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Das Eisenbahnquartier als Antwort auf die früher prekäre Wohnsituation in Rorschach

Als das Eisenbahnerquartier oberhalb des Hauptbahnhof Rorschach gebaut wurde, war die Seelinie bereits seit über 40 Jahren in Betrieb. Die Siedlung wurde nach englischem Vorbild erbaut.
Richard Lehner
Das Eisenbahnerquartier konnte seinen Charakter über die Jahrzehnte bewahren. (Bild: Rahel Jenny Egger)

Das Eisenbahnerquartier konnte seinen Charakter über die Jahrzehnte bewahren. (Bild: Rahel Jenny Egger)

Gegründet wurde die Eisenbahner-Baugenossenschaft (EBG) im Jahr 1909. Erster Präsident war Zugführer Jean Perron, der am 23. Oktober 1909 rund 34 Eisenbahnangestellte zur Gründungsversammlung begrüssen durfte. Ihr Ziel war es, auf dem 57600 Quadratmeter grossen Gelände im Gebiet Schönbrunn eine Siedlung nach dem Vorbild der englischen Gartenstädte zu errichten, oder wie es Jean Perron damals ausdrückte: «Mit der Erstellung von Ein-, Zwei- und Dreifamilienhäusern und Wohnblocks sollen die Genossenschafter gesunde und billige Wohnungen erhalten, in denen sie sich heimelig fühlen und aller Zinstreiberei enthoben sein können.» Architekt der Siedlung war Paul Robert Gerber, der bereits drei Jahre zuvor für den Bau der Eisenbahnersiedlung im Schoren in St. Gallen verantwortlich zeichnete.

Jeder Familie ein eigenes Haus

Im Gründungsjahr der EBG war die Wohnsituation in Rorschach prekär. Die Stadt zählte 12000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das waren rund 8000 Menschen mehr als noch 1895. Die Nachfrage nach Wohnungen war viermal grösser als das Angebot. Die Arbeiterfamilien, die in der Feldmühle AG, in der Konservenfabrik und weiteren Industrien beschäftigt waren, nahmen jeden Schlupfwinkel in Beschlag. Die schlechten Wohnbedingungen hatten auch Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Zwischen 1900 und 1914 entstanden in den umliegenden Dörfern und in Rorschach selber neue Wohnviertel und Siedlungen für Arbeiterfamilien und kleine Angestellte.

Mit viel Mut und Willen schafften es die Leute um Jean Perron, die finanziellen und bewilligungstechnischen Hürden innert kurzer Zeit zu nehmen und das Eisenbahnerquartier, wie es sich heute noch präsentiert, zu verwirklichen. Den EBG-Gründern ging es nicht in erster Linie um sozialen Wohnungsbau, sondern darum, für die in Rorschach tätigen Eisenbahner und ihre Familien ein eigenes Heim zu realisieren. In der Siedlung wurde auch dem Umfeld der Häuser grosse Beachtung geschenkt. Jedes Haus erhielt ein Stück Gartenland zugeteilt.

Die Bewohnerinnen und Bewohner sollten so einen hohen Grad an Selbstversorgung mit eigenem Gemüse und Obst erlangen. Da das Gärtnern nicht jedermanns Sache war, wurden Fachleute beigezogen, die den Eisenbahnerfamilien beratend zur Seite standen. Der Charakter der Siedlung ist auch heute noch weitgehend intakt. Gewandelt hat sich die Lebensweise seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Die Gärten werden nicht mehr nur für Gemüseanbau, sondern vielmehr für Freizeitbeschäftigungen genutzt. Was sich auch gewandelt hat: In den Häusern wohnen nicht mehr wie früher Beschäftigte der Bahn. Nach der Schliessung der Rorschacher SBB-Werkstätte im Jahr 1926 und der damit verbundenen Abwanderung von Bahnangestellten aus Rorschach in andere Gegenden öffnete sich die Eisenbahner-Baugenossenschaft mehr und mehr und gewährte Angestellten aus anderen Berufen den Zugang zu den Wohnungen im Eisenbahnerquartier.

Führungen zum Seelinie-Jubiläum

Am Jubiläumswochenende «150 Jahre Seelinie und Trajekt» finden Führungen durch das Eisenbahnerquartier statt: am Samstag, 4. Mai, um 11 und 14 Uhr, am Sonntag, 5. Mai, um 14 Uhr, Besammlung jeweils in der Schalterhalle des Hauptbahnhofs Rorschach. Die knapp einstündigen Rundgänge sind kostenlos und finden bei jeder Witterung statt.

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