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Alice und Otto Rüdt, Goldach, seit 70 Jahren verheiratet: «Manchmal muss man wissen, wann man besser schweigt»

Heute Dienstag feiert das Ehepaar Rüdt Gnaden- oder Platinhochzeit. Ihren Lebensabend verbringen sie zusammen in ihrer Wohnung in Goldach. Kennengelernt haben sie sich an der Fasnacht.
Jolanda Riedener
Noch immer leben Otto und Alice Rüdt selbstständig in ihrer Wohnung in Goldach. (Bild: Jolanda Riedener)

Noch immer leben Otto und Alice Rüdt selbstständig in ihrer Wohnung in Goldach. (Bild: Jolanda Riedener)

An den Abend vor 73 Jahren erinnern sich Alice und Otto Rüdt lebhaft: Fasnacht in Weinfelden. «Da war etwas unter dem Matrosen-Kostüm, das mir auf Anhieb gefallen hat», sagt der 92-jährige Otto Rüdt. Mit ihrer Schwester, beide im Matrosinnen-Kostüm, besuchte die gebürtige Amriswilerin das Fest in Weinfelden. Da habe sie Otto kennen gelernt, der forsch nach ihrer Adresse gefragt habe. Die 93-jährige Seniorin sagt:

«Die wollte ich damals noch nicht rausrücken.»

Otto Rüdt liess aber nicht locker und fragte ihre Cousine, die ebenfalls am Fasnachtsball war. Einige Wochen später schrieb er ihr und sie willigte ein, mit ihm in seinem Heimatort Weinfelden spazieren zu gehen. Er habe Alice sofort gern gehabt.

Im Herzen Thurgauer geblieben

Seit 60 Jahren wohnt das Ehepaar in Goldach. Im Haus gibt es einen Lift und vom Balkon aus sieht man weit über den Bodensee. «Die Abendstimmung hier ist manchmal wahnsinnig schön», sagt Otto Rüdt. Im Herzen seien sie aber auch nach all den Jahren immer noch Thurgauer geblieben, betont er.

Geranien schmückten das Balkongeländer, dieses Jahr wolle das Ehepaar wohl darauf verzichten. Die Kisten seien einfach zu schwer und auch das Blumengiessen erfordere Kraft, «obwohl sie wahnsinnig schön anzusehen sind», sagt sie. Einmal pro Woche kommt eine Haushaltshilfe, ansonsten können die beiden für sich selber sorgen. Alice Rüdt kocht noch immer jeden Tag für sich und ihren Mann.

«Wir sind nicht mehr so mobil, aber sonst geht es uns gut», sagt sie und blickt zu ihrem Mann, der auf einem Ledersessel in der Stube sitzt. Wenn sie von früher erzählt, wirkt die aufgestellte Seniorin um Jahre jünger.

Vom Thurgau über St.Gallen nach Goldach

Drei Jahre waren Otto und Alice Rüdt zusammen, bevor sie in der Kirche Amriswil geheiratet haben. Danach ging es mit der ganzen Verwandtschaft im Car nach Kreuzlingen fürs Mittagessen und weiter nach Schaffhausen zum Rheinfall. Den Abend verbrachten sie wieder in Amriswil. Nach der Hochzeit zogen sie nach St.Gallen. «Ich wäre gerne in der Stadt geblieben», sagt Alice Rüdt. Ihr Mann arbeitete bei der PTT und sein neuer Dienstort war die Region Rorschach, also verlegten sie ihren Wohnort nach Goldach.

Schliesslich kamen Sohn Roland und Tochter Alexandra zur Welt. Mittlerweile sind fünf Enkel und sechs Urenkel dazugekommen. Die Wände der Wohnung schmücken gerahmte Fotografien mit lachenden Gesichtern darauf. Sie sagt:

«Wir haben Glück, dass es uns so gut geht und wir so eine tolle Familie haben.»

Als ihre beiden Kinder von Zuhause ausgezogen sind, war das keine leichte Zeit für Alice Rüdt. «Ich musste lernen, loszulassen und brauchte damals eine Beschäftigung.» Dann habe sie von zu Hause aus für die Rorschacher Sektion der Krankenkasse KPT gearbeitet, die ihr Mann damals leitete.

Früher habe sie auch oft Kleider genäht oder Pullover gestrickt. Heute gehe das nicht mehr, die Augen sind zu schlecht. Auch Zeitung lesen ist schwierig und fordert eine grosse Anstrengung. Otto Rüdt war in seiner Freizeit als aktiver Pfadfinder viele Jahre engagiert. Als er pensioniert wurde, war das eine Umstellung im Leben des Paars. Doch sie haben weiter zu einander gehalten. Er sagt:

«Mir ist wichtig, dass wir ehrlich und aufrichtig zu einander sind.»

Und manchmal müsse man auch wissen, wann man besser schweigt. Das Ehepaar beklagt sich nicht. Sie seien zufrieden. Auch mit ihrer Gesundheit.

Otto und Alice Rüdt sind seit 73 Jahren ein Paar. (Bild: Jolanda Riedener)

Otto und Alice Rüdt sind seit 73 Jahren ein Paar. (Bild: Jolanda Riedener)

Zusammen die ganze Welt gesehen

«Wir sind immer viel gereist, auch mit den Kindern gingen wir jedes Jahr in die Ferien», sagt Alice Rüdt. «So lernten sie die ganze Schweiz kennen», ergänzt Otto Rüdt. Später ging es nach Amerika, China, Australien, Kuba oder Südafrika. Ihm habe das Reisen gut gefallen. «Ich musste dich doch aber schon etwas überreden», sagt sie mit einem Lächeln.

Irgendwann hätten sich auch unterschiedliche Interessen der Beiden angeglichen. Mehrmals pro Jahr reisten sie auch zusammen nach Norwegen, wo die Tochter und mittlerweile Enkel und Urenkel leben.
Heute reisen sie nicht mehr. Dafür erhalten sie Besuch von der Familie. Dann sei immer viel los, aber sie habe das gern, sagt Alice Rüdt. Das Leben habe sich sehr verändert, seit sie jung gewesen sind. Sie hält fest:

«Ich würde aber nie sagen, dass die heutige Generation etwas besser oder anders machen sollte.»

Man müsse alles im Kontext sehen.

Die Gnadenhochzeit, wie der 70. Hochzeitstag auch genannt wird, feiern Alice und Otto Rüdt dann im April mit der Familie im Thurgau. In der Gemeinde Goldach leben aktuell nur zwei weitere Paare, die dieses besondere Jubiläum bereits feiern durften.

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