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Glöcknerin der Kapelle St.Wolfgang: «Das Läuten ist mein Ritual, es hat etwas Meditatives»

Esther Mathis ist Mesmerin und Glöcknerin in der Kapelle St.Wolfgang beim Schlössli Haggen. Seit sieben Jahren läutet sie fast jeden Tag von Hand die Glocken. Deren Restaurierung hat ihr nun erstmals längere Pause beschert.
David Gadze
Esther Mathis, Mesmerin und Glöcknerin der Kapelle St.Wolfgang.

Esther Mathis, Mesmerin und Glöcknerin der Kapelle St.Wolfgang.

Was ist es für ein Gefühl, nach so vielen Jahren plötzlich nicht mehr läuten zu müssen?

Anfangs war es sehr seltsam. Ich hatte jeden Tag um 19 Uhr das Gefühl, etwas vergessen zu haben. Obwohl ich schon vor dem Entfernen der Glocken aus Sicherheitsgründen nicht jeden Tag läuten konnte.

Wie oft haben Sie in den sieben Jahren das Läuten ausgelassen?

Sehr selten. Und höchstens zwei, drei Tage am Stück.

Vermissen Sie das Läuten?

Ja. Es fehlt einfach etwas. Eine Taufe ohne Glockengeläut ist einfach nicht dasselbe.

Fehlt auch Ihnen persönlich etwas?

Ja. Das Läuten ist mein abendliches Ritual und gehört zu meinem Leben. Es hat für mich etwas Meditatives, ich bete oft dabei. Ausserdem bin ich hier aufgewachsen, früher hat meine Mutter jeden Tag die Glocken geläutet. Beim Läuten trete ich oft in Kontakt mit ihr.

Haben Sie sich für die glockenfreie Zeit ein Ersatzritual ausgedacht?

Nein, das kann man nicht ersetzen. Ich habe die Kapelle einfach weiterhin jeden Tag geöffnet und während der Hitzewelle etwas mehr Zeit darin verbracht, weil es so angenehm kühl war.

Wie fielen die Reaktionen der Quartierbevölkerung auf das Ausbleiben des abendlichen Geläuts aus?

Interessanterweise hat mich kaum jemand darauf angesprochen. Ich gehe davon aus, dass die Kirche gut informiert hat. Aber ich weiss, dass das Geläut viele Menschen im Quartier freut und für viele auch zu einem Ritual geworden ist, etwa als klangliche Beilage zum Znacht.

Aber Hand aufs Herz: Wünschen Sie sich nicht manchmal eine ­elektrische Glocke?

Das wäre nicht mehr dasselbe, nicht nur für mich. Die Unregelmässigkeiten, die beim Läuten von Hand entstehen, gehören einfach dazu. Ausserdem würde beispielsweise bei Taufen die Spontanität fehlen. Und oft lasse ich Kinder läuten, wenn sie abends in der Kapelle sind. Es ist schön, wenn sie Freude daran haben. Aber wer weiss, vielleicht kommt das irgendwann, wenn ich nicht mehr läuten kann.

Sie sind nun in zweiter Generation Mesmerin und Glöcknerin. Können Sie diese Aufgaben später an Ihre Kinder weitergeben, wie Ihre Mutter an Sie?

Meine Töchter sind im Berufsleben. An Weihnachten oder an Silvester läuten wir manchmal zusammen, aber sie haben kein Interesse daran, diese Aufgaben dauerhaft zu übernehmen. Ich bin jetzt 67 und möchte sie so lange wie möglich weiterführen. Meine Mutter war 80, als sie sie mir übergeben hat.

Freuen Sie sich darauf, die Glocken wieder läuten zu können?

Ja. Ich bin gespannt darauf, wie sich das Kugellager der Glocken auf das Läuten auswirkt. Vermutlich muss ich mich zuerst daran gewöhnen. Und versuchen, das Läuten nicht zu vergessen.

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