«Das ist wie Kaffeesatzlesen»:  Weshalb sich die Gemeinde Thal bei der Budgetierung um
8 Millionen Franken vertan hat

Statt einem Minus von zwei Millionen Franken weist das Ergebnis der Gemeinde Thal für 2019 einen Überschuss von 6,08 Millionen Franken aus. Von einer mangelhaften Budgetierung will man bei den Verantwortlichen nicht sprechen. Sie verweisen vielmehr auf die erneute Steuersenkung.

Rudolf Hirtl
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Gute Laune bei Schulratspräsidentin Miriam Salvisberg und Gemeindepräsident Felix Wüst: Die Gemeinde Thal steht finanziell äusserst gut da und der Steuerfuss soll erneut sinken.

Gute Laune bei Schulratspräsidentin Miriam Salvisberg und Gemeindepräsident Felix Wüst: Die Gemeinde Thal steht finanziell äusserst gut da und der Steuerfuss soll erneut sinken.

Bild: Rudolf Hirtl

Felix Wüst, seit Anfang Jahr Gemeindepräsident von Thal, und Schulratspräsidentin Miriam Salvisberg strahlen um die Wette, als sie am Dienstag im Erdgeschossbüro des Rathauses Jahresabschluss und Budget präsentieren. Die gute Laune der beiden kommt nicht von ungefähr, denn das Ergebnis des Gemeindehaushaltes könnte kaum besser sein.

Der Voranschlag für 2019 hat einen Mehraufwand von 2,019 Millionen Franken vorgesehen. Tatsächlich weist das Ergebnis für das vergangene Jahr nun einen Einnahmeüberschuss von satten 6,087 Millionen aus, was einer Besserstellung von 8,106 Millionen Franken entspricht. Dies sind nicht weniger als 22 Prozent des Gesamtertrages von 37,026 Millionen.

Können die Behörden nicht richtig budgetieren?

So erfreulich das Ergebnis für die Gemeinde Thal auch ist, wenn Voranschlag und Ergebnis derart auseinanderliegen, dann stellt sich auch die Frage, haben die Verantwortlichen der Gemeinde die Budgetierung im Griff? Miriam Salvisberg:

«Das ist gelegentlich wie Kaffeesatzlesen. Insbesondere bei den Steuereinnahmen ist kaum vorhersehbar, was tatsächlich an Geld reinkommt.»

Sie springt Felix Wüst zur Seite, der für das Budget 2019 noch nicht verantwortlich zeichnete. Es sind denn auch in erster Linie unerwartete Steuereinnahmen, die für das ausserordentlich gute Ergebnis verantwortlich sind. Bei den Steuern juristischer Personen, also Gewinn- und Kapitalsteuern, betragen die Mehreinnahmen 2,086 Millionen Franken und bei Einkommens- und Vermögenssteuern natürlicher Personen sind es 1,404 Millionen Franken. Die Umstellung auf das neue, vom Kanton vorgegebene Rechnungsmodell, schlägt sich ebenfalls markant auf der Einnahmeseite nieder. Die Wertberichtigungen von Sachanlagen im Finanzvermögen, sowie Abschreibungen betragen zusammen 2,714 Millionen Franken.

Der Steuerfuss sinkt um fünf auf neu 89 Prozent

Die Einnahmen bei Quellen- (298041) und Handänderungssteuern (189096) liegen laut Wüst ebenfalls über Budget. Er und auch Salvisberg betonen, dass sämtliche Abteilungen dank guter Arbeit und vorbildlicher Kostenkontrolle zum guten Resultat beigetragen hätten.

Vorausgesetzt, die Bürgerversammlung stimmt zu, so profitieren die Thalerinnen und Thaler spürbar vom Einnahmeüberschuss, der grossteils ins Eigenkapital gehen soll, das dann neu 36,793 Million Franken ausweisen würde. Der Gemeinderat beantragt nämlich eine Steuerfusssenkung um fünf auf 89 Prozent.

Auf dem Weg zum Steuerparadies

Thal, das seinen Steuerfuss seit der Jahrtausendwende um 68 Prozentpunkte gesenkt hat, läge damit weiterhin auf Rand drei in der Region Rorschach. Nur Mörschwil (75) und Tübach (82) weisen noch tiefere Steuerfüsse auf. Für 2020 sieht das Budget trotz Senkung des Steuerfusses einen geringen Aufwandüberschuss von nur 108420 Franken vor. «Wir peilen eine Punktlandung ohne nennenswerte Ausreisser an», blickt Wüst in die Zukunft.