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CVP-Näf und FDP-Gladig zum Wittenbacher Wahlkampf: "Diesen Graben müssen wir zuschütten"

Norbert Näf (CVP) und Georges Gladig (FDP) stellen sich zur Wahl um das Wittenbacher Gemeindepräsidium. Die beiden Konkurrenten über Heimspiele, Wahlschlappen und alte Animositäten.
Interview: Noemi Heule/Johannes Wey
Auswärtig gegen einheimisch: Norbert Näf (CVP) und Georges Gladig (FDP), Konkurrenten im Wahlkampf um das Wittenbacher Gemeindepräsidium.

Auswärtig gegen einheimisch: Norbert Näf (CVP) und Georges Gladig (FDP), Konkurrenten im Wahlkampf um das Wittenbacher Gemeindepräsidium.

Die überparteiliche Findungskommission hat sich für ein Zweierticket entschieden: Norbert Näf (CVP) und Georges Gladig (FDP) wollen die Nachfolge von Fredi Widmer als Gemeindepräsident von Wittenbach antreten. Die Anmeldefrist für weitere Kandidaten läuft noch bis zum 13. Juli.

Herr Näf, am Wochenende traf man Sie auf einem Spaziergang durch Wittenbach an. Was haben Sie für einen Eindruck gewonnen?

Norbert Näf: Einen guten Eindruck. Wittenbach ist sympathisch, hat eine gute Infrastruktur und sagenhaft schöne Naherholungsgebiete, etwa beim Schloss Dottenwil oder am Sitterstrandweg. Hier möchte ich leben.

Müssen Sie die Gemeinde erst kennen lernen?

Näf: Ja, ich kenne Wittenbach bisher eher von der Durchfahrt. Es ist deshalb tatsächlich ein Kennenlernen. Und ich werde auf die Leute zugehen, damit sie ebenfalls die Chance haben, mich kennen zu lernen.

Herr Gladig, Sie müssen Wittenbach nicht mit Spaziergängen erkunden. Haben Sie einen Heimvorteil?

Gladig: Ob dies ein Heimvorteil ist oder nicht, das entscheiden die Wählerinnen und Wähler in Wittenbach. Klar kenne ich die Strukturen und Inhalte der Gemeinde. Für mich persönlich erachte ich dies als Vorteil.

In Gossau wurde bewusst ein Auswärtiger zum Stadtpräsidenten gewählt. Herr Näf, Sie haben in Heiden einst ebenfalls einen Einheimischen ausgestochen. Kann die Aussensicht ein Vorteil sein?

Näf: Der Aussenblick kann eine Chance sein, weil man Dinge hinterfragt. Grundsätzlich möchte ich aber mit meiner Person punkten, mit meinen Kompetenzen und Erfahrungen. Natürlich hat man als Auswärtiger auch Nachteile: Die Zeit bis zum 23. September ist knapp, ich muss deshalb jede Gelegenheit nutzen, damit mich die Leute kennen lernen können.

Georges Gladig (FDP)

Georges Gladig (FDP)

Herr Gladig, Fredi Widmer geht mit 65 Jahren in Pension. Nach einer Amtsdauer würden Sie ebenfalls das AHV-Alter erreichen.

Gladig: Ich persönlich werde mit Sicherheit länger arbeiten als bis zum AHV-Alter. Heute spricht man ja von flexiblen Altersrücktritten. Ich strebe sicherlich eine zweite Amtsperiode an.

Sie bringen beide unterschiedlichen Rucksäcke mit, sind Verwaltungs- beziehungsweise Finanzprofi. Was hat Ihnen Ihr Konkurrent voraus?

Gladig: Norbert Näf kennt sich als Gemeindeschreiber in den Gemeindestrukturen sehr gut aus. Dass lässt sich jedoch erarbeiten. Dafür bringe für einmal ich eine Aussensicht mit.

