Jeder zehnte Test fällt positiv aus: Coronakonsultationszentrum in St.Gallen zieht erste Bilanz

Im Konsultationszentrum in St.Gallen sind in den ersten Wochen deutlich weniger Personen aufs Coronavirus untersucht worden als befürchtet.

Daniel Wirth
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Absperrgitter weisen Coronapatienten den Weg zur Untersuchung in der Olma-Halle 9.1. Wo normalerweise Spirituosen angesagt sind, ist heute Desinfektionsmittel stark nachgefragt.

Absperrgitter weisen Coronapatienten den Weg zur Untersuchung in der Olma-Halle 9.1. Wo normalerweise Spirituosen angesagt sind, ist heute Desinfektionsmittel stark nachgefragt.

Bild: Nik Roth (27.März 2020)

Wäre der Planet und mit ihm St.Gallen nicht in einer ausserordentlichen Lage wegen der Coronaviruspandemie, strömten heute Tausende gut gelaunter Menschen in die Olma-Hallen. Doch die Frühlings- und Trendmesse, die Offa, die gestern eröffnet worden wäre, musste abgesagt werden.

Keine Ausgelassenheit, stattdessen Tristesse

Wo sonst im April die Luft grillrauchgeschwängert und die Gespräche von Bierseligkeit geprägt sind, herrscht beim Olma-Haupteingang und vor der grossen Halle 9 Tristesse: BAG-Plakate mit Hinweisen und zur Hygiene und zum Zwei-Meter-Mindestabstand, Absperrgitter, Männer in hellbraun-oranger Uniform.

Vor etwas mehr als zwei Wochen nahm hier eines von drei kantonalen Coronakonsultationszentren seinen Betrieb auf. Mit zwei Ärzten, vier medizinischen Praxisassistentinnen, 16 Angehörigen der Zivilschutzorganisation St.Gallen-Bodensee – und mit 14 Behandlungszimmern.

Rund 80 Untersuchungen am Tag wären möglich

Rund 80 Coronauntersuchungen könnten bei diesem Setting jeden Tag durchgeführt werden. Bei Bedarf könnten das medizinische Personal ausgebaut und achtmal mehr Menschen untersucht werden.

Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann bei der Präsentation des Konsultationszentrums für Covid-19-Patienten in der Olma-Halle 9.1.

Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann bei der Präsentation des Konsultationszentrums für Covid-19-Patienten in der Olma-Halle 9.1.

Nik Roth

In nur drei Tagen hatte der Regionale Führungsstab (RFS) St.Gallen-Bodensee eine temporäre Arztpraxis von eindrücklicher Grösse aufgebaut. Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann sagte vor der Inbetriebnahme des Coronakonsultationszentrums, sie hoffe, dass dessen Kapazitäten niemals benötigt würden.

Bis Dienstag wurden 100 Personen untersucht

Bis jetzt wurden sie nicht benötigt. Die zwei Ärzte in der Olma-Halle 9.1 untersuchten bis Dienstagabend rund 100 Patientinnen und Patienten, die ihnen von den Hausärzten oder von den Notfallstationen der kantonalen Spitäler zugewiesen worden waren. Rund zehn Prozent der Untersuchten in St.Gallen wurden positiv auf das Coronavirus getestet, wie der ärztliche Leiter Raphael Stolz sagt.

Er leitet das Konsultationszentrum: der St.Galler Arzt Raphael Stolz.

Er leitet das Konsultationszentrum: der St.Galler Arzt Raphael Stolz.

Nik Roth

Ziel des Konsultationszentrums ist es, die Hausärzte und die Notfallstationen in den Spitälern zu entlasten für den Fall, dass die Ansteckungswelle hochgehen würde. Dieses Szenario trat bis heute nicht ein. Die Fachleute im Gesundheitsdepartement führen das darauf zurück, dass die Bevölkerung die Empfehlungen des Bundes zur Hygiene und zum Abstandhalten konsequent umgesetzt hat.

Generell: Der Lockdown durch den Bundesrat habe dazu geführt, dass die Infektionsrate stark gesunken sei und ein exponentieller Infektionsanstieg habe vermieden werden können. Die stellvertretende Kantonsärztin Karen Peier sagt:

«Das ist eine gute Botschaft.»

Ebenfalls sind gemäss Peier die Beprobungskriterien aufgrund der Engpässe bei der Verfügbarkeit von Tests vom BAG dahingehend geändert worden, dass Personen mit leichten und mittelschweren Symptomen nicht getestet werden sollten. Durch diese Massnahmen und Weisungen sei die Anzahl zu untersuchender Personen stark gesunken, so dass die Hausarztpraxen in der Region zwischen St.Gallen und Bodensee gegenwärtig nicht überlaufen würden und ihre Patientinnen und Patienten gut selbst behandeln könnten.

Dazu komme, dass viele Menschen mit Coronavirussymptomen den Gang zum Arzt oder der Ärztin mieden, weil sie Angst vor einer Ansteckung hätten. Deshalb seien die st.gallischen Konsultationszentren in St.Gallen, Sargans und Rapperswil aktuell nicht stark frequentiert. Peier sagt:

Karen Peier ist stellvertretende Kantonsärztin.

Karen Peier ist stellvertretende Kantonsärztin.

PD
«Wir wissen jedoch nicht, wie der weitere Verlauf sein wird, wenn der Lockdown aufgehoben wird und die Beprobungskriterien wieder weiter gefasst werden.»

Dann könne sich der Bedarf sofort ändern. «Auch Studien zu serologischen Tests starten jetzt, bei denen die Coronakonsultationszentren eine wichtige Rolle übernehmen können», sagt Karen Peier.

Lob für die Zusammenarbeit mit der Zivilschutzorganisation

Die Zusammenarbeit mit dem Regionalen Führungsstab und der Zivilschutzorganisation wird vom Regierungsrätin Hanselmann positiv bewertet. Die Kooperation sei hervorragend und auch ausgesprochen freundschaftlich. Heidi Hanselmann sagt:

«Wir arbeiten für ein Ziel.»

Das seien die qualitativ hochstehende Betreuung der Patienten und der bestmögliche Schutz der Bevölkerung. Die zu Beginn geplanten Abläufe seien im laufenden Betrieb etwas optimiert worden und funktionierten.

Die Verantwortlichen seien aber flexibel genug, bei Bedarf weitere Anpassungen und Optimierungen vornehmen zu können. Die Arbeitseinsätze würden ebenfalls bedarfsorientiert geplant.

Die Olma-Messen teilten gestern derweil mit, die nächste Frühlings- und Trendmesse starte am 21.April 2021.