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Geschäfte auf Zeit - ein neues Rezept im Kampf gegen das Ladensterben in St.Gallen

Die Umsetzung des Konzepts «Zukunft Innenstadt» wird konkret. Die Fachhochschule St.Gallen hat zusammen mit einer Internetplattform und weiteren Partnern das Projekt Pop-Up-City lanciert. Es will Vermieter und Mieter von Läden für Zwischennutzungen auf möglichst einfache Art und Weise zusammen bringen.
Reto Voneschen
Die Attraktivität des St.Galler Stadtzentrums als Einkaufsmeile ist durch leer stehende Ladenlokale bedroht. Sind Zwischennutzungen die Lösung des Problems? (Bild: Urs Jaudas - Marktgasse, 8. April 2009)

Die Attraktivität des St.Galler Stadtzentrums als Einkaufsmeile ist durch leer stehende Ladenlokale bedroht. Sind Zwischennutzungen die Lösung des Problems? (Bild: Urs Jaudas - Marktgasse, 8. April 2009)

Noch ist das Angebot an St.Galler Ladenflächen auf www.popupshops.com sehr überschaubar. Gestern Sonntag waren auf der Internetplattform für die Stadt St.Gallen ganze zwei leere Ladenlokale für Zwischennutzungen zu finden. Beide befinden sich im Einkaufszentrum Grossacker. Beide sind ab sofort zu haben. Beide müssen mindestens neunzig Tage am Stück zwischengenutzt werden. Und dies zu vergleichsweise günstigen Konditionen.

In den nächsten Wochen und Monaten soll die Zahl der auf der Internetplattform ausgeschriebenen in St.Gallen leer und für Zwischennutzungen zur Verfügung stehenden Ladenlokale schnell wachsen. Und die Hoffnung ist dann natürlich, dass dieses Angebot auf eine grosse Nachfrage trifft, dass aus der Vermittlung per Internet Pop-Up-Shops resultieren, die die St.Galler Innenstadt attraktiver machen. Möglichst viele dieser Vermittlungen wollen die beteiligten Hochschulen wissenschaftlich begleiten, um ein Instrumentarium zu entwickeln, mit dem sich dieser Akt weitgehend automatisieren lässt.

Das Bedürfnis ist vermutlich vorhanden

Das Vorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt. Daran beteiligt sind die Fachhochschule St. Gallen (FHS), die Internetplattform Popupshops.com, die Städte St.Gallen und Zürich sowie die Interstaatliche Hochschule für Technik in Buchs (NTB). Kürzlich haben FHS-Dozent Stefan Nertinger und Popup­shops.com-CEO Chalid A. El-Ashker das Projekt vorgestellt. Der Informationsabend an der FHS stiess auf grosses Interesse auch bei Hauseigentümern – wie die Fragen am Schluss zeigten.

Die Zeit der Mietverträge für Ladenlokale mit einer Laufdauer von 15 und mehr Jahren sei definitiv vorbei, hielt Stefan Nertinger fest. Angesichts des rasch voranschreitenden Strukturwandels im Detailhandel seien heute vermehrt kurzfristige, vorübergehende Nutzungen gefragt. Und da gebe es ein Informationsproblem für Vermieter wie Mieter, weil der traditionelle Immobilienmarkt darauf ausgerichtet sei, langfristige Verträge zu vermitteln. Für viele Mieter sei es zudem schwierig, an Orten, die sie nicht kennen würden, zu guten Ladenlokalen für ihr Pop-Up-Angebot zu kommen.

Kontaktbörse im Internet

Diese Lücke will das 2014 gegründete Unternehmen Popupshops.com füllen. Es bietet Vermietern von Ladenlokalen, die eine Zwischennutzung suchen, damit ihre Räume nicht weiter leer stehen, als Gratis-Dienstleistung die Möglichkeit an, ihr Angebot auszuschreiben. Mieter, die sich dafür interessieren, können dann den Vermieter über die Plattform kontaktieren.

All das geschieht im Internet mit genormten Formularen. Zudem werden die Mietparteien beim «Formularkrieg», unter anderem dem Einholen von Bewilligungen, begleitet und unterstützt. Kommt ein Deal zu Stande, bezahlt der Mieter dafür der Internetplattform eine Kommission.

