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Lömmenschwiler Landwirt rüttelt die Bäume der Region

Philipp Hafner fährt zurzeit von Bauernhof zu Bauernhof. Mit dabei hat der Landwirt aus Lömmenschwil seine Baumrüttelmaschine, mit der er Bäume von den letzten Äpfeln und Birnen befreit. Diese Saison hat er besonders viel zu tun.
Perrine Woodtli
Wenn die Baumrüttelmaschine kommt, fliegen die Äpfel in alle Richtungen. (Bilder: Ralph Ribi)

Wenn die Baumrüttelmaschine kommt, fliegen die Äpfel in alle Richtungen. (Bilder: Ralph Ribi)

Ruhig steht der Baum da. Plötzlich schüttelt er sich, die Äste vibrieren wie wild und Blätter fliegen in alle Richtungen, die Äpfel tun es ihnen gleich. Nach nur ein paar Sekunden ist alles vorbei: Die Früchte liegen am Boden, der Baum ist leer. Philipp Hafner zeigt auf die Äpfel, die kurz zuvor noch an den Ästen hingen. «Da sind schätzungsweise 700 Kilogramm.»

Der Landwirt aus Lömmenschwil ist in diesen Tagen wieder mit seiner Baumrüttelmaschine in der ganzen Ostschweiz unterwegs. Der 35-Jährige holt mit seiner Spezialkonstruktion die letzten Äpfel und Birnen aus den Baumkronen. Die Maschine hat Hafners Schwiegervater Sepp Popp vor über 30 Jahren gebaut. Das rote Gefährt verfügt über einen langen Teleskoparm mit einem Greifer, mit dem Hafner den Baumstamm und einzelne Äste umklammern kann. Sobald dies geschehen ist, bringt die Maschine den Baum zum Vibrieren.

Als Alternative die Bäume von Hand schütteln

Seit 2012 fährt Philipp Hafner jeweils im Herbst während rund vier Wochen von Hof zu Hof zwischen Mörschwil und Frauenfeld und schüttelt Bäume. Wie viele es jeweils seien, wisse er nicht.

«Sicher über 6000.»

An diesem Morgen ist er auf dem Hof der Familie Eigenmann in Berg SG. Fünf grosse und 20 kleine Apfelbäume warten darauf, von Hafners Maschine durchgerüttelt zu werden. Geschickt lenkt Hafner die Baumrüttelmaschine zwischen den Bäumen hindurch. Er betrachtet zunächst jeden Baum ausgiebig, um zu sehen, wo er am besten mit dem Greifarm zupacken kann. «Als erstes schüttle ich den Stamm. Dabei fällt ein Grossteil des Obstes ab.»

Danach kurvt er um den Baum herum und greift nach einzelnen Ästen, an denen noch Äpfel hängen. Einige Angestellte des Eigenmannhofs beobachten das aussergewöhnliche Schauspiel. Einzig der Hofhund zeigt sich unbeeindruckt.

Philipp Hafner bei seiner Arbeit. Für die Anfahrt verrechnet er jeweils 80 Franken, eine Stunde Baumrütteln kostet 196 Franken.

Philipp Hafner bei seiner Arbeit. Für die Anfahrt verrechnet er jeweils 80 Franken, eine Stunde Baumrütteln kostet 196 Franken.

Hafners Arbeit wird geschätzt. «Ohne die Maschine müssten wir wie früher auf die Bäume klettern und von Hand schütteln», sagt Landwirt René Eigenmann. Dies sei aufwendig und nicht ungefährlich. Es gebe zwar kleinere Maschinen, die ähnlich wie Hafners Spezialkonstruktion funktionierten. «Die sind aber teuer. Für mich lohnt sich das nicht, da wir nicht viele Hochstamm-Obstbäume besitzen und die Maschine nur einmal pro Jahr benötigt wird», so Eigenmann. «Wenn wir also diese Möglichkeit haben, nutzen wir sie gerne.»

Und diese Möglichkeit hat längst nicht jeder Bauer. Etwas Vergleichbares wie das Angebot von Hafner gebe es in der Schweiz nicht, sind sich Hafner und Eigenmann einig.

Rüttelsaison hat früher begonnen

Normalerweise dauert die Baumrüttelsaison von Mitte Oktober bis Mitte November. Dann ist das Obst bereit für die Mostobsternte. Dieses Jahr aber ist alles anders. «Das Obst ist viel früher dran», sagt Hafner.

«Ich habe schon Mitte September mit der Arbeit begonnen.»

Zwischendurch musste er sogar einen Stopp einlegen. Aufgrund der grossen Obsternte dieses Jahr kommen die Mostereien kaum nach mit der Produktion.

Die Ernte soll gemäss Hafner viel grösser ausfallen als 2017. Das bedeutet für ihn mehr Arbeit. Im Schnitt besucht er jeweils 100 bis 150 Landwirtschaftsbetriebe. In dieser Saison seien es rund 200 Höfe. «Viele Landwirte, die sonst nicht viel Mostobst ernten und die Arbeit alleine machen, haben sich aufgrund der Menge nun ebenfalls bei mir gemeldet.»

Es sind intensive Wochen, in denen Hafner als Baumschüttler unterwegs ist. Momentan findet er kaum Zeit für anderes. Er ist alleine für das Baumrütteln verantwortlich – «auch, weil niemand sonst das Gefährt bedienen kann.» Kehrt er am Abend jeweils von einer Tour auf seinen Hof in Lömmenschwil zurück, wartet erneut Arbeit. «Zum Glück haben wir Mitarbeiter.»

So viele Äpfel wie möglich herunterholen

Etwa eine Stunde nachdem Philipp Hafner auf dem Eigenmannshof eingetroffen ist, sind die Bäume leer. Oder zumindest fast. «Ziel ist es, so viele Äpfel wie möglich herunterzuholen», sagt Hafner. Je nach Sorte sei dies leichter oder schwieriger. Jene Äpfel, die sich trotz der starken Vibrationen hartnäckig an den Ästen klammern, liest René Eigenmann später noch mit einem Haken ab.

Nach getaner Arbeit fährt Philipp Hafner zum nächsten Hof nach Muolen. Noch rund einen Monat wird er voraussichtlich unterwegs sein. Dann verstaut er seine Baumrüttelmaschine in der Garage. Bis sie in einem Jahr erneut zum Einsatz kommt.

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