«Das Meer geht uns alle etwas an»

Zurzeit tourt der Deutsche Meeresbiologe und Fotograf Uli Kunz mit seiner Show «Leidenschaft Ozean» durch die Schweiz. Auch in Rorschach hat er einen Zwischenstopp eingeplant.

Fabio Fornito
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Für seine Unterwasserbilder kommt Uli Kunz den Meeresgiganten richtig nahe. Wie hier diesem Buckelwal.

Für seine Unterwasserbilder kommt Uli Kunz den Meeresgiganten richtig nahe. Wie hier diesem Buckelwal.

Bild: PD

Sie sind seit Ihrer Jugend vom Meer fasziniert. Weshalb?

Uli Kunz: Vermutlich merkt man früh in der Kindheit, welche Faszination einen nie wieder loslässt. Bei mir waren es erste Abenteuer nur mit Maske und Schnorchel im Bodensee oder in heimischen Baggerseen, die mich begeistert haben.

Sie machen in Ihren Shows regelmässig auf den Klimawandel aufmerksam. Welche Massnahmen sind nötig, um die Meeresflora und -fauna zu erhalten?

Das ist natürlich ein komplexer Vorgang. Generell müssen wir unsere ganze Gesellschaft auf einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen bringen und unseren CO2-Ausstoss dramatisch reduzieren. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist ein Anfang, aber darüber hinaus müssen die Massentierhaltung beendet, die Landwirtschaft stark verändert und die Mengen an gefangenem Fisch reduziert werden. Sonst zerstören wir unsere eigene Lebensgrundlage.

Uli Kunz ist Meeresbiologe und Fotograf.

Uli Kunz ist Meeresbiologe und Fotograf.

Bild: PD

Warum müssen sich auch Personen aus der Region Rorschach mit den Problemen der Meere befassen?

Sie müssen es nicht, aber sie können. Und vermutlich wollen sie es auch, denn die Meere gehen uns alle etwas an, egal wie weit weg von der Küste wir wohnen. Die Ozeane sind der bei weitem grösste Lebensraum auf unserem Planeten, die Strömungen beeinflussen das Klima; die Lebewesen darin steuern Abläufe, die wichtig sind für die gesamte Menschheit.

Sehen Sie sich als Meeresbiologe in der Pflicht, auf ebendiese Probleme hinzuweisen?

Als eine Pflicht sehe ich meine Arbeit nicht an. Eher als ein Privileg. Das Thema Meer hat in den vergangenen Jahren enorme Aufmerksamkeit bekommen; durch die Berichterstattung in den Medien und natürlich vor allem durch die enormen Schäden am Ökosystem, die für jeden Menschen mit gesundem Verstand unübersehbar sind.

Merken Sie auch, dass Sie mit Ihren Shows eine Veränderung bewirken?

Das Bewusstsein der Menschen für unsere Natur wächst. Die Kinder gehen auf die Strasse und demonstrieren für eine nachhaltigere Politik. Es tut sich etwas. Ich würde mich freuen, wenn meine Vorträge einen winzigen Teil zu dieser Veränderung beitragen könnten. Ob sie es tun, wird sich vielleicht erst in Jahrzehnten oder Jahrhunderten zeigen.

Wie verbinden Sie es mit Ihrem Gewissen, dass Sie trotzdem ständig um die Welt reisen?

Klar bin ich ein Heuchler, wenn ich Klimaschutz predige und mich dann ins Flugzeug setze oder mit dem Auto auf Vortragstournee gehe. Ich folge meiner Leidenschaft und berichte über die Zustände in den Ozeanen, über Tiere und Pflanzen, welche die meisten Menschen noch nicht gesehen haben und über Naturschutzprojekte, die mit gutem Beispiel vorangehen. 

Multimediashow «Leidenschaft Ozean», 16. Februar, 17.30 Uhr, Würth Haus Rorschach