträgt die Distanz zum Kindergarten rund 970 Meter. Der Schulweg führt in den meisten Fällen steil den Hügel hinauf.

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Schulbus fährt auf die erste, freiwillige Schulstunde

Für jene Kinder, die über einen Kilometer von der Kirchlistrasse entfernt wohnen, werde ein Schulbus organisiert, sagt Schulleiterin Monika Dorner. Der Bus fährt auf die erste Schulstunde um 8 Uhr, die eigentlich freiwillig ist.

«Am Informationsabend hat sich gezeigt, dass das für die Eltern passend ist, weil sie berufstätig sind. Jene, die das Kind erst auf 9 Uhr bringen möchten, sind meist flexibler.»

«Damit wird die freiwillige Stunde faktisch obligatorisch», sagt die Mutter. «Die langen Vormittage sind für viele aber zu anstrengend.» Ausserdem sei der Weg mit so kleinen Kindern zu Fuss nicht machbar.

«Das provoziert geradezu Elterntaxis.»

Andere Eltern bezeichnen die Lösung als «nicht optimal» oder «fragwürdig». Ein Vater sagt: «Der Entscheid ist eine grosse Überraschung. Zumal unsere Kinder andere Schulhäuser besuchen.» Eine zweite Mutter findet, mit dem Schulweg könne sie sich arrangieren. Auch wenn er doppelt so lang sei.

Monika Dorner, Schulleiterin. (Bild: pd)

Monika Dorner, Schulleiterin. (Bild: pd)

«Nicht machbar»

Bei der Zuteilung in die Kirchlistrasse seien Kinder ausgewählt worden, die in der Nähe des Schulhauses Gerhalde wohnen, sagt Schulleiterin Monika Dorner. Denn nach einem Jahr müssen die Kinder in einen Container neben dem Schulhaus zügeln, was Eltern als «Fehlplanung» sehen.

Warum wurde nicht von Anfang an ein Container aufgestellt? «Dafür hat die Zeit nicht gereicht», sagt Andreas Horlacher, der als Dienststellenleiter Infrastruktur Bildung und Freizeit für die Schulraumplanung zuständig ist. Um einen Container aufzustellen, sei nicht nur ein Stadtratsbeschluss nötig, sondern auch eine Baueingabe, womit auch Fristen beachtet werden müssen.

«In weniger als vier Monaten ist das nicht machbar.»

Das Provisorium neben dem Schulhaus wird nötig, weil auch in der Kirchlistrasse 2 der Platz knapp wird. Ab Schuljahr 2020/21 nutzt die Tagesbetreuung das ganze Haus – der Kindergarten muss umziehen. Dafür werden im Provisorium neben dem Gerhalde-Schulhaus laut Dorner auch jene Vierjährigen unterkommen, die nächstes Jahr in den Kindergarten kommen.

Schulleiterin widerspricht

Gleichzeitig wird gemunkelt, dem Kindergarten Goethestrasse seien Kinder zugeteilt worden, die nicht unmittelbar im Quartier wohnen. Der Grund für diese «Bevorzugung» sei, dass der Kindergarten Goethestrasse auf dem Arbeitsweg der Eltern liege und nahe der Kindertagesstätte der Kinder.

Diesen Vermutungen widerspricht Schulleiterin Monika Dorner. «Das ist so nicht korrekt.» Das wichtigste Zuteilkriterium sei der Wohnort, danach, wo die anschliessende Betreuung stattfindet und schliesslich, ob bereits Geschwister den Kindergarten besuchen.

Kurzfristig informiert – das irritiert

Über den provisorischen Kindergartenstandort wurden die Eltern relativ kurzfristig informiert. «Das irritiert mich am meisten», sagt die zweite befragte Mutter. Normalerweise kenne man die Geburtenzahlen doch und plane den Schulraum ein bis zwei Jahre im Voraus.

Andreas Horlacher ist für die Schulraumplanung zuständig. (Bild: Regina Kühne)

Andreas Horlacher ist für die Schulraumplanung zuständig. (Bild: Regina Kühne)

«Wir und die für die Klassenplanung zuständige Dienststelle Schule und Musik wissen erst spät, wie viele Kinder in einem Schulquartier in den Kindergarten kommen», sagt Andreas Horlacher. Das Problem sei, dass Eltern vor der Einschulung gezielt innerhalb der Stadt umziehen. Dafür gibt es laut Horlacher ganz verschiedene Gründe. «Ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Wohnorts ist das Angebot an Tagesbetreuung.»

In Rotmonten fehlt der Platz

Horlacher räumt aber ein, dass die Situation dieses Jahr speziell sei. Fünf Kindergärten werden neu eröffnet. Normal seien zwei bis drei. «Bei rund 70 Kindergärten ist es normal, dass jährlich zwei bis drei geschlossen und an einem anderen Ort eröffnet werden. Diese Flexibilität ist enorm wichtig. Aber gerade in Rotmonten fehlen diese Reserven.» Seit Jahren würden Räume gesucht.

«Es gibt keine Bauparzellen und wenn es welche gibt, sind sie für die Stadt nicht bezahlbar.»

So platzt etwa das Schulhaus Rotmonten aus allen Nähten. Die Schulleiterin Monika Dorner zügelte ihr Büro vor einem Jahr gar in den Hauswartstrakt, um Schulraum frei zu machen.

«Wir mussten also kreativ werden und den Kindergarten in der Kirchlistrasse unterbringen», sagt Horlacher. Ein Problem sei auch, dass manche Leute Kindergärten mit Lärm und Dreck verbinden würden. «Gegen unsere Projekte wird immer mal wieder Einsprache eingelegt.»

So auch an der Kirchlistrasse 2. Eigentlich sollte die Tagesbetreuung bereits diesen Februar starten. Wegen zweier Einsprachen verzögerte sich der Umbau aber. Bis zum Sommer ist das alte Schulhaus aber bereit für die Kinder.

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