Wenn das Hobby zum Beruf wird: Rorschach bekommt vier neue Läden

Entgegen dem Trend wurden in Rorschach vier neue Läden eröffnet. Starthilfe bot auch die Online-Plattform Instagram.

Ines Biedenkapp
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Begüm Serpek und Arzu Üstündag führen den Babyladen Bebe Sue.

Begüm Serpek und Arzu Üstündag führen den Babyladen Bebe Sue.

Bild: Ines Biedenkapp

Wer derzeit durch Rorschachs Innenstadt schlendert, entdeckt überraschende Produkte in den Schaufenstern. Die neuen Läden erweitern das Sortiment von Rorschach. So gibt es an der Hauptstrasse mit Bebe Sue ein Babygeschäft.

Die beiden Geschäftsführerinnen haben sich vor allem auf Produkte aus natürlichen Materialien spezialisiert. So finden Eltern etwa Spielzeug aus Holz oder nachhaltige Babykleidung. Begüm Serpek sagt:

«Darauf soll auch unser Slogan hinweisen: Simple and Natural.»

Zusammen mit Arzu Üstündag führt sie den Laden.

Angefangen hat alles mit einer selbstgemachten Schnullerkette. Davon stellten sie ein Foto auf Instagram. Viele wollten daraufhin wissen, wo es die Kette zu kaufen gibt. «Da wir uns eigentlich immer selbstständig machen wollten, haben wir uns überlegt, hier in Rorschach einen Laden zu eröffnen», sagt Begüm Serpek.

Den Laden haben sie herzlich eingerichtet. Ein Sofa lädt zum Verweilen ein. Am 28. und 29. Dezember feiern die beiden Eröffnung. Interessierten steht das Geschäft gleichwohl schon offen.

Sandwichs schmeckten nicht, das führte zur Selbstständigkeit

Auch die Produkte von Mirdita Thaqi sind aufgrund ihrer Fotos auf Instagram gefragt. Sie stellt Cupcakes und Torten her. Das Besondere daran: Sie verziert die Leckereien individuell nach Kundenwunsch. Christof Büchel, der für die Administration zuständig ist, sagt:

Mirdita Thaqi verziert eine Kindertorte.

Mirdita Thaqi verziert eine Kindertorte.

Ines Biedenkapp
«Vor allem Zahlentorten sind beliebt.»

Die beiden kennen sich seit Jahren. Sie haben zusammen bei einer Tankstelle gearbeitet. Die beiden sind aber vor allem für ihre Sandwiches bekannt. Denn als die Tankstelle geschlossen wurde, haben sie ihren eigenen Laden namens My Baguette in Heerbrugg aufgemacht.

Fortschritt auf Instagram erregt Aufmerksamkeit

Während dieser Zeit experimentierte Mirdita Thaqi vor allem mit Cupcakes, Torten und Verzierungen. Die gelernte Coiffeuse hat sich alles selbst beigebracht. Ihren Fortschritt hat sie auf Instagram festgehalten und damit viel Aufmerksamkeit erregt. Vor einiger Zeit mussten sie My Baguette schliessen. Mirdita Thaqi sagt:

«Viele haben dann geglaubt, ich hätte mich selbstständig gemacht und mir Anfragen für Torten und Cupcakes geschickt.»

Damit sind sie auf die Idee für ihr jetziges Angebot gekommen. Nach einer längeren Suche sind sie in Rorschach fündig geworden. «Wir wollten einen Laden, der zu uns passt», sagt Christof Büchel. Seit Oktober haben sie geöffnet und sind bereits für Wochen ausgebucht. «Wir bekommen Anfragen aus der ganzen Schweiz», sagt Thaqi. «Trotzdem kann man uns gern Aufträge schicken», fügt Christof Büchel hinzu.

Kunden kommen aus Frankreich, Österreich und der Schweiz

Jyuliya Khilko zieht und schnitzt die Kerzen selbst.

Jyuliya Khilko zieht und schnitzt die Kerzen selbst.

Ines Biedenkapp

Auch bei Jyuliya Khilko fing alles durch ein Hobby an. Sie hat einen Deko- und Bastelladen namens Goleo-Swiss an der Kirchstrasse eröffnet. Wer in den Laden kommt, wird von einem süsslichen Geruch begrüsst. «Das sind die Seifen», sagt Jyuliya Khilko und führt zu einem grossen Regal im hinteren Teil des Ladens. In Grün, Rot oder in Cupcakeform stehen sie dort. Khilko sagt:

«Die Seifen sind auf den Weihnachtsmärkten besonders beliebt.»

