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Schweizer Meisterschaft in St.Gallen: Curling auf Rädern

Mit 50 Jahren fühlte sich Rollstuhlsportler Hanspeter Bieri zu alt, um weiter Basketball zu spielen, und er wechselte ins Curling-Lager. Seine Emotionen hat er nicht immer im Griff.
Marion Loher
Vor einem Jahr hat Hanspeter Bieri seine Leidenschaft fürs Rollstuhl-Curling entdeckt. (Bild: Benjamin Manser)

Vor einem Jahr hat Hanspeter Bieri seine Leidenschaft fürs Rollstuhl-Curling entdeckt. (Bild: Benjamin Manser)

Hanspeter «Hampi» Bieri ist angespannt, sein Blick konzentriert geradeaus gerichtet. Mit seinem Stick bringt er den Curling-Stein in Position. Es ist sein erster Stein an diesem Morgen, und er will ihn gut spielen. «Das gibt Sicherheit für die nächsten Spiele», wird der 52-Jährige später in der Pause sagen. Seine Teamkollegin fixiert seinen Rollstuhl, damit dieser auf dem Eis nicht wegdriftet, wenn Bieri den Stein spielt. Und er spielt ihn gut. Sehr gut sogar. Sein Stein befördert einen anderen ins Aus. «Ein Takeout», sagt Bieri und lächelt zufrieden. Seine Kollegen gratulieren, seine Gegner nicken anerkennend. Der Start ist geglückt.

«In ihm brennt dieses gewisse Feuer»

Seit vergangenem Donnerstag werden im Curling Center St. Gallen die Schweizer Meisterschaften im Rollstuhl-Curling ausgetragen. Der Rollstuhlclub St. Gallen (RCSG) ist mit zwei Teams vertreten: St. Gallen 1 und St. Gallen 2. Bieri ist seit über fünf Jahren ehrenamtlicher Präsident des RCSG und gehört als Spieler zur ersten Mannschaft, zur Elite. «Und dies, obwohl ich erst seit etwas mehr als einem Jahr Rollstuhl-Curling spiele», sagt er sichtlich stolz.

Teamcoach René Rohr war von Anfang an begeistert von seinem Schützling: «Hampi ist ein leidenschaftlicher Curling-Spieler. In ihm brennt dieses gewisse Feuer, und sein Spielverständnis ist hervorragend.» Bieris Leidenschaft ist so gross, dass er manchmal sogar vom Curling träumt.

Bevor sich der Rollstuhlsportler fürs Steineschieben auf dem Eis interessierte, spielte er während 25 Jahren Basketball. «Mit 50 fühlte ich mich dann aber doch langsam zu alt für diesen Sport», fügt er hinzu und schmunzelt. «Auch meine Freunde sagten, ich soll endlich auf Curling umsteigen.» Seither trainiert der gebürtige Weinfelder, der mittlerweile seit neun Jahren in Bürglen wohnt, zweimal pro Woche mit seinen Teamkollegen im Curling Center in St Gallen. Gespielt werden etwa fünf bis sieben Turniere im Jahr. «Im Unterschied zum Basketball muss man beim Schach auf Eis, wie das Curling auch bezeichnet wird, mental stark sein. Zudem darf einem die Kälte nichts ausmachen.»

Die Spielregeln beim Rollstuhl-Curling sind dieselben wie beim Fussgänger-Curling. Allerdings wird beim Rollstuhl-Curling nicht gewischt. Das dürfte denn auch mit ein Grund sein, dass es in der Halle auf dem Eis so ruhig ist. Es müssen keine Wischer angefeuert werden, die den Stein doch noch ins Ziel, das House, wischen. Umso präziser müssen die Rollstuhlfahrer spielen. Anders ist auch, dass die Spieler einen Stock, den sogenannten Stick, in der Hand halten. Er ist eine Art verlängerter Arm, der ihnen beim Spielen des Steins hilft. Die Rollstühle werden bei dieser «Abgabe» von einem Mitspieler fixiert und Helfer platzieren die Steine für die Spieler.

Ein Verkehrsunfall veränderte sein Leben

Bieri ist seit 1987 auf den Rollstuhl angewiesen. Ein Verkehrsunfall machte den damals 21-Jährigen zum Paraplegiker. Der Vater zweier Kinder ist ein emotionaler Mensch, manchmal zu emotional für den Curling-Sport. Hier gilt der «Spirit of Curling», was so viel bedeutet wie: Es braucht keine Schiedsrichter, der Gegner wird nicht mit hohen Niederlagen deprimiert und man hat seine Emotionen im Griff. «Letzteres gelingt mir nicht immer», sagt Bieri. «Wenn ich einen Stein nicht so abgegeben habe, wie ich es gerne getan hätte, kann ich meinem Ärger schon ziemlich Luft machen.» Dann verziehe er sich jedoch in eine Ecke des Eisfelds und schimpfe vor sich hin. Daran müsse er noch arbeiten.

Bislang gab es für Bieri an den Wettkämpfen im Curling Center St. Gallen allerdings wenig Grund, sich aufzuregen. Der Start ist ihm und seinen Teamkollegen geglückt. «Alles läuft nach Plan und wir sind unserem Ziel, den Schweizer-Meister-Titel nach 2017 wieder nach St. Gallen zu holen, einen grossen Schritt näher.»

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