CVP-Präsident Patrick Dürr bedauert den Parteiaustritt Michael Hüppis: «Die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang in den St. Galler Stadtrat war nicht einfach»

Mit Michael Hüppi ist ein prominentes Parteimitglied aus der CVP ausgetreten, weil er mit dem Vorgehen der Stadtpartei bei den Stadtratswahlen nicht einverstanden ist. Kantonalpräsident Patrick Dürr bedauert den Austritt, stellt sich aber hinter die CVP der Stadt St.Gallen.

Daniel Wirth
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Patrick Dürr, Präsident der CVP des Kantons St.Gallen, macht den Orts- und Stadtparteien keine Vorschriften was die Wahltaktik angeht.

Patrick Dürr, Präsident der CVP des Kantons St.Gallen, macht den Orts- und Stadtparteien keine Vorschriften was die Wahltaktik angeht.

Benjamin Manser

Zehn Jahre nach seinem Parteieintritt ist Michael Hüppi aus der CVP ausgetreten. Der Neffe von Bundesrat Kurt Furgler hatte 2011 bei den Nationalratswahlen das zweitbeste Resultat auf der Liste CVP-Nordwest gemacht und wurde hinter Lucrezia Meier-Schatz erster Ersatz. Er rückte nicht nach, weil Meier-Schatz nicht vor Ende der Legislatur zurücktrat.

Ihm hat es den Deckel gelupft: Michael Hüppi ist aus der CVP ausgetreten.

Ihm hat es den Deckel gelupft: Michael Hüppi ist aus der CVP ausgetreten.

Ralph Ribi

Im gleichen Jahr kandidierte Michael Hüppi, Rechtsanwalt in der Stadt, ehemaliger Präsident des FC St.Gallen und Ehren-Födlebürger, im zweiten Wahlgang gegen Toni Brunner (SVP) und Paul Rechsteiner (SP) für den Ständerat an, nachdem Eugen David nach dem ersten Wahlgang die Segel gestrichen hatte. Gewählt wurde seinerzeit Paul Rechsteiner von der SP.

Hüppi machte seinem Ärger Luft

Hüppi lupfte es Anfang Oktober den Deckel, als die CVP der Stadt St.Gallen nach dem ersten Wahlgang vom 27. September bekannt gegeben hatte, auch im zweiten Wahlgang mit Trudy Cozzio anzutreten. Er gab der Kantonalpartei prompt seinen Rücktritt bekannt. Im Rücktrittsschreiben betonte Hüppi, er schätze Cozzio menschlich, dennoch sei er verärgert.

Will für die CVP in den Stadtrat: Trudy Cozzio.

Will für die CVP in den Stadtrat: Trudy Cozzio.

Ralph Ribi

Verärgert deshalb, weil die erneute CVP-Kandidatur das Risiko massiv vergrössere, das Stadtpräsidium, das heute mit dem Freisinnigen Thomas Scheitlin in bürgerlicher Hand sei, an die Linke, an Maria Pappa von der SP, zu verlieren. In der Stadt St. Gallen verkomme die Mittepartei zum Steigbügelhalter der Linken, kritisierte Hüppi die CVP-Stadtpartei scharf.

Hüppi machte seinem Ärger Luft und gab den Austritt. Andere verdiente CVP-Politiker gehen nicht soweit, sind aber mit dem Vorgehen der Stadtpartei aber ebenfalls nicht einverstanden, wie sie hinter vorgehaltener Hand sagen. Die Partei- und persönlichen Interessen hätten der bürgerlichen Allianz untergeordnet werden sollen, sagen sie.

Absichtserklärung ist Makulatur

Denn vor dem ersten Wahlgang unterzeichneten die Spitzen von CVP, FDP und SVP und die Kandidierenden der drei Parteien eine Absichtserklärung. Darin steht, dass beim eingetroffenen Szenario mit vier wieder gewählten Stadträten und der Vakanz im Präsidium, sich die Bürgerlichen hinter den besten Nichtgewählten scharten. Das ist Mathias Gabathuler von der FDP.

Mathias Gabathuler (FDP) will Stadtpräsident werden.

Mathias Gabathuler (FDP) will Stadtpräsident werden.

Benjamin Manser

Während sich die SVP und Karin Winter-Dubs unmittelbar nach dem ersten Wahlgang zurückzogen, liess sich die CVP Bedenkzeit um später zu verkünden, die Christlichdemokraten und Trudy Cozzio würden erneut antreten. Das löste bei den Freisinnigen und bei der SVP Kopfschütteln aus - und auch bei Teilen der CVP selbst, wie sich jetzt gezeigt hat.

Patrick Dürr, Präsident der CVP des Kantons St. Gallen, sagt, er bedauere den Rücktritt Hüppis. Dürr betont aber gleichzeitig, die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang sei für die CVP nicht einfach gewesen.

CVP-Präsident stärkt der Stadtpartei den Rücken

Trudy Cozzio habe mit beinahe 10'000 Stimmen ein «sehr gutes Resultat» gemacht und habe intakte Wahlchancen. Die Absichtserklärung zum bürgerlichen Bündnis kenne er inhaltlich nicht, sagt der CVP-Präsident.

Die Kantonalpartei und die Geschäftsstelle der CVP stünden den Orts- und Stadtparteien bei Wahlen mit Rat und Tat zur Seite, sofern dies gewünscht werde. Die Kantonalpartei nehme nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten Einfluss, was die Wahltaktik und die Nomination von Kandidatinnen oder Kandidaten betreffe. Die Entscheidungskompetenz liege alleine bei den Ortsparteien.

Könnte die erste Stadtpräsidentin in St.Gallen werden: Maria Pappa (SP).

Könnte die erste Stadtpräsidentin in St.Gallen werden: Maria Pappa (SP).

Michel Canonica

Im zweiten Wahlgang am 29. November treten um den einzigen noch freien Sitz in der Regierung der Kantonshauptstadt Mathias Gabathuler und Trudy Cozzio an. Für das noch vakante Stadtpräsidium kandidieren Maria Pappa und Mathias Gabathuler. Der freisinnige Gabathuler kann aber nur Stadtpräsident werden, wenn er auch als Stadtrat gewählt wird.