«Das Minus ist dramatisch»: In St.Gallen war im April nur jedes zehnte Hotelbett belegt

Die Hotellerie ist von der Coronakrise arg gebeutelt. Trotz der düsteren Situation sei Optimismus spürbar, sagt der Tourismusdirektor.

Sandro Büchler
Drucken
Teilen
Wann die Zahl der Hotelübernachtungen wieder das Niveau von vor der Coronakrise erreicht, ist unklar.

Wann die Zahl der Hotelübernachtungen wieder das Niveau von vor der Coronakrise erreicht, ist unklar.

Bild: Benjamin Manser (21.03.18)

Die Einbussen bei den Logiernächten seien dramatisch, sagt Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus. Während die 21 Hotels in St.Gallen im Februar noch 17'482 Logiernächte verzeichneten, sank der Wert im März auf 8342 Nächte. Dies zeigen aktuelle Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Vergleich der Logiernächte in der Stadt St.Gallen von Januar bis April

Zahl der Logiernächte (in Tausend)
2018
2019
2020
JanuarFebruarMärzApril05101520

Von den insgesamt rund 1700 Hotelbetten der Stadt waren im Februar – ähnlich wie in den Vorjahren – rund 35 Prozent ausgelastet. Im März halbierte sich die Auslastung. Nur in jedem fünften Bett schlief ein Gast. Kirchhofer rechnet für April und Mai noch mit einer Bettenauslastung von rund zehn Prozent.

«Das heisst, neun von zehn Betten bleiben leer.»
Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus.

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus.

Bild: Mareycke Frehner (10.07.18)

Normalerweise beginnt mit dem Frühling auch die Hochsaison in St.Gallen. Dies zeigen die gezählten Touristenankünfte. In den beiden Monaten steigen jeweils die Zahlen gegenüber den Wintermonaten. 2018 und 2019 kamen im März und April je rund 10'000 Personen nach St.Gallen und übernachten hier. Anders dieses Jahr: Noch 3323 Ankünfte wurden registriert. Für den Monat April seien die Zahlen voraussichtlich nochmals «signifikant tiefer», sagt Kirchhofer.

Vorübergehend eingestellt statt Einweihungsfest

Einige Hotels haben deshalb den Betrieb vorübergehend eingestellt. Das Radisson Blu Hotel etwa bleibt bis zum 7. Juni geschlossen, wie der Webseite zu entnehmen ist. Medienanfragen würden aktuell keine beantwortet, teilt das Unternehmen mit, das weltweit 1222 Hotels betreibt.

Das kürzlich renovierte Hotel Walhalla nimmt bis Ende Mai keine Buchungen entgegen. Das Hotel Dom an der Webergasse empfängt bis zum 15. Juni keine Gäste.

Geschlossen bis 1.Juni bleibt das Hotel Sorell City Weissenstein. Dabei wollte man dort im März 32 neue Zimmer einweihen und die Verdoppelung der Kapazitäten feiern. Denn das Gebäude vis-à-vis des Hotels an der Davidstrasse wurde in den vergangenen Monaten umgebaut. Darin sind die neuen Zimmer entstanden.

Doch jetzt ist das Hotel verwaist. An der Eingangstür klebt eine Mitteilung: «Hotelbetrieb vorübergehend eingestellt.» Und weiter: «Die Situation ist für uns alle einschneidend.» Gerne hätte man erfahren, wie es nun weitergeht und wann erste Gäste die neuen Zimmer beziehen können. Doch Anrufe verlaufen ins Leere. «Bitte rufen Sie später an. Der gewünschte Teilnehmer kann momentan nicht erreicht werden.»

