Damit der Wasserpegel weniger stark schwankt: SAK will Kraftwerk Kubel sanieren und im St.Galler Sittertal einen künstlichen Weiher bauen

Um Abflussschwankungen aus dem Wasserkraftwerk Kubel zu vermindern, soll im Sittertal bis 2025 ein Ausgleichsweiher gebaut werden. Dies soll auch den Fischen helfen.

Luca Ghiselli
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Auf dieser Wiese im Sittertal soll der Ausgleichsweiher für das Wasserkraftwerk Kubel entstehen.

Auf dieser Wiese im Sittertal soll der Ausgleichsweiher für das Wasserkraftwerk Kubel entstehen.

Bild: PD

Das Problem ist schon länger bekannt: Die Fischbestände in der Sitter weisen gravierende Defizite auf. Das Artenspektrum hat sich im Vergleich zu früher halbiert, Wanderfischarten wie Barbe, Äsche und Nase sind in der Sitter heute selten. Dabei fällt auf: Je weiter flussabwärts, desto geringer sind die Bestände. Zurückzuführen ist das nicht etwa auf die Wasserqualität, sondern auf die Nutzung der Wasserkraft.

Bei Speicherkraftwerken wie dem Wasserkraftwerk Kubel im Südwesten der Stadt St.Gallen schwankt der Abfluss nämlich stark: Wird viel Strom produziert, fliessen grosse Wassermengen durch die Turbinen und werden in den Fluss zurückgegeben. Die Konsequenz: Ein erhöhter Abfluss, auch Schwall genannt – und damit viel Stress für die 14 Fischarten, die in der Sitter leben.

«Sittersee» soll Schwall und Sunk verringern

An einer Medienorientierung im Sitterwerk präsentierte die Sitterkommission mit Vertretern der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) und der Kantone St.Gallen, Thurgau und beider Appenzell die Lösung für diese starken Schwankungen. Um die täglichen Pegelschwankungen unterhalb des Kraftwerks Kubel in Zukunft zu vermindern, soll das genutzte Wasser in Zukunft nicht mehr direkt in die Sitter, sondern in einen neuen Ausgleichsweiher im Sittertal und von dort aus wohldosiert in den Fluss zurückfliessen.

So könnte der Ausgleichsweiher im Sittertal dereinst aussehen.

So könnte der Ausgleichsweiher im Sittertal dereinst aussehen.

Visualisierung: PD

Dort, auf einer grossen Wiese südlich des Sitterwerks unter der Fürstenlandbrücke, soll der künstliche Weiher mit mindestens 43000 Kubikmeter Fassungsvermögen erstellt werden. Kostenpunkt: Rund 25 bis 30 Millionen Franken, die der Bund trägt. Wie gross genau der Ausgleichsweiher wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Man prüfe verschiedene Varianten, heisst es seitens der Verantwortlichen. «Wenn wir im Kubel Strom produzieren, steigt der Abfluss innert 20 Minuten von 2 Kubikmeter pro Sekunde auf 18 Kubikmeter an», erklärt Reto Zuglian, Leiter Betrieb und Produktion bei der SAK. Fische verlören so ihre Plätze um zu laichen und die Flächen für Nährtiere seien stark eingeschränkt.

Baustart erfolgt frühestens 2023

«Wir sind schon seit Jahren mit allen Partnern daran, ein geeignetes Projekt für eine Sanierung des Kraftwerks zu erarbeiten.» Nun sei man auf gutem Weg, sagt Zuglian. Teil des Sanierungsprojekts ist eben der Ausgleichsweiher im Sittertal. Der Schwall werde direkt dorthin geleitet und danach dosiert zurückgegeben, um die Schwankungen zu minimieren und damit die Verfügung des Kantons St.Gallen zu erfüllen. Produziert das Kraftwerk Kubel nach diesen Massnahmen weniger Strom? «Nein, das Gegenteil ist der Fall», sagt Reto Zuglian.

Dank des Ausgleichsweihers könne man sogar mehr Strom produzieren als zuvor. Ziel sei es, den Weiher naturnah zu bauen und bis Ende 2025 zu realisieren. Baustart ist frühestens 2023. An der Medienorientierung zugegen war auch Hans Jörg Schmid, Architekt und Arealbesitzer des Sitterwerks. Was hält er davon, dass die SAK im Süden des Gebiets einen grossen Weiher erstellen wollen? «Für uns ist das nicht von Vorteil», sagt er. Aber es sei insgesamt die beste Lösung für alle Beteiligten, also wolle man Hand bieten. Das Grundstück, auf dem der Weiher entstehen soll, wird Schmid der SAK veräussern.

Wasserqualität der Sitter hat sich deutlich verbessert

Die Sitter ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Die Wasserqualität leidet darunter aber nicht, wie aktuelle Messungen zeigen.

Die Sitter ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Die Wasserqualität leidet darunter aber nicht, wie aktuelle Messungen zeigen.

Bild: Michel Canonica

Auch über das Sanierungsprojekt im Kraftwerk Kubel hinaus hat die Sitterkommission am Mittwoch einige Massnahmen entlang des rund 70 Kilometer langen Flusses informiert. Der ökologische Zustandsbericht, den die Verantwortlichen präsentierten, zeichnet insgesamt ein positives Bild: Die jüngsten Auswertungen der Wasserqualität zeigten, dass sich die Belastung der Sitter mit Mikroverunreinigungen und Nährstoffen seit Beginn der regelmässigen Messungen vor 18 Jahren deutlich verbessert habe.

Die Anforderungen seien im ganzen Flussverlauf meist gut oder sehr gut eingehalten. Ausnahme sei der Bereich unterhalb der ARA Au. Hier erhofft sich die Sitterkommission mit dem Bau einer neuen Reinigungsstufe eine weitere Entlastung des Flusses.