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«Das ist keine Bitte»: St.Galler Kantischüler fordern Ausrufung des Klimanotstands

Rund 350 Schülerinnen und Schüler dreier Kantonsschulen haben am Freitag gestreikt. Mit Transparenten und Sprechchören forderten sie in der St.Galler Innenstadt Massnahmen gegen den Klimawandel.
Luca Ghiselli
Die streikenden Schülerinnen und Schüler auf dem St.Galler Marktplatz. (Bild: Luca Ghiselli, 11. Januar 2019)

Die streikenden Schülerinnen und Schüler auf dem St.Galler Marktplatz. (Bild: Luca Ghiselli, 11. Januar 2019)

«Wir sind jung, wir sind laut», ruft Dominic Truxius in sein Megafon. Der Kantischüler hat gemeinsam mit fünf Mitstreiterinnen und Mitstreitern auch den zweiten Klimastreik der Kantonsschule am Burggraben (KSBG) in St.Gallen organisiert. Rund 350 Schülerinnen und Schüler, auch der Mittelschulen in Wil und Wattwil sowie der Fachhochschule St.Gallen, sind dem Aufruf am Freitagvormittag gefolgt. Truxius appelliert an die Demonstranten. «Es geht um nichts Geringeres als um unsere Zukunft.» Und diese lassen mit tosendem Applaus keinen Zweifel aufkommen: Sie sind jung und laut.

Nach der grossen Pause haben sich die Schülerinnen und Schüler im St.Galler Kantipark versammelt. (Bild: Luca Ghiselli)

Nach der grossen Pause haben sich die Schülerinnen und Schüler im St.Galler Kantipark versammelt. (Bild: Luca Ghiselli)

Doch das Klima ist nicht das einzige, was den Kantonsschüler umtreibt. «Mir macht es etwas Angst, welchen Kurs das Rektorat der KSBG in Sachen Klimastreik einschlägt», sagt er vor den Streikenden. Bisher sei die Zusammenarbeit mit dem Rektorat zwar sehr gut gewesen. Nun haben die Schülerinnen und Schüler aber von ihren Eltern eine Erlaubnis einholen müssen, um dem Unterricht fernzubleiben. «Es geht beim Streik aber genau darum, die ältere Generation nicht darum bitten zu müssen, unsere Zukunft zu retten.»

Die Kinder sollen wissen, was ein Eisbär ist

Dann macht sich der Demonstrationszug auf den Weg. Im Gegensatz zum ersten Klimastreik kurz vor Weihnachten bleiben die Schülerinnen und Schüler nicht im Kantonsschulpark, sondern ziehen durch die Innenstadt. Vom Bohl geht es via Markt- und Neugasse zum St.Galler Hauptbahnhof und wieder zurück, bis die Streikenden kurz vor Mittag auf dem Klosterplatz ankommen.

«Wir sind jung, wir sind laut, wenn ihr uns die Zukunft klaut» ist nur eine von vielen Parolen, mit denen die Schüler auf ihr Anliegen aufmerksam machen. An mehreren Standorten halten Schülerinnen kurze Reden. Unter anderem fordern sie ein neues CO2-Gesetz und den Ausruf des Klimanotstandes durch den Kanton. «Das ist keine Bitte», sagt eine junge Rednerin. Eine Forderung sei es, ein eindringlicher Aufruf. «Unsere Kinder sollen uns nie fragen müssen, was ein Eisbär ist.»

Die Streikenden haben zum Teil sehr kreative Plakate gestaltet. Hier: Christoph Blocher als «Dreamer». Inklusive Anspielung auf das virale Video, in dem seine Tochter Magdalena Martullo-Blocher einen Mitarbeiter auf Englisch einen Träumer schimpft. (Bild: Luca Ghiselli)

Die Streikenden haben zum Teil sehr kreative Plakate gestaltet. Hier: Christoph Blocher als «Dreamer». Inklusive Anspielung auf das virale Video, in dem seine Tochter Magdalena Martullo-Blocher einen Mitarbeiter auf Englisch einen Träumer schimpft. (Bild: Luca Ghiselli)

Neben einem grösseren Polizeiaufgebot, das den Verkehr während des Demonstrationszugs durch die St.Galler Innenstadt regelt, sind auch einige Zaungäste aus der Politik anwesend. Zum Beispiel SP-Kantonsrat und VCS-Präsident Ruedi Blumer. «Ich finde es toll, dass sich die Jugendlichen für dieses Anliegen so stark einsetzen», sagt Blumer und fügt strahlend hinzu: «Sie sind genau auf meiner Linie.» Auch die St.Galler SP-Stadtparlamentarierin Eva Crottogini macht aus ihrer Unterstützung keinen Hehl. Als sie per Zufall am Demonstrationszug vorbeigeht, applaudiert sie spontan. Andere Passantinnen und Passanten reagieren mit einem Schmunzeln auf die streikenden Schüler, die zum Teil selbstgemachte Transparente in die Luft recken. «Ich bewundere diese Jugendlichen. Sie nehmen ihre Zukunft in die eigene Hand», sagt zum Beispiel eine Frau, die ihren Coiffeursalon kurz verlässt, um den Demonstrationszug zu beobachten.

Und hier eine Anspielung auf Nellys Kultsong «Hot in Here». Im Gegensatz zum Song sollen aber nicht «clothes», also Kleider, abgezogen werden, sondern Kohle. (Bild: Luca Ghiselli)

Und hier eine Anspielung auf Nellys Kultsong «Hot in Here». Im Gegensatz zum Song sollen aber nicht «clothes», also Kleider, abgezogen werden, sondern Kohle. (Bild: Luca Ghiselli)

Regierungsrat Mächler zu Diskussion bereit

An der Parallelveranstaltung in Zürich haben die streikenden Schüler dem zuständigen Stadtrat Andreas Hauri (GLP) einen Katalog mit Forderungen übergeben. Unter anderem solle der Klimanotstand ausgerufen werden. Hauri lud die Schüler im Dezember zum Gespräch ein – diese lehnten aber mit der Begründung ab, die notwendigen Massnahmen seien bekannt. Bei Marc Mächler (FDP), Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements, ist noch kein ähnlicher Katalog eingegangen. «Auch ein Treffen hat noch nicht stattgefunden», sagt Mächler auf Anfrage. Er stehe aber mit seinen Fachleuten für einen Austausch zur Verfügung. «Bei einer konkreten Anfrage sind wir gerne bereit, eine Diskussion zu führen.»

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