Das Militär hat ein Herz für Amphibien: Beim Breitfeld entstehen drei Weiher für fortpflanzungsfreudige Molche

Im Gebiet zwischen der Kaserne Neuchlen-Anschwilen und dem Schiessplatz Breitfeld baut die Schweizer Armee drei Weiher und ein Leitsystem für Amphibien. Doch warum engagiert sich das Militär überhaupt als Tierschützer?

Michel Burtscher
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Unter anderem für den Kammmolch baut die Schweizer Armee neue Weiher im Breitfeld.

Unter anderem für den Kammmolch baut die Schweizer Armee neue Weiher im Breitfeld.

Witr / iStockphoto

Die Schweizer Armee hat nicht nur den Auftrag, die Bevölkerung zu schützen, sondern anscheinend auch ein Herz für Tiere. In Gossau jedenfalls will sie im Breitfeld, einem Laichgebiet von nationaler Bedeutung, drei Weiher und ein sogenanntes Leitwerk für Amphibien bauen. Die Pläne dafür liegen derzeit auf.

Entstehen sollen die Weiher demnach östlich des Schloss Oberberg, oberhalb des Schiessplatzes Breitfeld. Das ist noch Gossauer Boden, aber ganz in der Nähe der Grenze zu St. Gallen. Die Weiher werden nicht riesig: Zwei sind drei Meter breit und fünf Meter lang, der dritte vier Meter breit und neun Meter lang.

Laichplätze für den Kamm- und den Fadenmolch

In den Unterlagen wird fein säuberlich aufgelistet, welche Weiher für welche Amphibien gedacht sind. So sollen die zwei kleineren vor allem dem Kammmolch dienen. Die ausgewählten Stellen würden sich besonders gut eignen, da sie ausserhalb des geschützten Flachmoors lägen und trotzdem über eine grosse Bodennässe verfügten.

Das Breitfeld wird nicht nur von der Armee genutzt, sondern ist auch ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Im Hintergrund ist das Schloss Oberberg zu sehen.

Das Breitfeld wird nicht nur von der Armee genutzt, sondern ist auch ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Im Hintergrund ist das Schloss Oberberg zu sehen.

Urs Bucher

Der dritte Weiher wird im flachen Gelände in der Nähe des Hafnerbergbaches angelegt. Dank des Halbschattens und der Waldnähe erfülle der Standort vor allem die Ansprüche des Fadenmolchs, der im Laichgebiet Breitfeld äusserst selten sei.

Den Tieren über die Strasse helfen

Das Amphibienleitwerk wiederum entsteht weiter nördlich, auf der Wissholzstrasse, die vom Schloss Oberberg zur Kaserne Neuchlen-Anschwilen führt. Bei der Überquerung auf dem Weg zum Weiher Neuchlen verloren in der Vergangenheit viele Tiere ihr Leben, auch weil dort just zur Laichzeit viele Militärfahrzeuge durchfahren.

Deshalb wurde in den letzten Jahren im Auftrag von Armasuisse Immobilien, dem Immobilienkompetenzzentrum des Verteidigungsdepartements, während der Laichwanderung jeweils ein temporärer Amphibienzaun installiert. Zusätzlich brachte der Naturschutzverein Gossau und Umgebung allmorgendlich die Tiere in Kübeln vom Zaun an den gegenüberliegenden Strassenrand.

Der temporäre Amphibienzaun an der Wissholzstrasse mit Transportkübel.

Der temporäre Amphibienzaun an der Wissholzstrasse mit Transportkübel.

PD

Im Jahr 2019 alleine wurde so 4500 Tiere sicher über die Strasse geholfen. Darunter hatte es viele Erdkröten, die als verletzlich eingestuft sind. Jetzt soll aus dem temporären Amphibienzaun ein festes Leitsystem werden. Es wird auf einer Länge von 210 Metern beidseitig der Wissholzstrasse gebaut, mit Wänden und kleinen Tunneln.

Landesverteidigung und Naturschutz aufeinander abstimmen

Doch wieso engagiert sich die Armee überhaupt als Teichbauerin und Amphibienretterin? Die Projekte entstehen im Rahmen des Programms Natur-Landschaft-Armee, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Das Verteidigungsdepartement ist einer der bedeutendsten Grundeigentümer der Schweiz, besitzt viel Boden im ganzen Land. Da kann es schnell zu Nutzungskonflikten kommen.

Die Karte des Bundesamtes für Umwelt zeigt das inventarisierte Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung im Breitfeld.

So wird das Gebiet zwischen Kaserne Neuchlen-Anschwilen eben nicht nur von der Schweizer Armee gebraucht, sondern ist auch beliebt bei Spaziergängern und teilweise ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Viele Amphibienarten sind heute stark bedroht und alle sind geschützt. Das Programm Natur-Landschaft-Armee wurde 1999 unter dem damaligen Verteidigungsminister Adolf Ogi gestartet, um  «die Interessen der Landesverteidigung und des Naturschutzes bestmöglich aufeinander abzustimmen». 

Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis Sommer 2021

Neben der beiden Amphibienprojekte plant das Bundesamt für Rüstung Armasuisse noch weitere Arbeiten: Auf der Wissholzstrasse fehlt heute auf einer Länge von rund 500 Metern ein gesicherter Fussweg. Dieser soll nun gebaut werden. Zudem wird eine Naturstrasse auf St.Galler Boden aus Sicherheitsgründen asphaltiert.

Die Pläne sind noch öffentlich aufgelegt bis am 28. Mai. In dieser Zeit kann die betroffene Bevölkerung bei den Gemeinden Gossau und St. Gallen schriftliche Anregungen oder Einsprachen einreichen. Verläuft alles nach Plan, sollen die Bauarbeiten laut einem Sprecher der Armasuisse im Herbst 2020 beginnen und bis im Sommer 2021 abgeschlossen werden.

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