Das Millionen-Provisorium fürs Theater St.Gallen kann 2022 andernorts wieder aufgebaut werden

Auf dem Unteren Brühl haben die Bauarbeiten fürs Theaterprovisorium begonnen. Bleibt die Frage: Was geschieht danach mit dem Holzbau?

Daniel Wirth
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Die Bagger sind aufgefahren. Vor der Tonhalle haben die Bauarbeiten für den Aufbau des Theaterprovisoriums begonnen.

Die Bagger sind aufgefahren. Vor der Tonhalle haben die Bauarbeiten für den Aufbau des Theaterprovisoriums begonnen.

Bild: Nik Roth

Das Theater St.Gallen wird für 48,6 Millionen Franken saniert. Die Stimmberechtigten des Kantons St.Gallen haben den Kredit dafür vor ziemlich genau zwei Jahren mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 62,5 Prozent bewilligt. Bei der Tonhalle sind in der Zwischenzeit die Bagger aufgefahren für die Vorarbeiten für den Aufbau eines Theaterprovisoriums aus Holz.

Die Bergstation Chäserrugg mit dem von den Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron konzipierten Gipfelrestaurant bei seiner Eröffnung.

Die Bergstation Chäserrugg mit dem von den Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron konzipierten Gipfelrestaurant bei seiner Eröffnung.

Bild: Urs Bucher (26. Juni 2016)

Den Auftrag für das Provisorium erhielt die Blumer-Lehmann AG aus Gossau. Das Unternehmen hat sich international einen Namen gemacht mit zum Teil spektakulären Holzbauten. Als Beispiele seien die die Moschee in Cambridge in England genannt, der Hauptsitz der Swatch-Group in Biel oder das Berggasthaus auf dem Chäserrugg im Toggenburg. 

Migga Hug, Mitglied der Geschäftsleitung bei Blumer-Lehmann AG

Migga Hug, Mitglied der Geschäftsleitung bei Blumer-Lehmann AG

Bild: PD

Auch das Provisorium für das Theater auf dem Unteren Brühl wird alles andere als ein einfacher Holzschopf; nach Plänen der Blumer-Lehmann AG entsteht temporär ein Theatergebäude mit allem Drum und Dran. «Wir verbauen rund 430 Kubikmeter Holz», sagt Projektleiter Migga Hug, Mitglied der Geschäftsleitung des Gossauer Holzbauunternehmens.

Provisorium bietet Platz für 500 Zuschauerinnen und Zuschauer

Das Provisorium wird 50 Meter lang und 26 Meter breit und hat einen Eingangsbereich mit Kasse und Garderobe, ein Foyer mit Bar sowie den Saal mit Bühne, Orchestergraben und Tribüne. Hinzu kommen unterirdische Räume und eine gedeckte Passerelle zur Tonhalle.

Ursprünglich waren für das Provisorium 4,5 Millionen Franken veranschlagt. Neusten Berechnungen zufolge kostet es 6 Millionen Franken, wie die Bauherrschaft, das Baudepartement des Kantons St.Gallen, unlängst mitteilte. Dies, obschon der Bau etwas redimensioniert worden war von 700 auf 500 Zuschauerplätze.

Visualisierung des Theaterprovisoriums

Visualisierung des Theaterprovisoriums

Bild: PD

6 Millionen Franken für einen Bau, der nach zwei Jahren wieder abgebrochen wird. In der Stadt werden Stimmen laut, die reklamieren, das sei zu viel Geld. Doch der Kanton hat nicht die Absicht, das Theaterprovisorium 2022 einer Holzschnitzelheizung zuzuführen.

Bereits hat sich ein Interessent für den Holzbau gemeldet

«Das Provisorium wird so konstruiert, dass es nach der umfassenden Sanierung des 1968 erstellten Theaters demontiert und andernorts wieder aufgebaut werden kann», sagt Claudia Eugster, Kommunikationsverantwortliche des kantonalen Baudepartements.

Bisher habe sich ein Interessent gemeldet, sagt Eugster. Wer das ist, will Eugster nicht bekanntgeben. Das Ganze sei noch zu wenig konkret. Konkrete Gespräche möchte das Hochbauamt gemäss Eugster erst ab Herbst dieses Jahres führen, nachdem das Provisorium fertiggestellt sei.

Das ist nachvollziehbar. Mögliche Interessenten möchten sich ein Bild machen vom Provisorium. Wollen es sich eins zu eins ansehen und nicht nur Pläne begutachten. Bei der Blumer-Lehmann AG jedenfalls ist der Aufbau und die Demontage ganzer Gebäude nicht erst seit dem Zuschlag für das St.Galler Theaterprovisorium ein Thema. Ganz im Gegenteil.

Von der Asylsiedlung, über den «Lattich» bis zum Uniprovisorium

Mit Temporärbauten hat das Unternehmen grosse Erfahrung. In Kriens baute die Firma beispielsweise eine Asylsiedlung für 120 junge Flüchtlinge. Und in der Stadt St.Gallen baute die Blumer-Lehmann AG das «Lattich» beim Güterbahnhof oder ein Provisorium bei der Universität St.Gallen.

Das markante gelbe «Lattich»-Gebäude im Güterbahnhofareal

Das markante gelbe «Lattich»-Gebäude im Güterbahnhofareal

Bild: Hanspeter Schiess (14. Mai 2019)

Dass das St.Galler Theaterprovisorium dereinst in einer anderen Stadt aufgestellt wird, in der ein Theater saniert werden muss, ist technisch also möglich. Das kantonale Baudepartement ist Besitzerin des Baus und würde es bei einem passenden Angebot wahrscheinlich gerne veräussern.

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