Das Ende der langen Wartezeit ist absehbar: Der St.Galler Stadtrat plant für 50 Millionen Franken einen Neubau des Schulhauses Riethüsli

Noch in diesem Jahr soll die Vorlage für den Neubau der Primarschule Riethüsli vors Volks kommen. Eröffnung ist im Herbst 2025 geplant.

David Gadze
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Die Primarschule Riethüsli soll einem Neubau weichen. Der Baubeginn ist 2023 vorgesehen.

Die Primarschule Riethüsli soll einem Neubau weichen. Der Baubeginn ist 2023 vorgesehen.

Bild: Ralph Ribi/7. März 2020

Morsche Fenster, undichte Gebäudehüllen, veraltete technische sowie sanitäre Anlagen und zu wenig Platz für einen zeitgemässen Unterricht und die Tagesbetreuung: Die Mängel der Schulanlage Riethüsli sind vielfältig. Das Quartier wartet seit Jahren sehnlichst darauf, dass sich bei der zwischen 1966 und 1981 in mehreren Etappen erbauten Primarschule etwas tut. Ein fertig ausgearbeitetes Projekt hatte der Stadtrat im November 2013 im Zuge einer finanzpolitisch bedingten Verzichtsplanung zusammen mit anderen grösseren Bauvorhaben aus der Investitionsplanung gekippt. Der Neubau der Schule Riethüsli stellte er damals um mindestens fünf Jahre hinten an.

Die Spuren der Zeit sind in den Schulzimmern deutlich zu sehen.

Die Spuren der Zeit sind in den Schulzimmern deutlich zu sehen.

Bild: David Gadze/6. März 2020

Jetzt ist das Ende der Wartezeit absehbar: Am Freitag präsentierten Baudirektorin Maria Pappa und Schuldirektor Markus Buschor die Vorlage für den Neubau vor den Medien. Sie sieht vor, das neue Schulgebäude im Herbst 2025 zu eröffnen.

Planungskredit für zügiges Vorankommen

Beim Projekt handelt es sich um den überarbeiteten Siegerbeitrag «Punkt» aus dem Wettbewerb von 2012. Es sieht ein viergeschossiges Hauptgebäude, eine in den Hang eingebettete Turnhalle, die sich als Dreifachturnhalle nutzen lässt und Vereinen offen steht, sowie einen Kopfbau mit Aula und Bibliothek vor. In diesem ist auch der Lift, der neu einen hindernisfreien Zugang von der Teufener Strasse her ermöglicht, geplant. Der Pausenplatz kommt auf dem Dach der Turnhalle zu liegen.

Die Schulanlage im Riethüsli verteilt sich heute auf sechs Bauten, darunter die beiden Schulgebäude «Nest 1» und «Nest 2». Künftig gibt es nur noch ein Gebäude sowie den Kopfbau. Die Kosten betragen insgesamt 48,9 Millionen Franken inklusive Mehrwertsteuer. Die Neubauten sowie der Abbruch der bestehenden Gebäude kosten 47,8 Millionen. Die restlichen 1,1 Millionen entfallen auf einen Planungskredit, den der Stadtrat als Teil der Vorlage dem Parlament unterbreitet und über den dieses voraussichtlich an der Sitzung vom 24. März entscheiden wird. So könne die Planung bis zur Volksabstimmung, die im Herbst dieses Jahres vorgesehen ist, vorangetrieben und dadurch Zeit gewonnen werden, sagte Maria Pappa.

Die alte Turnhalle verschwindet, die neue wird in den Hang eingebettet.

Die alte Turnhalle verschwindet, die neue wird in den Hang eingebettet.

Bild: Ralph Ribi/7. März 2020

Der Planungskredit unterliegt dem fakultativen Referendum. Sollte dieses ergriffen werden, zögert sich der Zeitplan automatisch weiter hinaus. In diesem Fall wolle der Stadtrat die Vorlage als Ganzes dem Stimmvolk unterbreiten, sagte Markus Buschor. Die Vorlage früher ins Parlament zu bringen und so den separaten Planungskredit zu umgehen, sei nicht möglich gewesen. Die Zeit seit der Wiederaufnahme der Planung im Jahr 2018 bis heute habe man gebraucht, um das Projekt so weit zu überarbeiten, um eine Vorlage zu erstellen.

Mehr Platz für die Tagesbetreuung

Die Kostenschätzung für das 2013 zurückgestellte Projekt belief sich auf rund 35 Millionen Franken. Das Schulhaus Riethüsli wird somit etwa
15 Millionen teurer als geplant. Das sei den veränderten Rahmenbedingungen geschuldet, erklärten Pappa und Buschor. 2017 haben Stadtrat und Parlament entschieden, in der Stadt St. Gallen bis 2026 eine flächendeckende und bedarfsgerechte Tagesbetreuung einzuführen. Der Raumbedarf dafür im Schulhaus Riethüsli ist höher, als im ursprünglichen Projekt vorgesehen war. Deshalb erhält das Hauptgebäude drei statt vier Obergeschosse, eines davon soll komplett für die Tagesbetreuung reserviert sein. Das Sockelgeschoss mit der Turnhalle, in dem früher auch die Tagesbetreuung geplant war, fällt im Gegenzug kleiner aus, was Aushubmenge und -kosten mindert.

Schulhaus Riethüsli

Konkret bietet das Schulhaus Riethüsli künftig Platz für zwölf Klassen und 111 Kinder in der Tagesbetreuung. Dazu kommen Werkräume und Büros. Zum Zeitpunkt des Bezugs dürften es neun Schulklassen und zwei Kindergartenklassen sein. Heute sind es acht Schulklassen und eine Kindergartenklasse, dazu kommen die beiden Kindergärten an der Neststrasse und an der Guggerstrasse. Letzteren will die Stadt schliessen und in den Neubau «zügeln», der Kindergarten an der Neststrasse bleibt.
Da sich im Riethüsli der Bau neuer Wohnsiedlungen abzeichne, wolle man für steigende Schülerzahlen gewappnet sein, sagte Buschor. Langfristig sollen deshalb im Schulhaus bis zu zwölf Schulklassen unterrichtet werden und die dannzumal bis zu vier Kindergartenklassen an dezentralen Standorten. Wo die zusätzlichen Kindergärten dereinst entstehen könnten, sei noch nicht definiert.

Bauarbeiten während laufenden Schulbetriebs

Der Neubau des Primarschulhauses – dort, wo heute das «Nest 1», der Pausenplatz, der Kindergarten und eine Turnhalle sind – geschieht unter laufendem Schulbetrieb. Der Unterricht findet während der Bauzeit im Gebäude «Nest 2» statt. Die Schülerinnen und Schüler müssten zwar etwas näher zusammenrücken, sagte Buschor. Dies sei aber vertretbar, da es dadurch kein separates Provisorium für den Unterricht brauche. Sobald der Neubau steht, werden die dahinter liegenden Gebäude – also das «Nest 2» und die Turnhalle – abgebrochen. Dort entsteht eine grosse Grünfläche mit einem Fussballplatz.

2014 schloss die Post die Filiale im Riethüsli. Die Stadt hat das Gebäude 2015 gekauft.

2014 schloss die Post die Filiale im Riethüsli. Die Stadt hat das Gebäude 2015 gekauft.

Bild: Urs Bucher/5. April 2016

Noch offen ist, was mit der alten Poststelle geschieht, die sich unterhalb der Schulanlage befindet und die der Stadtrat als mögliche Reserve für den Schulhausneubau gekauft hat.

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