Coronabedingtes Flugverbot trifft drittgrösste Helikopter-Firma hart: Ans Aufgeben denkt Altenrheiner Helialpin nicht

Das Flugverbot hat die Helialpin AG in Altenrhein über 680000 Franken gekostet. Das Unternehmen und sein Chef leiden unter der Krise: «Mein Herz hat noch nie so geblutet wie in den neun Wochen.»

Kurt Latzer
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Manfred Holdeners Leidenschaft gehört der Helikopterfliegerei. Auf die Coronapandemie angesprochen, wird er nachdenklich.

Manfred Holdeners Leidenschaft gehört der Helikopterfliegerei. Auf die Coronapandemie angesprochen, wird er nachdenklich.

Bild: K. Latzer

Ecureuil, zu deutsch Eichhörnchen, heisst der neuste Airbus-Helikopter der Helialpin AG mit Hauptsitz am Flugplatz in Altenrhein. Verwaltungsratspräsident, Pilot und Fluglehrer Manfred Holdener sitzt im Cockpit. Er denkt, was die Zeit im Zusammenhang mit Corona noch bringen mag. Viel Geld, Arbeit und Leidenschaft hat er seit der Gründung ins Unternehmen investiert.

Wäre dem nicht so, hätte Manfred Holdener wegen des Lockdowns wohl die Flinte ins Korn geworfen. «Das Flugverbot vom 16. März bis 12. Mai hat uns hart getroffen» sagt der VR-Präsident. Und:

«Mein Herz hat noch nie so geblutet wie in den neun Wochen.»

Die Umsatzeinbusse des drittgrössten Helikop­terunternehmens der Schweiz beträgt rund 680000 Franken. Neben Arbeits- und Transporthelikoptern blieben auch kleinere Schulungshelis am Boden.

«Weshalb wir die Ausbildung nicht fortsetzen durften, kann ich nicht nachvollziehen», sagt Manfred Holdener. Jeder Pilot habe ein sogenanntes Medical vorzuweisen. Es schreibt halbjährliche oder jährliche Kontrollen vor. «Wir haben sogar angeboten, uns alle auf das Virus testen zu lassen. Das hat die massgeblichen Stellen nicht interessiert, das Flugverbot blieb.»

Ausbildung, auch von Berufspiloten

Vor allem die hohen Fixkosten drücken das Unternehmen bei einem Flugverbot. «In einer Fahrschule kann man die Nummern der Fahrzeuge deponieren. Die Wiederinbetriebnahme von Helikoptern ist kompliziert und entsprechend teuer», sagt Manfred Holdener. Beim Personal hat das Unternehmen auch nicht sparen können. Es ist auf die Piloten und Fluglehrer angewiesen. Bis ein Pilot unterrichten darf, vergehen mindestens drei, in der Regel fünf Jahre.

Die Helialpin AG, mit Stützpunkten in Altenrhein, Sitterdorf und Zürich, ist der erfolgreichste Schweizer Ausbilder künftiger Rettungs- und Privatpiloten. «Wir sind nicht nur die, die als Lärmverursacher bezeichnet werden. Wir retten, löschen und transportieren auch Hilfsgüter», sagt Holdener, «das geht allzuleicht vergessen.» Die Lohnkosten lasten zu 90 Prozent auf den Schultern des Unternehmens. «Wir haben einen kleinen Teil Kurzarbeitsentschädigung bekommen.»

«Wir leiden nach wie vor unter der Coronakrise»

Obwohl der VR-Präsident vom Helialpin, seine Piloten und Fluglehrer wieder abheben dürfen, leidet das Unternehmen nach wie vor unter den Folgen der Krise. Zwei der Ausbildungshelikopter stehen im Hangar. Der Nachschub von Ersatzteilen ist schleppend.

«Ans Aufgeben verschwende ich keinen Gedanken», sagt Manfred Holdener. Auch hat er die Hoffnung auf das über viele Monate entwickelte Feuerschutzprojekt für St.Gallen und beider Appenzell nicht aufgegeben, obwohl das Vorhaben wegen immer neuer Vorschriften nicht vom Fleck kommt.

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