Das Leben ohne Schongang: Das Cabaret Sälewie nimmt sich in seinem neuen Stück der Wohlstandsgesellschaft an

Das Cabaret Sälewie kehrt mit einem neuen Stück «Schongang» zurück. Morgen ist Premiere in der Kellerbühne – vor ausverkauften Reihen.

David Grob
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Der Feinschliff vor der Premiere: Das Cabaret Sälewie probt sein neues Stück «Schongang» in der St.Galler Kellerbühne. Insgesamt gibt es dort 18 Vorstellungen, die Premiere vom 31. Dezember ist ausverkauft. Im Februar gibt es das Stück viermal in Herisau zu sehen.

Der Feinschliff vor der Premiere: Das Cabaret Sälewie probt sein neues Stück «Schongang» in der St.Galler Kellerbühne. Insgesamt gibt es dort 18 Vorstellungen, die Premiere vom 31. Dezember ist ausverkauft. Im Februar gibt es das Stück viermal in Herisau zu sehen.  

(Bild: Ralph Ribi/
29. Dezember 2019

Katrin Schatz steht auf der Bühne, schüttelt sich, krümmt ihren Rücken und lässt die Lippen flattern wie ein Pferd. Ihr Körper ist aufgewärmt, die Stimme aber noch nicht. Deshalb beginnt das Ensemble des Cabarets Sälewie seine Probe an diesem Freitagmorgen in der Kellerbühne mit der letzten Szene des neuen Stücks «Schongang». Noch stimmen nicht alle Bewegungen, noch sitzen nicht alle Strophen. Seit dem Stephanstag laufen die Proben. An Silvester ist Premiere in der Kellerbühne.

Eine halbe Stunde zuvor an der Bar der Kellerbühne. Der Vorhang zum Zuschauersaal ist gezogen, ein Teil des Ensembles übt bereits. Katrin Schatz aber spricht über die diesjährige Ausgabe des Cabarets Sälewie.

«In einer Wohlstandsgesellschaft wagt man kaum mehr etwas. Dies verdeutlichen wir mit dem Titel.»

Es gebe kaum mehr Risiken, kaum mehr Visionen, die umgesetzt werden. «Wohlstand macht träge.» Gleichzeitig sei eine hohe Anspruchshaltung zu spüren, sagt Schatz. Durch den Vorhang aus dem Zuschauerraum erklingt wie auf Kommando die passende Strophe aus einer der Nummern des Stücks. «Mir steht alles zu», singen zwei Männern im Duett.

Ein kritischer, aber wohlwollender Blick

«Wir wollen bissig sein, aber nicht auf Kosten anderer», beschreibt Schatz den Humor des Revuetheaters. Sie und ihre Kollegen interessiere der Mensch und sein bisweilen absurdes Verhalten. «Wir schliessen uns selber dabei nicht aus.» Im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Kabarettisten ziele das Cabaret Sälewie deshalb nicht auf einzelne bekannte Personen, sondern auf Alltagsszenen, die jeder im Publikum kenne.

Das Cabaret Sälewie möchte laut Schatz zum Nachdenken anregen, indem es gesellschaftliche Missstände auf humoristische Art vor Augen führt. Sie spricht etwa die Schweizer Klimapolitik an:

«Andere Länder versuchen, sich schneller zu verändern. In der Schweiz machen wir immer alles nur in kleinen Schritten.»

Für sie ermögliche das Theater einen kritischen, aber wohlwollenden Blick auf die Gesellschaft.

Im März begann das Ensemble, erste Ideen zu sammeln. «Wir haben uns gefragt, welche Themen uns unter den Nägeln brennen», sagt Schatz. Dann ging es darum, diese Ideen in Szenen umzuwandeln. Im Juli wurden schliesslich der Titel und das Thema «Schongang» festgelegt. «Dies erleichtert das Schreiben», sagt Schatz. Man könne dann viel konkretere Szenen kreieren. Die intensive Phase begann schliesslich im November. Und spitzt sich jetzt während der Proben zu, wenn das Ensemble von zehn Uhr morgens bis teils spät abends probt.

Das Feilen an den Details

Vor der Bühne im Zuschauersaal liegen Zettel, eine Szene pro Blatt. Das Ensemble spielt an diesem Freitagmorgen alle Szenen durch. «Es geht auch darum, die genauen Abläufe einzuüben», sagt Katrin Schatz. Wie viele der sechs Würfel des minimalistischen Bühnenbildes werden für eine bestimmte Szene benötigt? Wie werden sie genau angeordnet? Denn, wenn es an der Premiere am Silvesterabend zwischen den einzelnen Szenen dunkel wird, müssen die Handgriffe sitzen.

Die Krux liegt aber auch in den einzelnen Schauspielauftritten. Noch entfallen einzelne Sätze, Wörter oder Gesten. Noch muss die Regisseurin Sarah Fuhrmann immer wieder mit Stichworten eingreifen. Manchmal entstehen aus Missgeschicken in der Probe aber auch Ideen für die Aufführung. Etwa als Schauspieler Thomas Keller während einer Szene ein Requisit vergessen hat und die Bühne unmittelbar verlässt. Sein Szenepartner Thomas Keller sucht ihn und geht verwirrt um eine Säule. «Wo bisch?» – Gelächter seiner Kollegen. «Das müssen wir einbauen», meint Regisseurin Fuhrmann.

Das Cabaret Sälewie spielt seinen «Schongang» 18-mal während des ganzen Januars in der Kellerbühne in St. Gallen. Die Premiere am Silvesterabend ist ausverkauft. Vier weitere Male tritt das Ensemble im Februar in der Stuhlfabrik in Herisau auf. Die Aufführungen starten jeweils um 20 Uhr, die Sonntagsvorstellungen beginnen um 16 Uhr. Tickets können unter www.sälewie.ch gekauft werden. Die Abendkasse ist jeweils eine Stunde vor Beginn geöffnet. (dar)