«Das Ganze ist sehr unangenehm»: Wittenbacher Bauprojekt kostet 1,8 Millionen Franken mehr: Jetzt weiss der Gemeinderat, wo der Fehler lag

Das Infrastrukturprojekt Oberwiesen kostet die Gemeinde Wittenbach mehr als geplant. Nachdem der Gemeinderat bereits 2018 einen Nachtragskredit von 911'000 Franken bewilligt hatte, stellte er letzten Mai fest, dass das Projekt erneut teurer wird. Nun ist klar wie viel: schon wieder rund 900'000 Franken. Grund dafür sind unter anderem Fehler im Gutachten. Gemeindepräsident Oliver Gröble sagt: «Es ist einfach vieles falsch gelaufen.»

Perrine Woodtli
Drucken
Teilen
Im Quartier Oberwiesen wurde zwischen 2017 und 2019 unter anderem ein Abwassertrennsystem gebaut.

Im Quartier Oberwiesen wurde zwischen 2017 und 2019 unter anderem ein Abwassertrennsystem gebaut.

Michel Canonica (13. April 2017)

Ärgerlich, bedauerlich, unangenehm. So beschreibt Oliver Gröble die Situation. Der Wittenbacher Gemeindepräsident hat diese Woche keine frohe Kunde für die Bewohner. Am Dienstagabend hat die Gemeinde mitgeteilt, dass beim Projekt Oberwiesen erneut Mehrkosten von rund 900'000 Franken anfallen.

Dass es diese Mehrkosten gibt, ist bereits seit Mai bekannt. Wie hoch aber diese sind, darüber gab es damals noch keine Auskunft. Nun ist klar, dass es sich um eine Überschreitung von fast einer Million handelt. «Das tut weh», sagt Gröble.

Oliver Gröble, Gemeindepräsident Wittenbach

Oliver Gröble, Gemeindepräsident Wittenbach

Urs Bucher

Damit kostet das Infrastrukturprojekt, bei dem im Quartier Oberwiesen zwischen 2017 und 2019 mehrere Teilprojekte realisiert wurden, die Gemeinde rund 1,8 Millionen Franken mehr als geplant. Denn bereits Ende 2018 musste der Gemeinderat aufgrund von Mehrkosten einen Nachtragskredit von 911'000 Franken bewilligen.

Ursprünglich genehmigten die Wittenbacher für das Projekt 2016 knapp 3,3 Millionen Franken. Die effektiven Kosten liegen nun bei rund 5,1 Millionen.

Fehler entstanden beim Gutachten und Antrag

Bereits im Mai sagte Gröble, dass eine Arbeitsgruppe das Ganze seriös und transparent analysieren werde. Nun ist klar, wie es zu den hohen Mehrkosten gekommen ist – zumindest teilweise. Die Untersuchung zeige, dass die Hauptursache im Kreditantrag des Projekts zuhanden der Bürgerversammlung zu finden sei, teilt die Gemeinde mit. Die Budgetierung und Erstellung des Gutachtens und Antrags 2016 sei auf der Basis des Kostenvoranschlags des Ingenieurbüros erfolgt.

Folgende Fehler seien dabei entstanden:

  • Rückerstattungen von den Grundeigentümern in der Höhe von 500'000 Franken wurden im Kreditantrag irrtümlicherweise nochmals abgezogen, obwohl dieser Betrag bereits im Kostenvoranschlag des Ingenieurs abgezogen worden war.
  • Das Ingenieurhonorar wurde nicht vollständig übernommen, womit 45'000 Franken im Gutachten und Antrag fehlten.
  • Mehrkosten in der Höhe von 110'000 Franken für Ingenieurleistungen wurden im Vertrag erwähnt, flossen jedoch nicht in den Kreditantrag ein.
  • Die vom Ingenieurbüro deklarierte Kostengenauigkeit von plus/minus 20 Prozent wurde im Gutachten und Antrag nicht berücksichtigt. Dabei hätten zusätzlich 680'000 Franken aufgenommen werden sollen.

Unregelmässigkeiten wurden nicht bemerkt

Die Kosten im Kreditantrag hätten also um 1,35 Millionen Franken höher ausgewiesen werden müssen. Als der Nachtragskredit 2018 bewilligt wurde, bliebt der Budgetierungsfehler im Kreditantrag unbeachtet. Der Nachtragskredit habe «plausibel» mit den unvorhergesehenen Mehrkosten aufgrund von baulichen Faktoren begründet werden können, schreibt die Gemeinde.

Dass gewisse Punkte vergessen wurden, begründet Gröble mit einer fehlerhaften Kommunikation damals. Der Kreditantrag sei auf Basis des Kostenvoranschlags des Ingenieurs erstellt worden, jedoch ohne dessen direkten Einbezug. Dieses Vorgehen sei unüblich.

«Es ist einfach vieles falsch gelaufen. Das muss man nicht schönreden.»

Gröble will nun vorwärtsschauen

Die Umstände, die zu den Fehlern führten, können aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollzogen werden, heisst es in der Mitteilung der Gemeinde. Ein Grund dafür sind laut Gröble personelle Wechsel. Auch er, der erst seit 2019 im Amt ist, betont, dass dieses Geschäft noch vor seiner Amtszeit über die Bühne gegangen sei. «Ich bin jetzt aber derjenige, der kommunizieren muss.»

Gröble betont, dass es primär nicht darum gehe, einen Schuldigen zu finden. Wichtig sei, dass man die Sache «gewissenhaft» aufgearbeitet habe, aus der Sache lerne, dafür geradestehe und vorwärtsschaue.

«Und dass so etwas nicht wieder passiert.»

Dafür soll das neue Projektcontrolling sorgen. Mit diesem sollen Änderungen bei grösseren Projekten früher erkannt werden.

Obwohl das Projekt Oberwiesen nun rund 1,8 Millionen Franken teuer ist, entsprechen die Kosten dem Wert der ausgeführten Arbeiten, sagt Gröble. «Wir haben also nicht einfach zu viel Geld ausgegeben.» Auch bei einer korrekten Budgetierung wären aufgrund der begründeten und erforderlichen Projektanpassungen Mehrkosten von rund 450'000 Franken entstanden.

Er verstehe aber, wenn einige Wittenbacher emotional reagieren und sich fragen würden, was in Wittenbach los sei. «Wer will, kann deshalb gerne das Gutachten einsehen.»

Bei den erneuten Mehrkosten von rund 900'000 Franken handelt es sich um gebundene Ausgaben, also solche, die notwendig sind und so oder so automatisch finanziert werden müssen. Der Gemeinderat muss daher nicht einen zweiten Nachtragskredit bewilligen.