Das Geburtshaus in St.Gallen hat eine weitere Hürde genommen

In St.Fiden ist das erste Geburtshaus der Ostschweiz geplant. Die ersten Babies sollen im April 2019 zur Welt kommen. Gegen das Baugesuch gab es keine Einsprachen, noch ist das Projekt aber nicht bewilligt.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen
In der Überbauung «Lindenpark» soll das erste Ostschweizer Geburtshaus untergebracht werden. (Bild: Roger Berhalter)

In der Überbauung «Lindenpark» soll das erste Ostschweizer Geburtshaus untergebracht werden. (Bild: Roger Berhalter)

An der Lindenstrasse in St.Fiden wird derzeit gebaut. Die Überbauung «Lindenpark» mit gut 140 Wohnungen und Gewerberäumen nimmt allmählich Gestalt an. Auf dem Areal soll auch das erste Geburtshaus der Ostschweiz entstehen. Vier Hebammen aus dem Appenzellerland treiben das Projekt seit Jahren voran. Soeben haben sie erfolgreich ein Crowdfunding abgeschlossen und innert 90 Tagen 113'000 Franken gesammelt.

Keine Einsprachen gegen Bauprojekt

Gegen das Baugesuch hat es jetzt im öffentlichen Auflageverfahren keinen Widerstand gegeben. Es seien keine Einsprachen eingegangen, bestätigt Ivan Furlan, Leiter des Amts für Baubewilligungen der Stadt St.Gallen. Die Betreiberinnen müssten allerdings noch Unterlagen zuhanden des Kantons nachreichen. Es gehe um Fragen zum Brandschutz und zur Entsorgung medizinischer Sonderabfälle.

Bevor die Stadt die Baubewilligung erteilen könne, müsse der Kanton die Unterlagen prüfen und sein OK geben. Furlan zeigt sich zuversichtlich: «Nach unserer Einschätzung sollten die nötigen Nachweise ohne weiteres zu erbringen sein und somit die Bewilligung in Aussicht gestellt werden können.» Geht es nach den Betreiberinnen, soll das St.Galler Geburtshaus im April 2019 den Betrieb aufnehmen.

Zwei Gebärzimmer mit Wanne

Das Geburtshaus wird im «Lindenpark» auf zwei Stockwerken 320 Quadratmeter Nutzfläche in Anspruch nehmen. Wie die Pläne des Baugesuchs zeigen, sind zwei Gebärzimmer mit je einer Gebärwanne und eigener Dusche und WC geplant. Sie kommen im Erdgeschoss zu liegen, zusammen mit einem Untersuchungszimmer, einem Büro, einem Kursraum und einer kleinen Teeküche.

Das Gebärzimmer eines modernen Geburtshauses in Zweisimmen. (Bild: Lukas Lehmann/KEYSTONE - 29. Dezember 2016)

Das Gebärzimmer eines modernen Geburtshauses in Zweisimmen. (Bild: Lukas Lehmann/KEYSTONE - 29. Dezember 2016)

Im Obergeschoss befinden sich die fünf Wochenbett-Zimmer. Hier können die Mütter die ersten Tage nach der Geburt zusammen mit dem Partner und dem Baby verbringen. Im ersten Stock befinden sich weiter ein Büro, ein Pikettzimmer für die Hebammen, eine Küche sowie ein Ess- und Aufenthaltsraum.

Fünf Vollzeitstellen und 24-Stunden-Betrieb

Der Standort liegt nur wenige Gehminuten vom Kantonsspital St.Gallen entfernt. Das ist aus Sicht der Betreiberinnen ideal, weil auf diese Weise Ärzte und andere Spezialisten in der Nähe sind, sollte es Komplikationen geben. Die Hebammen streben mit dem Kantonsspital auch einen Kooperationsvertrag an.

Dem Baugesuch liegt auch ein detailliertes Betriebskonzept bei. Gut fünf Vollzeitstellen sollen im Geburtshaus entstehen, für die Hebammen und die Leitung. Später sollen auch Hauswirtschafterinnen angestellt werden; in einem ersten Schritt soll das Essen aber von extern angeliefert werden. Zwei Hebammen sollen in drei Schichten den 24-Stunden-Betrieb sicherstellen.

Erste Stelleninserate sind schon geschaltet, gesucht werden Hebammen mit einem Pensum zwischen 50 und 100 Prozent. Ziel der Initiantinnen ist es, ihr Geburtshaus auf die St.Galler Spitalliste zu bringen. Damit wären die Leistungen durch die Krankenversicherung gedeckt, und für die gebärenden Frauen entstünden im Vergleich zu einer Spitalgeburt keine weiteren Kosten.

Seit 2011 kein Ostschweizer Geburtshaus mehr

Seit das Geburtshaus «Artemis» in Steinach im Jahr 2011 aus betriebswirtschaftlichen Gründen schloss, gibt es in den Kantonen St.Gallen, Thurgau sowie im Appenzellerland kein Geburtshaus mehr. Die nächsten Geburtshäuser mit stationärem Wochenbett stehen in Schaffhausen, im Zürcher Oberland in Bäretswil und in der Stadt Zürich.

www.geburtshaus-sg.ch

Geburtshaus: Hebammen haben erstes Ziel erreicht

Über 100000 Franken haben die Initiantinnen für das geplante Geburtshaus St.Gallen innert kurzer Zeit gesammelt. Gesichert ist die Finanzierung des Projekts damit aber nicht.
Katharina Brenner

Geburtshaus St.Gallen: Hebammen brauchen Geld

Der Ort für das geplante Geburtshaus St.Gallen steht fest: die Überbauung Lindenpark im Osten der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Kantonsspital. Jetzt startet ein Crowdfunding für das Projekt. Davon hängt vieles ab.
Katharina Brenner