Aushang an der Eingangstür des Hotels Sorell City Weissenstein

Aushang an der Eingangstür des Hotels Sorell City Weissenstein

Bild: Sandro Büchler

Umsatzeinbussen wirken sich langfristig aus

In den vergangenen Lockdown-Wochen hielten aber auch zahlreiche Hotels den Betrieb aufrecht. Etwa das Hotel Vadian, das Metropol oder das Hotel Einstein. Die drei Hotels sind weiterhin geöffnet. Laut Kirchhofer sei teils sogar eine Bettenbelegung von 20 Prozent erreicht worden. «Unter diesen Umständen ist das als Erfolg zu werten.»

Den Betrieb ebenfalls nicht eingestellt hat die «Militärkantine». An mindestens 365 Tagen im Jahr geöffnet, lautet seit der Eröffnung 2014 das Motto des Hotels und Restaurants auf der Kreuzbleiche. Während das Restaurant in den vergangenen acht Wochen zu machen musste, blieb das Hotel offen. «Wir zählten 40 Übernachtungen», sagt Martin Kappenthuler vom Betreiberteam.

Das Betreiberteam der Militärkantine zusammen mit der damaligen Stadträtin Patrizia Adam bei der Schlüsselübergabe 2014: (v.l.) Martin Kappenthuler, Patrizia Adam, Angelica Schmid, Anna Tayler und Jacques Erlanger

Das Betreiberteam der Militärkantine zusammen mit der damaligen Stadträtin Patrizia Adam bei der Schlüsselübergabe 2014: (v.l.) Martin Kappenthuler, Patrizia Adam, Angelica Schmid, Anna Tayler und Jacques Erlanger

Bild: Urs Bucher (3.02014)

Speziell erwähnt er einen jungen Mann, der neun Tage in der «Militärkantine» war. «Er kam aus dem Ausland zurück, konnte aber nicht nach Hause, weil er bei seinen Eltern wohnt.» Da im Hotel kein Personal war, habe die Geschäftsleitung ihm persönlich das Frühstück serviert.

Kappenthuler rechnet beim Hotelbetrieb mit Umsatzeinbussen von 35'000 bis 60'000 Franken monatlich. Einschneidender sei aber die Stornierungen der geplanten Festen, von Geschäftsanlässen und aller Hochzeiten. Bis Ende Juni sei an jedem Wochenende eine Gesellschaft eingeplant gewesen. «Und diese hätten auch im Hotel übernachtet.»

Die grösste Herausforderung stehe aber erst noch bevor. «Nämlich im kommenden Winter, wenn wir von dem leben, was wir im Sommer erwirtschaftet haben.» Um eine finanzielle Schieflage zu verhindern, hat die Geschäftsleitung einen Notkredit aufgenommen und hofft auf steigende Reservationszahlen. Kappenthuler sagt:

«Wir werden noch nicht überrannt,
aber es gibt langsam wieder etwas
mehr Buchungen.»

Standortförderung spannt mit Touristikern zusammen

Rund ein Viertel der Hotelbetriebe gehe schweizweit an den Folgen der Coronakrise Konkurs, prognostizieren Experten. «Diese Zahl macht auch uns Angst», sagt Tourismusdirektor Thomas Kirchhofer. Zwar würden die Umsatzeinbussen noch Jahre nachhallen.

«Wir hoffen aber, 2023 wieder das Niveau vom Februar 2020 zu erreichen.»

Jammern sei aktuell fehl am Platz. Kirchhofer macht einen verhaltenen Optimismus unter den St.Galler Hotelbetreibern aus. «Die vor der Coronakrise spürbare Aufbruchstimmung – mit den Hotelprojekten bei der Villa Wiesental und dem Vier-Winkel-Bau in St.Fiden – zeigt den Glauben in den Standort.»

Die Tourismusorganisation plant für Juni eine Angebots- und Kommunikationsoffensive. Diese sei aber abhängig von den weiteren Lockerungsschritten, die der Bundesrat beschliesse, und der Öffnung der Grenzen. Zusätzlichen Schub verleihe die Initiative der Standortförderung «Jetzt erst recht!».

«Das zeigt, alle ziehen am gleichen Strick, dass es wieder aufwärts geht.»
Mehr zum Thema