Das nächste Problem für die St.Galler Vogelpflege

Die Vogelpflegestation St.Gallen braucht nicht nur neues Personal, sondern auch einen neuen Standort. Der Kanton verbietet die Wildvogel-Auswilderung in den kürzlich fertiggestellten Volieren im Museumspark.

Seraina Hess
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Es bleibt leer: Eines der beiden Vogelgehege im Museumspark. (Bild: Hanspeter Schiess)

Es bleibt leer: Eines der beiden Vogelgehege im Museumspark. (Bild: Hanspeter Schiess)

Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. (Bild: pd)

Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. (Bild: pd)

Es ist erst ein paar Tage her, als bekannt wurde, vor welch grosser Herausforderung die Vogelpflegestation St. Gallen steht: Das langjährige Betreiberpaar Dora und Christian Müller legte seine Aufgabe Ende letzter Woche nieder (Ausgabe vom 28. September). Aus gesundheitlichen Gründen, wie es bei der Stiftung Wildvogelpflegestation heisst. Müllers leisteten jährlich über 1200 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Die Nachfolge dürfte sich deshalb als schwieriges Unterfangen herausstellen. Weil die Stiftung die Aufgabe künftig professionalisieren und entlöhnen möchte, ist sie auf eine Organisation angewiesen, die eine solche Stelle finanziert – für den Aufbau eines Spenderstammes fehlt die Zeit.

Nun teilen sowohl die Stiftung als auch die Stadt St. Gallen mit, dass sich zur Betreibersuche ein weiteres Problem gesellt: Die Suche nach einem neuen Standort. Grund dafür sind die erst im Frühling fertiggestellten Aussengehege beim Naturmuseum, die nach der Erstversorgung der Wildvögel der Auswilderung hätten dienen sollen. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei (Anjf) hat zwar die zur Vogelpflege gebauten Räume im Museum, nicht aber die Aussengehege für den vorgesehen Zweck freigegeben.

Zu viele Menschen ums Gehege

Die Volieren sind für die Wildvogelhaltung nicht geeignet, weil sie im Park des Naturmuseums aufgestellt wurden, wo es zu viel Publikum gibt. Vögel, die sich Menschen nicht gewohnt sind, kämen darin nicht zur Ruhe, wie es die Vorgaben des Kantons verlangen. Es scheint also, als hätte die Stadt die Gehege nicht für die Vögel, sondern für die Füchse gebaut. Gezwungenermassen stellt sich die Frage, weshalb es das Hochbauamt versäumte, schon vor dem Bau entsprechende Vorgaben zu klären. «Selbstverständlich haben wir Abklärungen getroffen, bereits 2008 während der Vorbereitungen des Architekturwettbewerbs für den Naturmuseums-Neubau», sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Damals sei noch das Veterinäramt zuständig gewesen, das sich zwar zu den Anforderungen der Gehege an sich, nicht aber zum Standort geäussert habe. So entschloss sich die Stadt für den Standort Naturmuseum in Analogie zur bewährten Praxis: «Das bisherige Auswilderungs-Gehege am alten Standort bei der Voliere im Stadtpark hatte unter ähnlichen Bedingungen funktioniert und war auch bewilligt worden.»

Möglichkeiten, die beiden neu aufgestellten Volieren doch noch bewilligungsfähig zu machen, gibt es keine, auch nicht durch eine Absperrung, die Spaziergänger fern halten würde. Immerhin war die Anschaffung nicht umsonst: Die Elemente sind demontierbar und können andernorts wieder aufgebaut werden.

Pfauengässlein ist keine langfristige Option

Das Gehege am Pfauengässlein, das der Wildvogelpflege in den letzten Jahren als Auswilderungs-Provisorium diente, ist gemäss Mitteilung nur noch bis 2020 gesichert, da das Areal dann zur Errichtung des Unicampus am Platztor an den Kanton übergeht. Als Standortoption fällt das Provisorium deshalb weg. Ob sich die beiden Zweige der Vogelpflege – die Erstversorgung und die Auswilderung – künftig wie vorgesehen am gleichen Ort befinden werden, ist unklar. Wie Rechsteiner sagt, wäre es logistisch und betrieblich wünschenswert. Obschon sich mit der Suche nach einem neuen Standort und neuen Betreibern gleich zwei grosse Hürden in kurzer Zeit aneinanderreihen: Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, sagt Elisabeth Zwicky von der Stiftung Wildvogelpflege.

Weil die Vogelpflege mangels Betreiber derzeit brach liegt, werden Pfleglinge vom Anjf entgegengenommen und den Stationen im Kanton zugewiesen. Zwar hat die Stadt keinen Leistungsauftrag, die Vogelpflege in St. Gallen weiterzuführen; gemäss Mitteilung liegt ihr und dem Kanton die Angelegenheit aber «am Herzen», weshalb sie mit der Stiftung nach einer Lösung sucht. «Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass die Vakanz und die Standortfrage zeitlich zusammen fallen», sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner.