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Darum führen Gaiserwald und Uzwil eine eigene Klasse für Kinder mit Sprachdefiziten ein

Weil zwei Schüler auf die Warteliste der Sprachheilschule gesetzt wurden, schafft die Schule Gaiserwald mit Uzwil ein eigenes Angebot. Die Klasse längerfristig zu führen, komme aber nicht in Frage.
Johannes Wey
Wenn Sprachstörungen nicht früh therapiert werden, können sie sich durch eine ganze Schulkarriere ziehen. (Bild: Getty)

Wenn Sprachstörungen nicht früh therapiert werden, können sie sich durch eine ganze Schulkarriere ziehen. (Bild: Getty)

Die Idee kam schnell. Noch vor den Sommerferien wusste der Gaiserwalder Schulpräsident Jürg Seitter, wo die zwei Abtwiler Schüler, die nicht an der Sprachheilschule in St. Gallen aufgenommen wurden, ab Montag zur Schule gehen: Im Fördernest, den Räumen über dem Kindergarten Ebnet, wo auch bisher logopädische Angebote untergebracht waren. Zusammen mit drei Schulkindern aus Uzwil bilden sie eine «Kleine Klasse», wie die Übergangslösung genannt wird.

Die fünf Kinder stehen zusammen mit zwölf weiteren auf der Warteliste der Sprachheilschule, obwohl es dort noch genügend Plätze hätte – die Sonderschulquote in den betreffenden Gemeinden sei zu hoch. In Gaiserwald lag sie 2017/2018 bei 2,5 Prozent, was der langjährigen kantonalen Quote entspricht. 2018/2019 sind es 2,9 Prozent.

Die «Kleine Klasse» gibt es nur ein Jahr

Seitter betont, dass die Schule Gaiserwald Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf wenn immer möglich in die Regelklasse integriere. Wenn das funktioniere, sei dies sowohl für die Kinder, als auch für die Schule die beste Lösung – nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht.

«Wir leben das Konzept der integrativen Beschulung.»

"In der Primarschule Ebnet haben wir fast 20 Schülerinnen und Schüler, die sich in diesem Bereich bewegen.» Erst im letzten Schuljahr habe man ein Mädchen von der Sprachheilschule wieder nach Abtwil geholt. Dort habe es die 3. Klasse wiederholt und brauche nun nur noch wenige Fördermassnahmen.

Jürg Seitter, Schulpräsident Gaiserwald. (Bild: Johannes Wey)

Jürg Seitter, Schulpräsident Gaiserwald. (Bild: Johannes Wey)

Die Schule Gaiserwald sei Mitte Mai vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagt Seitter. Von der Leiterin der Sprachheilschule habe er erfahren, dass weitere Schulen betroffen seien. «Daraufhin telefonierte ich andere Schulen ab.» Er konzentrierte sich auf die Kesb-Region, in der auch eine gemeinsame Time-out-Klasse für Schulkinder mit Schwierigkeiten in der Selbst- und Sozialkompetenz geführt wird. Dabei zeigte sich, dass Uzwil dasselbe Problem hat.

«Erst boten wir dem Kanton an, seinen Kostenanteil für die Sprachheilschule ebenfalls zu übernehmen», sagt Seitter. Für die Gemeinde kostet jeder Sprachheilschüler 36000 Franken im Jahr, der Kanton steuert zusätzlich 8000 Franken bei. «Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.» Deshalb stellte man die «Kleine Klasse» auf die Beine, im Bewusstsein, dass sie nur ein Jahr im Fördernest unterrichtet wird.

«Das haben wir auch dem Kanton und der Sprachheilschule klargemacht. Der Kanton muss dieses Problem lösen.»

Im Grunde genommen sende man mit der eigenen Lösung ein falsches Signal. «Doch unsere beiden Schüler könnte man in einer Regelklasse einfach nicht optimal betreuen.» Mit dem entfallenden Schulgeld für die Sprachheilschule sei die Lösung kostenneutral.

Die Sprachheilschule unterstützt

Die «Kleine Klasse» werde nach dem Volksschullehrplan unterrichtet, hinzu kommen zwei Stunden Logopädie pro Kind. Das seien einige Lektionen weniger als in der Sprachheilschule, dafür sei die Betreuung sehr individuell. «Eine schulische Heilpädagogin konnten wir in der kurzen Zeit nicht finden», sagt Seitter. Die Klasse werde aber von einer «sehr kompetenten Lehrerin» betreut. Ausserdem habe man mit Unterstützung der Sprachheilschule einen Praktikanten gefunden und werde im Sinne eines Mentorats von der Sprachheilschule unterstützt. Sport, Musik und Handarbeit besuchen die Kinder in einer Regelklasse.

Rückstand möglichst früh wettmachen

Bei den Betroffenen müsse nicht zwingend ein Sprachfehler im Sinne einer Behinderung vorliegen, oftmals handelt es sich um eine Spracherwerbsstörung. Diese Kinder machen auch in Gaiserwald eine Mehrheit aus. «Wir versuchen fremdsprachige Familien davon zu überzeugen, schon vor der Einschulung unsere Angebote um Deutsch zu lernen wahrzunehmen. Aber das basiert auf Freiwilligkeit.»

Für die schulische Karriere eines Kindes sei es entscheidend, sprachliche Defizite möglichst früh aufzuholen, sagt Seitter. «Als ehemaliger Berufsschullehrer weiss ich, dass sie sonst diesem Rückstand jahrelang hinterherlaufen und unter ihren Möglichkeiten bleiben.»

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