Interessant für Vermieter und Mieter

Pop-Up-Shops zielen heute bei weitem nicht mehr nur auf einen möglichste grossen Umsatz mit Billigangeboten ab. (Bild: Michaela Rohrer)

Pop-Up-Shops zielen heute bei weitem nicht mehr nur auf einen möglichste grossen Umsatz mit Billigangeboten ab. (Bild: Michaela Rohrer)

Am Info-Anlass an der FHS erläuterten Stefan Nertinger und Chalid A. El-Ashker neben den Vorteilen und Risiken auch die Vielfalt möglicher Zwischennutzungen (siehe Zweittext). Nicht nur für die Attraktivität eines Stadtzentrums sei es wichtig, dass Ladenlokale besetzt seien. Auch die Eigentümer von Liegenschaften und deren Nachbarn müssten daran ein Interesse haben.

So hätten Studien gezeigt, dass der längere Leerstand eines Ladenlokals sich oft negativ auf Nachbargeschäfte oder auch auf eine ganze Einkaufsgasse auswirken könne. Ein Leerstand ziehe oft weitere leere Läden nach sich. Häufe sich das in einem bestimmten Gebiet, könne das zu seiner Abwertung führen, was sich dann wiederum aufs Niveau der Mieten auswirke. Und das sei sicher nicht im Sinne des Vermieters. Darum sei es meist besser, ein leeres Ladenlokal zwischenzunutzen, als es leer stehen zu lassen.

Verantwortung für Standort übernehmen

Das Risiko, dass ein Vermieter mit einem Pop-Up-Shop eingehe, bezeichnete Chaled A. El-Ashker aus seiner bisherigen Erfahrung heraus als relativ gering. Natürlich müsse man bei der Vermietung darauf achten, dass ein Pop-Up-Shop in ein gewisses Gebiet passe. Da habe der Vermieter eine Rolle als «Kurator», der aufs Image seines Umfeldes achte. Vermeiden müsse man als Vermieter beispielsweise, dass eine gehobene Lage mit entsprechenden Mieten durch eine falsche Auswahl von Pop-Up-Angeboten sich ein Billig-Image einhandle. Dieser Gefahr könne man aber durch aktive Auswahl gut vorbeugen.

Pop-Up-Shops kommen nicht nur «billig» daher

Pop-Up-Shops sind je länger je weniger Günstiganbieter, die aus der Kartonschachtel heraus während ein paar Wochen irgendwo in einer Stadt ihre billig eingekauften Markenartikel unter die Leute bringen. Die Vielfalt möglicher Zwischennutzungen war am Informationsabend für das St.Galler Projekt Pop-Up-City ein wichtiges Thema.

Auch grosse Marken suchten heute Möglichkeiten, ihren Namen sichtbar in eine Stadt und ihre Einkaufszone zu tragen. Louis Vuitton, Ikea oder Brack hätten das bereits praktiziert. Und die Nachfrage in diesem Segment sei klar steigend, sagte Chalid A. El-Ashker, der CEO von Pop­upshop.com, an der FHS. Andere Marken versuchten, via Pop-Up-Shop eine Community, eine Kundengemeinschaft, aufzubauen. Daneben gebe es die Idee des «Concept Space», mit dem man durch das Anbieten eines ungewohnten Zusatznutzens (beispielsweise Handy-Hüllen durch eine Grossbank) an neue Kundensegmente herankommen wolle (im Fall der Grossbank an junge Leute).

Verkaufen ist nur ein Motiv unter vielen

Die Motive, um einen Pop-Up-Shop zu betreiben, seien heute vielfältig. So gebe es Shops, in denen Händler neue Konzepte erprobten. Oft verwendet würden sie auch um neue Produkte auf den Markt zu bringen. Grosse Marken wollten mit solchen Shops meist ein spezielles Einkaufserlebnis für ihre Kundschaft schaffen. Und ein anderes wichtiges Motiv bleibe natürlich, als «Outlet» möglichst massenweise Produkte zu verkaufen und so Umsatz zu generieren.

Wobei auch solche Pop-Up-Shops nicht «billig» daher kommen müssten, betonte Chalid A. El-Ashker. Inzwischen gebe es nämlich auch Ladeneinrichter, die solide, teils sogar gediegene Ausstattungen für Pop-Up-Shops lieferten. Das System, möglichst günstig möglichst viel zu verkaufen, sei bei vielen Anbietern nicht mehr gängig. Neben dem kommerziell ausgerichteten Detailhandel dürften zudem Zwischennutzungen aus anderen Bereichen, wie etwa der Kultur, nicht unterschätzt werden, hiess es am Info-Abend an der FHS. (vre)

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