Jahresrechnung
Rorschach kann die Steuern senken: Was Deponien damit zu tun haben

Die Erfolgsrechnung der Stadt Rorschach weist für das Jahr 2020 einen Ertragsüberschuss von 4,7 Millionen Franken aus. Das gute Ergebnis kam auch deshalb zustande, weil Deponie-Rückstellungen aufgelöst wurden.

Rudolf Hirtl
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Vermissen den direkten Kontakt zur Bevölkerung: Röbi Raths (rechts) und Guido Etterlin.

Vermissen den direkten Kontakt zur Bevölkerung: Röbi Raths (rechts) und Guido Etterlin.

Bild: Rudolf Hirtl

Die Stadt Rorschach betrieb in den vergangenen 100 Jahren nicht weniger als neun Deponien. Die dort angehäuften Abfallberge kommen nun der städtischen Kasse zugute. Zwar ist davon auszugehen, dass künftig Sanierungskosten von neun bis 12 Millionen Franken zu Lasten der Stadt anfallen werden, doch war die Spezialfinanzierung «Deponie» mit einem Eigenkapital von 17,6 Millionen Franken mehr als ausreichend gedeckt.

Im Zusammenhang mit der Umstellung auf das neue Rechnungslegungsmodell hat die Stadt nun diese Deponie-Rückstellungen aufgelöst und das Geld umverteilt. Eine Spezialfinanzierung wird nur noch für den laufenden Betrieb der Deponie Unterbüel (1,3 Mio.) geführt. Für Sanierungsmassnahmen der stillgelegten Deponien werden 11,5 Millionen Franken zurückgestellt. Der Reserveüberschuss von 4,7 Millionen Franken wird dem städtischen Haushalt zugeführt.

Aufwertungsreserve von 65 Millionen Franken

Dies führt dazu, dass die Erfolgsrechnung der Stadt Rorschach für das Jahr 2020 einen Ertragsüberschuss von 4,73 Millionen Franken ausweinst. Das Ergebnis fällt damit um 4,71 Millionen Franken besser aus als budgetiert. Rechnet man die Entnahme von 4,5 Millionen Franken aus der Aufwertungsreserve des Verwaltungsvermögen ab, so präsentieren sich Budget und Rechnung 2020 nahezu ausgeglichen. Weil die im Jahr 2019 geäufnete Aufwertungsreserve von 65 Millionen Franken gemäss Vorschrift des Kantons über einen Zeitraum von 15 Jahre linear aufzulösen ist, kann Rorschach diesen buchhalterischen «Trick» auch in den nächsten dreizehn Jahren anwenden. «Wir müssen trotzdem darauf achten, dass wir geschickt Investieren und die Verschuldung im Griff haben», sagt Stadtpräsident Röbi Raths. Diese liegt pro Kopf aktuell bei 1600 Franken.

Steuerfuss soll auf 129 Prozent gesenkt werden

Die Bürgerinnen und Bürger können sich freuen, denn Stadtrat und GPK empfehlen aufgrund des guten Rechnungsabschlusses und des Eigenkapitalbestands von 20,6 Millionen Franken den Steuerfuss um fünf auf neu 129 Prozent zu senken. Er sei mit dem Ergebnis sehr zufrieden, sagt Raths, mahnt aber auch, dem Steuerfuss nicht zu grosse Beachtung zu schenken. «Rorschach ist ein höchst attraktiver Wohnstandort und bietet in unterschiedlichsten Bereichen alles, was man zum Leben braucht. Dies ist auch eine Qualität. Und die wird noch besser werden, denn in den nächsten zehn Jahren wird sich die Stadt Rorschach markant verändern.»

Für das laufende Jahr budgetiert Rorschach nach dem Bezug von fünf Millionen Franken aus der Aufwertungsreserve mit einem Ausgabenüberschuss von 1,9 Millionen Franken. Die Stadt habe diverse Projekte in der Pipeline, wie beispielsweise die Gestaltung des Hafenplatzes. Corona verunmögliche derzeit jedoch die Präsentation dieser Vorlage. «Ich mache keine Abstimmung, solange man die Bürger bei Mitwirkungsverfahren und persönlichen Kontakten nicht miteinbeziehen kann.»

Neue Schulleitung, neue Doppelturnhalle

Der Aufwand der Schule Rorschach war 2020 mit 18,9 Millionen Franken um 363'500 Franken tiefer als budgetiert. Mit ein Grund dafür war, dass Kinder aus Sonderbeschulungen wieder in reguläre Klassen zurückgeführt werden konnten. Laut Schulpräsident Guido Etterlin werden sich die Kosten für Sonderbeschulungen im kommenden Jahr allerdings massiv erhöhen, weil Rorschach als Folge des kantonalen Sparprogramms neu 40'000 statt wie bisher 36'000 Franken Sonderschulpauschale pro Schüler zu entrichten hat. Im laufenden Jahr betrifft dies 37 Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensstörungen oder Behinderungen.

Dieser Kontoposten und Erhöhungen in elf weiteren führen dazu, dass das Budget 2021 mit einem Gesamtaufwand von 20,3 Millionen Franken 1,3 Millionen Franken über dem Vorjahresergebnis liegt. Auch in der Schule Rorschach offenbaren sich die coronabedingten Ermüdungserscheinungen. Ettelin sagt:

«Wir haben einzelne Kinder, die in eine zehntägige Quarantäne mussten. Das alleine ist schon belastend für Kinder, bei schwierigen Wohnverhältnissen ist es noch belastender.»

Das System Schule sei stark gefordert, weil die Menschen dünnhäutiger geworden seien und es wenig für eine Eskalation brauche.

Jacqueline Schoch neue Oberstufenschulleiterin

Jacqueline Schoch

Jacqueline Schoch

Bild: PD

Während die Stadt in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen ist, sind die Schülerzahlen gleich geblieben, aktuell sind es 966. Laut Etterlin wird sich dies mittelfristig ändern, und die Schülerzahlen werden auf zirka 1100 steigen. Auch deshalb wurde eine Machbarkeitsstudie für eine Doppelturnhalle Pestalozzi in Auftrag gegeben, nachdem diese Einfachturnhalle aus dem Jahr 1955 nicht mehr saniert werden kann.

Eine Änderung gibt es in der Oberstufe. Der Schulrat hat Jacqueline Schoch per 1. März als neue Schulleiterin gewählt. Schoch arbeitet seit acht Jahren als Sekundarlehrerin an der Oberstufe und ersetzt Ruedi Jucker, der in den nächsten anderthalb Jahren die Kleinklasse 8 im Burghaldenschulhaus führen wird.