Der Bus ist rot statt gelb: Die Wittenbacher machen gute erste Erfahrungen mit den VBSG

Seit Sonntag fahren die Wittenbacherinnen und Wittenbacher nicht mehr Postauto, sondern VBSG-Bus. An die Umstellung müssen sie sich noch gewöhnen. Aber im Bus sind zufriedene Stimmen zu hören.

Johannes Wey
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Am Bahnhof Wittenbach halten seit diesem Sonntag auch Busse der VBSG. (Bild: Thomas Hary)

Am Bahnhof Wittenbach halten seit diesem Sonntag auch Busse der VBSG. (Bild: Thomas Hary)

Es regnet in Strömen. Das Schild an der Bus-Haltekante ist nigelnagelneu: «Wittenbach, Bahnhof», heisst die Haltestelle noch immer, der Schriftzug prangt aber auf rotem statt gelbem Hintergrund. Die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) haben am Sonntag die Strecke übernommen.

Dann taucht einer der neuen Buszüge auf und kurvt mühelos um den Kreisel – die Wendigkeit ist einer der Gründe, weshalb die VBSG für das kreiselreiche Wittenbach auf Zugfahrzeuge mit Anhängern setzen. 23 Meter lang sind die neuen Busse und bieten 58 Sitz- und 101 Stehplätze.

Freundlich sind auch die VBSG-Chauffeure

Das grosse Platzangebot wird am Bahnhof Wittenbach noch kaum in Anspruch genommen. Nur wenige Leute steigen ein. Eine Frau wendet sich verzweifelt an die Chauffeuse: «Wann kommt das Postauto?» – «Das Postauto bin jetzt ich», lautet die Antwort. Wenige Stationen später winkt die Passagierin der Chauffeuse lächelnd zu. Eine Befürchtung der Wittenbacher scheint sich also nicht zu bewahrheiten: Nämlich die, dass die VBSG-Chauffeure weniger freundlich seien, als ihre Kolleginnen und Kollegen von Postauto.

An der Haltestelle Zentrum steigt dann ein gutes halbes Dutzend Fahrgäste in den bis dahin fast leeren Anhänger ein. Ob der rote Bus der richtige ist, ist aber auch hier nicht allen klar. Eine junge Frau fragt zwei ältere, ob der VBSG-Bus nun anstelle des Postautos verkehre. «Ja, ein Postauto hält hier keines mehr.» Kaum eingestiegen, sind die Seniorinnen schon voll des Lobs für den neuen Buszug: «Hier drin hat man wirklich schön Platz», sagen sie, während sie sich hinsetzen. Es sei ein ungewohntes Gefühl. «Aber du wirst sehen, in einer Woche ist das ganz normal.»

Der Fahrplan ist das Tagesthema

Ohnehin ist der Fahrplanwechsel das Gesprächsthema Nummer Eins im Bus. Und zwar nicht nur die grosse Umstellung für Wittenbach, sondern auch die Auswirkungen auf Abtwil. Zwei Frauen diskutieren darüber, ob sich die Anbindung dort tatsächlich verschlechtert oder eben doch verbessert hat. Abtwiler und Wittenbacher sind mit dem Fahrplanwechsel näher zusammengerückt. Sie teilen sich die Linie 4, die aber nur bis zum Säntispark verkehrt.

VGSG sind mit der Umstellung zufrieden

Den Verkehrsbetrieben St.Gallen hat die grösste Umstellung seit über 40 Jahren keine grösseren Probleme bereitet. «Gemessen an den Dimensionen ist dieser Fahrplanwechsel gut über die Bühne gegangen», sagt die Informationsbeauftragte Cécile Kessler. Es sei zu keinen grösseren Verspätungen gekommen. Auf der technischen Seite seien einige kleinere Probleme zu Tage getreten, von denen viele schon behoben worden seien. Beispielsweise hätten zu Beginn die Anzeigetafeln an einzelnen Haltestellen nicht einwandfrei funktioniert. (jw)

An der Haltestelle Langgass taucht dann ein Problem auf: Eine Türe im Anhänger schliesst nicht mehr, ein lautes Pfeifen kündet davon. Und aus irgendeinem Grund können die Passagiere im Anhänger die folgende Unterhaltung zwischen Leitstelle und Chauffeuse in voller Lautstärke mitverfolgen, inklusive Lösungsweg. Dann geht es weiter.

Steckdose überzeugt Teenager

Nach Abtwil wollen offenbar die wenigsten Wittenbacher. Der Grossteil ist spätestens beim Bahnhof St. Gallen ausgestiegen. Unter den neuen Fahrgästen sind zwei Mädchen im Teenageralter. Sie finden den neuen Bus «hässlich». Und sofort setzen sie zu Gedankenspielen an, was wohl passieren würde, wenn sich der Anhänger selbstständig machen sollte. Doch dann entdeckt die eine die Steckdosen, die für die Fahrgäste bereitstehen. Sie ändert ihre Meinung. «Ich liebe diesen Bus!», sagt sie und stöpselt ihr Smartphone ein.

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David Gadze