«Dank Comics fangen Kinder und Jugendliche mit Lesen an»: St.Galler Buchhandlung macht Comics schmackhaft – fernab von Asterix, Obelix und Micky Maus

Comics sind vielseitiger als oftmals wahrgenommen. Dies zeigt der Gratis-Comic-Tag am Samstag in der Comedia Buchhandlung in St.Gallen.

Meret Bannwart
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Sie hat ein Flair für Comics: Lea Aeple.

Sie hat ein Flair für Comics: Lea Aeple.

Bild: Ralph Ribi

Bei Comics denken viele erst an Asterix und Obelix oder die Micky-Maus-Hefte für Kinder und Jugendliche. Doch Comics sind weit mehr als das. Buchhändlerin Lea Aeple hat die Vielfalt der Comics selbst erst durch ihre Arbeit entdeckt. Seit 15 Jahren arbeitet sie für die Comedia Buchhandlung an der Katharinengasse und ist seither Feuer und Flamme für Comics. Denn: «Es ist für jede und jeden etwas dabei», so die 42-Jährige.

Von Comicadaptionen von Weltliteratur wie Anne Franks Tagebuch oder Frank Kafkas Büchern, über künstlerische Comics, Fantasy- und Science-Fiction-Geschichten und japanischen Mangas bis hin zu Comics für den Schulunterricht, ist alles dabei, sagt Aeple. Dies merke man auch an der Kundschaft, die von 13-jährigen Teenagern bis hin zum Pensionären alle Alters- und Berufsgruppen umfasse.

Wie Bild und Text verschmelzen

«Comics sind immer noch eine Nische und viele kommen damit selten in Berührung. Aber unsere Kundschaft ist definitiv breiter gefächert als früher», sagt Aeple. Faszinierend ist für sie, wie Wort und Bild zusammenkommen.

«Die zwei Ebenen ergänzen sich, damit können Comicautorinnen und Comicautoren spielen.»

Zu ihren persönlichen Lieblingen gehören die feministischen Comics von Liv Strömquist. In «Der Ursprung der Welt» zeichnet diese etwa die Kulturgeschichte der Vulva nach – von der Bibel bis Freud, vom unbeholfenen Biologieunterricht bis hin zu aktueller Tamponwerbung.

Leseeinstieg dank Comics

Schade sei, dass immer noch viele Leute eine Trennung zwischen normalen Büchern und Comics machen würden. Comics würden nicht als anspruchsvolle Literatur wahrgenommen werden, oftmals sei dies bei Eltern zu beobachten. «Dabei können Comics ein guter Einstieg in das Lesen sein. Jugendliche können über Comics mit Literatur in Berührung kommen», sagt Aeple.

Vom Comic zur Literatur?

Vom Comic zur Literatur?

Bild: Ralph Ribi

Sie selbst ist Mutter zweier Töchter. Die Ältere, in der ersten Klasse, sei vom Comicfieber ihrer Mutter angesteckt worden. «Über die Comics beginnt sie mit dem Lesen.» Bei Kindern hoch im Kurs seien derzeit Drei-Fragezeichen- und Fünf-Freunde-Comics.

Von Afrika bis in die Karibik

Die Buchhandlung Comedia ist ein Kind der 1980er-Jahre. Bekannt ist sie für Comics und Mangas. «Viele assoziieren uns gleich mit unserem Comicangebot», sagt Aeple. Dabei wolle man mit der Buchhandlung auch andere Schwerpunkte setzen.

So sei es der Comedia wichtig, den europäischen Blick auszuweiten und auch Belletristik aus anderen Kulturen anzubieten. Aeple sagt:

«Wir legen Wert darauf, Autoren aus Lateinamerika, Afrika oder der Karibik in unserem Sortiment zu führen.»

Einen weiteren Fokus legt die Genossenschaftsbuchhandlung auf soziologische, philosophische und politische Bücher.

Der Comiczeichner David Boller bei einem Besuch in seinem Atelier in Mogelsberg.

Der Comiczeichner David Boller bei einem Besuch in seinem Atelier in Mogelsberg.

Bild: Benjamin Manser (29. Oktober 2018)=

Wegen der Coronakrise wurde der Gratis-Comic-Tag, der normalerweise am zweiten Samstag im Mai stattfindet, auf kommenden Samstag verschoben. Das Konzept des Tages: Einige Verlage geben gratis Comichefte heraus, die extra für diesen Tag angefertigt wurden.

In der Comedia gibt es zudem zehn Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. Ausserdem signiert David Boller, ein Schweizer Comiczeichner, der bereits für Marvel Comics gearbeitet hat, ab 10 Uhr in der Katharinengasse Comichefte.

Hinweis: Am Samstag findet in der Comedia Buchhandlung an der Katharinengasse 20 der Gratis-Comic-Tag statt. www.comedia-sg.ch