Das «Abenteuerland» beginnt am Waldrand: Versperrter Wanderweg zum Walter-Zoo beschäftigt nun die Juristen

Sturm Sabine hat viele Bäume umgeworfen. Die Spuren sind mittlerweile beseitigt. Wer beim nächsten Mal einspringen muss, klären nun die Juristen.

Elisabeth Fitze
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Ein Spaziergang inklusive Kinderwagen wird zu einer Herausforderung.

Ein Spaziergang inklusive Kinderwagen wird zu einer Herausforderung.

Bild: PD

Wer in den letzten Wochen eine Wanderung zum Walter-Zoo unternahm, betrat das «Abenteuerland» schon am Waldrand. Denn dem sonntäglichen Spaziergang mit Kinderwagen lagen Hindernisse im Weg. Umgestürzte Bäume zeugten vom Wintersturm Sabine. Wer hätte die Spuren beseitigen müssen?

Die Antwort auf diese Frage zu finden, ist gar nicht so einfach. Die Stellungnahmen der Stadt Gossau und des Regionalförsters lösen Verwirrung aus. So viel ist jedoch klar: Der betreffende Wanderweg beginnt beim Quartier Neuchlen und führt zum Walter-Zoo.

Der Wald, durch den der Weg führt, gehört verschiedenen Eigentümern, der grösste Teil dem katholischen Konfessionsteil St.Gallen. Aber auch Private und der Bund besitzen dort Land. Bisher habe man den Eigentümern gesagt, sie seien nicht für den Unterhalt verantwortlich, sagt Regionalförster Raphael Lüchinger. Das sei vielmehr Sache der Gemeinde.

«Wanderweg» hat nichts zu bedeuten

Urs Salzmann wiederum, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Gossau, sagt, er habe vom städtischen wie auch vom kantonalen Tiefbauamt die Bestätigung erhalten, dass gemäss Artikel 54 und 55 des Strassengesetzes der Unterhalt Sache der Eigentümer sei.

Tatsächlich steht dort, dass Gemeinden nur für den Unterhalt von Strassen erster und zweiter Klasse verantwortlich sind und Strassen der Klasse 3 von den Eigentümern unterhalten werden müssen. Der betreffende Wanderweg ist eine Strasse der Klasse 3.

Er sei bis jetzt davon ausgegangen, dass der Unterhalt trotz Klassifizierung der Gemeinde zufällt, da es sich um einen öffentlichen Wanderweg handle und damit vor allem das Gemeinwesen profitiere, sagt Lüchinger. Laut Salzmann ist «Wanderweg» aber nur eine Zusatzwidmung und hat nichts mit der Klassierung zu tun.

Rechtsabteilungen sollen Licht ins Dunkel bringen

Offenbar ist man sich bei den Behörden nicht sicher, wer für den Unterhalt verantwortlich ist, wobei Lüchinger betont, dass die Interpretation des Strassengesetzes nicht Sache des Forstdienstes sei. Die Rechtsabteilungen werden die richtige Handhabung nun abklären.

Wanderwege würden in der Praxis nach Sturmereignissen wegen des Aufwands und der fehlenden Ausrüstung kaum von Privaten geräumt, sagt Lüchinger. In dieser konkreten Situation seien aber der Bund und der katholische Konfessionsteil und keine Privatpersonen betroffen, sagt Salzmann.

Man kann wieder zum Walter-Zoo wandern

Trotz dieser Verwirrung können Wanderer aufatmen: Denn die Räumungsarbeiten sind mittlerweile abgeschlossen. Der Förster des katholischen Konfessionsteils musste so oder so nach dem Sturm Forstarbeiten erledigen. «Dann hat er auch gleich den Weg geräumt», sagt Lüchinger. Da dem katholischen Konfessionsteil rund 90 Prozent des Waldes angrenzend zum Weg gehöre, sei es für den Förster kein grosser Zusatzaufwand, diese Bäume auch noch wegzuräumen.