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Das Männerheim Hasenberg
hat wieder einen neuen Leiter:
«Ich lobe, wo ich kann»

Stephan Goos leitet neu das Männerheim in Waldkirch. Sein Vorgänger blieb nur ein Jahr in der Institution der Heilsarmee.
Melissa Müller
Heimleiter Stephan Goos mag weder Bier noch Zigaretten. (Bild: Urs Bucher)

Heimleiter Stephan Goos mag weder Bier noch Zigaretten. (Bild: Urs Bucher)

Nach nur einem Jahr wechselt die Leitung des Männerheims Hasenberg in Waldkirch: Urs Meier-Zwingli hat gekündigt. Ab nächster Woche ist er bereits als Leiter des Pflegeheims Heiligkreuz in St.Gallen tätig. Der Hasenberg sei «ein toller Ort mit hervorragenden Mitarbeitenden und einem guten Betriebsklima», lobt er. Mit dem Ziel, den Bewohnern ein würdiges Daheim zu ermöglichen. Aber: «Für seine Zukunftsentwicklung müsste der Hasenberg eine andere Struktur erhalten.» Da sei er sich mit der Trägerschaft, der Heilsarmee, nicht einig geworden. «Darum habe ich die Konsequenzen gezogen.»

Sein Nachfolger Stephan Goos kommt aus der Wirtschaft. Einen mit seinem Hintergrund würde man im Hasenberg nicht erwarten: Der 53-Jährige hat in Stuttgart Betriebswirtschaftslehre studiert. Er war bei einem Schraubenhersteller und einer Firma für Edelstahlrohre tätig, danach 25 Jahre in einem Textilgrosshandel. Infolge der ­Finanzkrise sattelte er um – und schloss an der Fachhochschule St.Gallen einen CAS in Gesundheitsmanagement ab.

«Man muss agil und flexibel sein, sich auf den ‹Change› einlassen.»

Der Manager ist eine elegante Erscheinung im weissen Hemd, am Armgelenk glänzt eine grosse silberne Uhr. Im Schwabenland sage man: «Nix gsaat, isch genug gelobt». «So ein Schwachsinn», findet der Chef. «Ich lobe, wo ich kann.» Etwa wenn sich zwei Bewohner zanken und ein Mitarbeiter dazwischen geht und den Streit professionell schlichtet.

Vogelhäuschen, Gemüse und Brennholz

Noch ist Goos daran, die Namen der 32 Bewohner und der 20 Mitarbeitenden auswendig zu lernen. «Die meisten sind in meinem ‹Brain› schon drin.»

Das Männerheim liegt abseits des Dorfs zwischen Wiesen, Wald und Hecken. Im Hofladen werden Vogelhäuschen, Insektenhotels, Gemüse und Brennholz angeboten. Ein Bach fliesst zwischen Wohnhaus und Werkstätten.

Der Eingang ist mit Heuballen, Kürbissen und Papierdrachen herbstlich dekoriert. Ein gebückter Mann mit einem langen Bart hockt in der Cafeteria und verwickelt eine Betreuerin in eine Plauderei. Ein anderer schiebt seinen Rollator durch den Gang.

Die meisten Bewohner leiden unter einer Suchterkrankung, meist Alkohol. Oft geht damit eine psychische Erkrankung einher, wie Schizophrenie, Depressionen oder Wahnvorstellungen. Der Hasenberg will in Zukunft denn auch enger mit der Psychiatrie Nord in Wil zusammenarbeiten.

«Wir fangen Menschen auf, die schwer rehabilitierbar sind», sagt Stephan Goos. Obschon abgelegen, ist der Hasenberg kein Gefängnis. «Das Haus ist offen, jeder ist freiwillig hier.»

Männer vor Verwahrlosung bewahren

Auf dem ersten Arbeitsmarkt sind die Männer häufig gescheitert. Unter Anleitung von Arbeitsagogen arbeiten sie nun in der Schreinerei, in der Wäscherei, im Montagebetrieb, im Garten. «Es geht nicht um Maximierung und Output. Sondern darum, den Männern eine Tagesstruktur zu geben und sie vor Verwahrlosung zu bewahren.» Jeder solle ausgehend von seinen Fähigkeiten gefördert werden. Männer hätten andere Themen als Frauen, steht auf einem Flyer der Institution. Und die meisten spielen gern. Darum stehen im Hasenberg Töggelikasten, Dartscheiben und eine Kegelbahn. Am höchsten im Kurs ist aber die grosse Carrera-Autorennbahn. Sie lässt Bubenträume wahr werden.

Keine Lust auf Bier und Zigaretten

Während die meisten Bewohner rauchen, hat Stephan Goos noch nie eine Zigarette angerührt. Bier mag er auch nicht. Frönt er einem anderen Laster? «Ich bin recht integer», sagt der Familienvater, der gerne joggt und schwimmt. «Fast schon langweilig.» Der Heimleiter, der mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Weinfelden lebt, hält nicht viel von einem autoritären Führungsstil. «Ich gehe nicht davon aus, dass meine Mitarbeiter faul sind.» Man sollte die Menschen arbeiten lassen, statt sie wie ein Kontrollfreak zu überwachen. Das habe nichts mit Laissez-faire zu tun, sondern sei erwiesenermassen besser für den Workflow. «Bei uns traut jeder dem anderen zu, dass er sein Bestes gibt.»

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