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Er hat das bekannteste Gesicht der Stadt St.Gallen auf die Fassade der Offenen Kirche gesprayt

Das Bild an der Fassade der Offenen Kirche ist zu einem Wahrzeichen St.Gallens geworden. Die Idee dazu hatte Graffiti-Künstler Stefan Tschirren. Es ist sein bisher grösstes Werk.
Roger Berhalter
Stefan Tschirren vor der Offenen Kirche mit dem grössten Motiv, das er je gesprayt hat. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Tschirren vor der Offenen Kirche mit dem grössten Motiv, das er je gesprayt hat. (Bild: Benjamin Manser)

Wer genau hinschaut, entdeckt Asterix und Obelix. Und Michael Jackson. Und das St.Galler Stadtoriginal Albert Nufer. Aber diese Details dürften den wenigsten auffallen. Dafür kennen alle das grosse Ganze: Das brasilianische Frauengesicht an der Fassade der Offenen Kirche an der Böcklinstrasse. Seit 2016 prangt das Graffiti an der Wand. Gut sichtbar an einer der meistbefahrenen Strassen des Kantons, ist es zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden.

«Es freut mich, dass man das Motiv kennt», sagt Stefan Tschirren. Der 40-Jährige hatte die Idee zum Wandbild, und er hat es auch eigenhändig gesprayt. Zusammen mit Manuel Muttner und Dominic Amstad alias Prime, denn für das riesige Bild brauchte er Hilfe. Eine Woche lang seien die Drei dran gewesen, inklusive eines unplanmässigen Unterbruchs, weil die Spraydosen zwischendurch ausgingen. Wie viele er für das Bild verbraucht habe, weiss er nicht mehr.

Ein Hirschkäfer am rechten Arm

Tschirren dreht sich eine Zigarette. In der Graffiti-Szene ist er unter dem Pseudonym «Insect» bekannt. «Insekten mochte ich schon immer gerne.» Also habe er sich diesen Künstlernamen gegeben und Insekten auf Wände gesprayt. Er trägt sie auch als Tattoos am Körper. An seinem Hals prangt eine Gottesanbeterin, auf der Brust ein Totenkopffalter, am rechten Arm ein Hirschkäfer.

Tschirren ist in Afrika und Abtwil aufgewachsen. Die ersten Lebensjahre verbrachte er an der Elfenbeinküste, wo seine Eltern damals Entwicklungshilfe leisteten. Über Comics fand er den Weg zum Zeichnen und zur Graffiti-Kunst. «Ich las nicht die Texte, sondern schaute mir die Bilder an.» Bis heute sei er ein visueller Mensch geblieben.

«Ich glaube nur, was ich sehe.»

Bis er 19 Jahre alt war, lebte Tschirren in Abtwil, wo er auch seine erste Wand besprayte – ganz legal an der Sekundarschule. Sein Lebensmittelpunkt sei lange die Stadt St.Gallen gewesen. Hier ging er in den Ausgang, hier absolvierte er den Vorkurs an der Schule für Gestaltung, und hier malte er auch das eine oder andere Motiv.

Seine Graffiti von damals sind fast alle verschwunden. So wie der Löwe, den er in den 1990er-Jahren einmal hinter dem «Talhof» gesprayt habe. Im Gallus-Pub an der Metzgergasse begrüsst aber noch immer eine von ihm gemalte schottische Landschaft die Gäste.

Sein einziges Graffiti in St.Gallen

Heute kommt Tschirren nur noch einmal im Monat in die Ostschweiz, um Verwandte zu besuchen. Der 40-Jährige wohnt mittlerweile in Oberglatt im Kanton Zürich und arbeitet als Stuhlrestaurator. In seiner Freizeit nimmt er bis heute Graffiti-Jobs an. «Ich bekomme viele Aufträge, da kann ich mich austoben. Nur verdiene ich dabei nicht viel.» Öffentlich sichtbar sind seine Werke zudem, wenn er am Comicfestival Fumetto in Luzern mitmacht oder an der Zürcher Langstrasse eine Ausstellung organisiert.

Das Graffiti an der Offenen Kirche wurde zu einem Wahrzeichen von St.Gallen. (Bild: Sabrina Stübi)

Das Graffiti an der Offenen Kirche wurde zu einem Wahrzeichen von St.Gallen. (Bild: Sabrina Stübi)

Um zu üben, sprayt er auf dem Areal der Roten Fabrik in Zürich, wo dies legal ist – im Gegensatz zu St.Gallen, wo es für Spraydosenkünstler keine solche Möglichkeit gibt. Man sei hier nun einmal «weniger offen», sagt Tschirren. Keinen einzigen Graffiti-Job habe er bis jetzt aus der Stadt St.Gallen erhalten. Auch nachdem er sein brasilianisches Gesicht an die Offene Kirche gesprayt hatte, habe sich niemand bei ihm gemeldet.

Das Gesicht soll noch ein paar Jahre bleiben

Ein Passant bleibt vor dem Riesen-Graffiti stehen, zieht das Smartphone aus der Jackentasche und macht ein Foto. Solche Reaktionen seien typisch, sagt Theodor Pindl, Intendant der Offenen Kirche. «Wir erleben es fast täglich, dass dieses Kunstwerk betrachtet und geschätzt wird.» Pindl hat bei der Stadt ein Gesuch eingereicht, um das Fassadenbild dauerhaft zu bewilligen – oder zumindest so lange, bis die Universität St.Gallen am Platztor einen neuen Campus baut und die Offene Kirche abgebrochen wird. Spätestens dann wird die Stadt St.Gallen eines ihrer Wahrzeichen verlieren.

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