Zu Georges Gladig

Der gebürtige Stadt-Basler Georges Gladig lebt seit den 1980er-Jahren in Wittenbach und ist seit 2013 Präsident der regionalen Oberstufenschulgemeinde. 2011 scheiterte der FDP-Mann im Kampf ums Gemeindepräsidium an Fredi Widmer. Nach fast zwei Jahrzehnten als Sportlehrer an der Universität St. Gallen wechselte er über ein Nachdiplomstudium in die Finanzbranche. Zurzeit arbeitet er als Spezialist für Finanz- und Pensionsplanung bei der Zürich Versicherung. Der 61-Jährige ist Vater zweier erwachsener Söhne. (jw)

Näf: Georges Gladig hat mir Kenntnis voraus – von Wittenbach und seiner Bevölkerung. Er hat einen ganzen Sack an Lebenserfahrung; davon kann man nie genug haben. Ich bin aber nicht nur Verwaltungsprofi, sondern bringe als Verwaltungsrat eines KMU auch den Blick in die Wirtschaft mit.

Im Appenzeller Vorderland sind Sie vernetzt, als ehemaliger Gemeindepräsident und Kantonsrat. Wieso wollen Sie nun ausgerechnet nach Wittenbach, wo Ihnen dieses Netzwerk fehlt?

Näf: Ich bin in der Agglomeration St.Gallen aufgewachsen und habe lange hier gearbeitet. Natürlich würde das Amt für mich viel Neues bringen. Aber Neues bedeutet auch Herausforderungen und Chancen – für mich und für Wittenbach.

Reicht Ihr Netzwerk über die Gemeindegrenze hinaus, Herr Gladig?

Gladig: Mein Netzwerk ist nicht nur lokal. Seit 15 Jahren bin ich im Finanzbusiness, daneben in nationalen Verbänden tätig, etwa als Präsident der Swiss Baseball Federation. Zuvor habe ich 20 Jahre an der HSG gearbeitet. Einstige Mitarbeiter und Studenten trifft man heute in Wirtschaft und Politik wieder.

Sie beide haben bereits Erfahrungen mit Wahlniederlagen gesammelt. Herr Gladig, Sie verloren 2011 die Wahl um das Wittenbacher Gemeindepräsidium gegen Fredi Widmer. Wieso sollte es diesmal klappen?

Gladig: Damals kam ich als Nobody und konnte dennoch aufschliessen; nur wenige Stimmen haben am Schluss gefehlt. Der Wahlkampf hat Spass gemacht, weshalb ich motiviert bin, diese Erfahrung zu wiederholen. Natürlich: Wenn man antritt, will man gewinnen. Aber ich sehe auch eine Niederlage sportlich.

Norbert Näf (CVP)

Norbert Näf (CVP)

Herr Näf, Sie traten 2015 als Gemeindepräsident von Heiden zurück und kandidierten für den Ausserrhoder Regierungsrat. Ohne Erfolg. Zwei Jahre später zogen Sie sich auch aus dem Kantonsrat zurück. Nun exponieren Sie sich erneut.

Näf: Für mich ist ein Wahlkampf auch ein Dienst an der Bevölkerung, indem man eine Auswahl ermöglicht. Die CVP hat in Ausserrhoden einen Wähleranteil von rund zehn Prozent. Die Kandidatur 2015 war deshalb ein Wagnis und die Niederlage kein Weltuntergang. Selbstverständlich ist es mein Ehrgeiz, eine Wahl zu gewinnen, wenn ich antrete.

Zu Norbert Näf

Norbert Näf stammt aus Andwil, war aber politisch bislang nur im Kanton Appenzell Ausserrhoden tätig. 2005 wurde er in Heiden zum Gemeindepräsidenten gewählt, 2007 in den Kantonsrat, wo er von 2013 bis 2016 die CVP/EVP-Fraktion präsidierte. 2015 kündigte er seinen Rücktritt als Gemeindepräsident an und kandidierte für einen Sitz im Regierungsrat. Nach der Wahlniederlage wurde der 50-Jährige Vater dreier Kinder zwischen 17 und 22 Jahren Gemeindeschreiber in Untereggen. Beruflich war Näf damit immer auf Verwaltungsseite tätig. (jw)

Fredi Widmer hinterlässt Wittenbach ohne strukturelles Defizit, mit neuen Schulhäusern und auch die Zentrumsüberbauung ist auf Kurs. Setzen Sie sich ins gemachte Nest?