Daneben stellt sie verschiedene Kerzen, handbemalte Teelichtgläser und Christbaumkugeln her. «Die Gläser kaufen wir ein und verzieren sie», sagt sie. «Dabei hilft mir mein Bruder. Er ist Künstler von Beruf.» Damit ist jedes Stück ein Unikat. «Hier ist zum Beispiel etwas weniger Glitzer auf dem Kirchturmdach wie auf diesem Glas», sagt die gebürtige Weissrussin.

Lager wurde immer voller

Derzeit ist sie mit ihren Produkten vor allem auf Weihnachtsmärkten in Winterthur und Zürich unterwegs. «Wir haben sogar Kunden, die extra von Frankreich kommen, um eine Kerze bei uns zu kaufen», sagt sie. Anfangs wollte sie gar keinen Laden aufmachen.

«Es ist ein Hobby, mit dem ich angefangen habe», sagt sie.

«Irgendwann kam dann die Idee, meine Seifen und Kerzen auf Weihnachtsmärkten zu verkaufen.»

Irgendwann wurde das Lager aber immer voller. «Da habe ich mir überlegt, warum nicht doch einen Laden mit Ausstellung aufzumachen», sagt Khilko. Das Kerzenziehen und die Seifenherstellung hat sie sich selbst beigebracht. Auf Instagram hat sie ihre Fortschritte festgehalten. Ihr Wissen gibt sie gerne weiter. Für 35 Franken können Interessierte über das ganze Jahr bei ihr einen Kerzenziehkurs besuchen. Für Kinder beträgt 25 Franken. «Ich finde es ein tolles Hobby, das noch viel mehr Spass zusammen macht», sagt sie. «Da geht es mir nicht ums Geld. Jeder, der kommen mag, ist herzlich willkommen.»

Ein bisschen von allem etwas

Bei Fatma Aktepe und Ayse Göksen im Schnäppli gibt es derzeit viele Weihnachtsartikel.

Bei Fatma Aktepe und Ayse Göksen im Schnäppli gibt es derzeit viele Weihnachtsartikel.

Ines Biedenkapp

Rorschach hat aber noch einen weiteren Laden hinzubekommen. Seit dieser Woche ist das Schnäppli in der Löwenstrasse geöffnet. «Wir führen ein bisschen von allem», sagt Geschäftsführerin Ayse Göksen. In ihrem Laden gibt es etwa Geschenkartikel, Kosmetik und Pflegeprodukte, Haushaltsartikel oder auch Werkzeug. Sie sagt:

«Wir wollen, dass jeder, der hier reinkommt, etwas findet.»

Noch sei zwar nicht alles da, wer aber noch etwas für Weihnachten sucht, könnte im Schnäppli fündig werden. Verkäuferin Fatma Aktepe und Ayse Göksen hoffen auf eine baldige Lieferung. Gleichwohl wirkt der Laden nicht leer. «Diesen Sonntag haben wir geöffnet», sagt Göksen. Zudem kann die Kundschaft von einem Rabatt von 30 Prozent profitieren.

Umzüge und neue Gesichter

Rorschachs Ladenwelt ist im Wandel, denn es gibt einige Änderungen in der Innenstadt. Auf Ende Jahr schliesst etwa das Rorschacher Traditionsgeschäft Thür an der Signalstrasse. Grund für die Schliessung ist die fehlende Nachfolge. Ähnlich ist es bei der Goldschmiede Senn. Auch die beiden Brüder haben sich entschlossen, nun in den wohlverdienten Ruhestand überzugehen. Auch sie haben keine Nachfolge gefunden.

Salon Brigitte startet mit neuem Konzept

Dafür gibt es in der Signalstrasse Rorschach auch ein neues Gesicht. Fotograf Michael Huwiler ist mit seinem Fotostudio in die Signalstrasse 17 eingezogen. An der Kirchstrasse 25 gibt es seit über 40 Jahren Salon Brigitte. Dieser wurde im Sommer von Ozan Yildirimli übernommen. «Im Januar starten wir mit unserem neuen Namen und dem dazugehörigen Konzept», sagt Ozan Yildirimli. Der Umbau ist zum Grossteil abgeschlossen. Über sein Geschäft sagt er: «Wir tun nichts aussergewöhnliches. Aber wir tun es aussergewöhnlich gut.»

Zudem zieht Street One auf dem Marktplatz zu Mode Weber ins Untergeschoss. Das Geschäft gehört bereits zur Gruppe. Da nun der Mietvertrag ausläuft, hat sich die Geschäftsleitung dazu entschieden, die Marke wieder bei Mode Weber zu integrieren. Der Umzug erfolgt Mitte Januar. Die Drogerie Athena zieht nach Steinach. Dort sei die Miete günstiger. Zudem will sich Geschäftsführer Marco Schläpfer mehr auf den Onlinehandel fokussieren. (ibi)

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