Das Haus aus Holz: Auf dem Buechberg steht ein Zeitzeuge aus dem 17. Jahrhundert

Hinter jeder Tür steckt ein Stück Geschichte. Ein Haus in Thal vereint Vergangenheit mit der Moderne.

Ines Biedenkapp
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Der Kern des Hauses geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Die ehemalige Scheune rechts, wurde zur Wohnung umgebaut.

Der Kern des Hauses geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Die ehemalige Scheune rechts, wurde zur Wohnung umgebaut.

Bild: Ines Biedenkapp

Der Eingangsbereich ist klein, die Decken niedrig. Links geht es in die Küche. Im Gegensatz zum Flur ist der Raum gross und hell. Ausser dem Boden ist alles aus Holz, selbst die Küche. Aufgrund der bis auf den Boden gezogenen Fenster scheint der Raum in den Hängen von Thal zu schweben.

Das ehemalige Bauernhaus auf dem Buechberg in Thal gehört Katharina und Alfred Schelling. Sie haben das Haus renoviert und umgebaut. Das schwierige dabei: Der Kern des Hauses geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Doch nicht nur aufgrund des Alters steht das Haus unter Denkmalschutz. Aufgrund der speziellen Bauweise ist es auch von kantonaler Bedeutung.

Balken wurden ineinander gelegt, nicht vernagelt

«Das Haus hat einen gestrickten Bau», sagt Katharina Schelling. «Früher wurden die Balken nicht vernagelt, sondern quasi ineinandergesteckt.» Das ist vor allem im hinteren Teil gut zu erkennen. Die massiven Holzbalken liegen übereinander. Die Enden der angrenzenden Wand ragen leicht heraus.

Der Boden des Raums stammt aus Übersee.

Der Boden des Raums stammt aus Übersee.

Bild: Ines Biedenkapp

Beim Durchgang fällt auf, jede Tür ist anders. Jeder Balken hat ein eigenes Muster. «Man sieht gut, wo der Holzwurm seine Bahnen zog», sagt Katharina Schelling. Mittlerweile sei der Wurm aber ausgezogen. In einem anderen Raum zeigt sie auf den Holzboden: «Der stammt aus Übersee. Man ist sich nicht ganz sicher, aber es müsste Kanada sein.»

Bauernhaus vom Vater geerbt

Fast alles im Haus ist aus Holz. Zwei Jahre hat die Renovation in Anspruch genommen. «Ein Jahr für die Planung mit Kit Architects aus Zürich. Ein Jahr für die Arbeiten mit lokalen Handwerkern», sagt Alfred Schelling. Für die Arbeiten bekamen sie einen Lotteriefondsbeitrag in Höhe von 57 700 Franken. Ein kleiner Teil für die Kosten von 1.7 Millionen Franken.

Alfred und Katharina Schelling in der Küche der Wohnung.

Alfred und Katharina Schelling in der Küche der Wohnung.

Bild: Ines Biedenkapp
«Aber es ist schön, dass es einen Beitrag gibt», sagt Katharina Schelling.

Sie ist im Nachbarhaus gross geworden. «Das Bauernhaus gehörte meinem Vater», sagt die 66-Jährige. Er hat es ihr vererbt. Katharina Schelling verbindet das Bauernhaus mit ihrer Kindheit. «Unten im Keller hatten wir einen alten Weintorkel», sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. «Als Kind habe ich mithelfen dürfen, die Trauben zu pressen.» Zu Beginn der Bauarbeiten war die Weinpresse noch im Keller. Heute ist diese in einem Museum in Rehetobel.

Immer wieder brachte der Umbau Überraschungen zu Tage. So fand man heraus, dass es unter dem Dach über der offenen Küche eine Räucherstelle gab. Auch die Toilette hat sich verändert. «Früher hat man diese nach aussen gebaut», sagt sie. Das diente dazu, dass Exkremente direkt in eine Jauchegrube fallen konnten.

Im Haus gibt es nun zwei Wohnbereiche

Auch die Form des Hauses veränderte sich. «Anfang der 60er-Jahre stand, angebaut an das Haupthaus, noch ein Stall. Dieser wurde aber irgendwann abgerissen», sagt Katharina Schelling.

«Im hinteren Teil am Hang gab es eine kleine Schüür. Dort wurde der Torkel und auch Holz aufbewahrt.»
Die Fenster können mit speziellen Holz-Schiebeläden abgedeckt werden.

Die Fenster können mit speziellen Holz-Schiebeläden abgedeckt werden.

Bild: Ines Biedenkapp

Anstelle des Stalls steht heute der Anbau der grossen Küche. Aus der Schüür wurde eine Wohnung. Die Fenster können mit speziellen Holz-Schiebeläden abgedeckt werden. «Diese dienen zum einen als Beschattung und Sichtschutz, zum anderen soll es an das ursprüngliche Aussehen des Bauernhauses erinnern, sagt Katharina Schelling.

Jede Epoche ist eigen

Zweimal jährlich befindet der Kantonsrat über Beiträge aus dem Lotteriefonds, um den Erhalt von Häusern oder Monumenten von kantonaler Bedeutung zu unterstützen. Doch was sagt die kantonale Bedeutung aus? «Im Grunde geht es dabei um den kulturellen Zeugniswert, der über die Gemeindegrenzen hinaus strahlt», sagt Michael Niedermann, Leiter der Denkmalpflege des Kantons St. Gallen. «Da geht es um die prägenden Elemente der Häuser.»

Jede Epoche hat ihre Eigenheiten, die sich im Bau widerspiegelt. Daher geht es bei der Denkmalpflege auch nicht primär um das Alter. «Auch einfache Arbeiterhäuser oder Industrieareale sind Zeugen einer wichtigen kulturellen Epoche», sagt Niedermann. «Sie geben dem gesellschaftlich-kulturellen Wandel ein bleibendes Gesicht.» Auch die Villa Indra an der Haldenstrasse 10 profitiert von einem Lotteriefondsbeitrag von 74500 Franken. Sie wurde vom bekannten Rorschacher Architekten Adolph Gaudy 1905 erbaut. Er gilt als wichtiger Vertreter des späten Historismus in der Ostschweiz. Stilistisch führte er den Neubarock in den Jugendstil und die Moderne. Derzeit wird die Villa renoviert. Die Innensanierung ist fast abgeschlossen. Nächstes Jahr steht die Aussensanierung an. (ibi)

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