Gladig: In einer Gemeinde gibt es immer zu tun: Sich stetig zu verbessern ist meine Absicht – zusammen mit der Bevölkerung und allen beteiligten Personen auf allen Ebenen.

Näf: Ein gemachtes Nest wäre langweilig. Es gibt einige Herausforderungen: etwa die Einheitsgemeinde. Auch könnte man im Rahmen der Revision der Ortsplanung unternutzte Liegenschaften and der St.Gallerstrasse wiederbeleben, was sich positiv auf das Ortsbild auswirken könnte. Dann muss man die Frage angehen, ob sich die neue Primarschule wie geplant finanzieren lässt und was mit den alten Schulhäusern geschieht.

Herr Gladig, Sie sind Präsident der Oberstufenschulgemeinde, welche die Einheitsgemeinde bisher verhindert hat. Wie stehen Sie dazu?

Gladig: Ich bin grundsätzlich für eine grosse Einheitsgemeinde, welche sowohl die Primar- als auch die Oberstufe einschliesst. Knacknuss ist tatsächlich die regionale Oberstufe mit Berg und Muolen. Die beiden Partnergemeinden müssen wohl überlegt eingebunden werden.

Welche Probleme müsste man Ihrer Meinung nach weiter angehen?

Gladig: Die Bevölkerung muss besser abgeholt werden. Von 9700 Einwohnern nehmen jeweils rund zwei Prozent an der Bürgerversammlung teil. Das reicht nicht. Die Herausforderung ist es, das Interesse der Bevölkerung zu steigern. Das will ich anpacken.

Es wird viel versucht, um die Partizipation zu erhöhen. Mit Bürgerforen oder einer Kommunikationsbeauftragten. Was ist Ihr Vorschlag?

Gladig: Man muss offensiv mit den Bürgern in Kontakt treten mit öffentlichen Sprechstunden oder Quartiergesprächen. Die Leute sollen sich wohlfühlen, auch an einer Bürgerversammlung.

Näf: Es ist ein hehres Ziel, die Partizipation zu erhöhen. In einer Gemeinde dieser Grösse muss man zielgruppenorientiert auf die Bevölkerung zugehen und die Leute abholen, wo sie betroffen sind.

Können Sie Beispiele nennen?

Näf: Gibt es beispielsweise ein jährliches Treffen mit dem Gewerbe oder werden im Jugendtreff Anliegen an die Gemeinde thematisiert? Man kann nicht im Gemeindehaus warten, bis die Bürger vorbei kommen.

Herr Gladig, als Präsident der Oberstufengemeinde gibt es ein Quartier in Wittenbach, wo Sie wahrscheinlich keine Stimmen holen werden.

Gladig: Gegen aussen hört man natürlich nur negative Stimmen. Ich bin überzeugt, dass es in Bruggwald Stimmen gibt, die damit einverstanden sind, die Oberstufenschüler in Wittenbach zu beschulen. Diese Frage hat den Prozess einer Grenzbereinigung ja erst ausgelöst. Nun, versucht man langfristig eine politische Lösung zu finden.

CVP gegen FDP, das ist ein alter Grabenkampf in Wittenbach. Der Wahlkampf 2011 bleibt mit unschönen Auswüchsen in Erinnerung.

Gladig: Diesen Graben müssen wir endlich zuschütten. Es stellen sich zwei Personen zur Wahl; die Parteien treten in den Hintergrund.

Näf: Bei einem Zmittag haben wir vereinbart, uns nicht auf persönliche Angriffe einzulassen. Im Wahlkampf geht es um Personen, nicht um alte Animositäten. CVP und FDP sind sich – zumindest auf Gemeindeebene – so nah, dass man keinen Unterschied machen muss.

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