Bummelsunntig am See fällt der Pandemie zum Opfer: Der Klauseinzug ist noch nicht abgesagt

Schlendern und geniessen, Schulter an Schulter auf engstem Raum - in Zeiten von Corona keine gute Idee. Aus diesem Grund sagt der Gewerbeverein den Fixpunkt im Rorschacher Stadtleben schweren Herzens ab. Die Schutzmassnahmen sind schlicht nicht umsetzbar. Ob am Samstag, 5. Dezember, gegen 100 Samichläuse durch die Stadt ziehen werden, haben die Organisatoren noch nicht entschieden.

Rudolf Hirtl
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Der Klauseinzug in Rorschach findet jeweils einen Tag vor dem Bummelsunntig statt. Auch er steht auf der Kippe.

Der Klauseinzug in Rorschach findet jeweils einen Tag vor dem Bummelsunntig statt. Auch er steht auf der Kippe.

Bild: Urs Bucher

In der Cafébar La Vela in Rorschach betört der Duft von frisch gerüstetem Kaffee. Gewerbevereinspräsident Stefan Meier und Deborah Angehrn, Obfrau der Gruppe Handel, sitzen an einem der Tische. Für einmal können sie sich aber nicht dem Dolcefarniente hingeben. Ihre Gesichter sind ernst, sie haben keine guten Nachrichten zu verkünden. «Noch heute werden wir unsere Mitglieder darüber informieren müssen, dass der Bummelsunntig dieses Jahr nicht stattfinden wird», sagt Stefan Meier.

Gwerbler und Bevölkerung schützen

Die geforderten Schutzmassnahmen betreffend der Coronapandemie hätten dem Vorstand des Gewerbevereins keine andere Wahl gelassen, als den seit über 30 Jahren im Dezember stattfindenden Fixpunkt im Rorschacher Gewerbler- und Stadtleben abzusagen. Die Menschen müssten einen Abstand von 1,5 Metern einhalten, sie dürften nur in einer Richtung laufen, und wenn sich Besucherströme kreuzten, müsste dies innert Sekunden geschehen. Unter diesen Umständen sei es nicht möglich, einen Weihnachtsmarkt in den Gassen von Rorschach durchzuführen. «Wir tun dies schweren Herzens, aber auch in der Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und nicht zuletzt gegenüber den Gewerbebetrieben», so Debora Angehrn. Denn diese wären von weiteren Sanktionen sehr betroffen.

Enorm wichtiger Tag für die Kundenbindung

Beide betonen, dass es der feste Wille des Vorstandes sei, den für das Rorschacher Gewerbe wichtigen Anlass im kommenden Jahr wieder durchzuführen. Kontakte pflegen und Kundenbindung schaffen – dies ginge kaum besser, als beim gemütlichen Ambiente des Bummelsunntig. «Für uns war die frühe Absage auch eine Sache der Fairness», sagt Deborah Angehrn. «Wir wollten den 30 Standbetreibern, die sich bereits angemeldet hatten, die Chance geben, sich an einem anderen Ort zu positionieren.»

Die Erfolgsgeschichte Bummelsunntig in Rorschach wird nach über 30 Jahren durch Covid-19 ausgebremst.

Die Erfolgsgeschichte Bummelsunntig in Rorschach wird nach über 30 Jahren durch Covid-19 ausgebremst.

Am verkaufsoffenen Sonntag hält der Gewerbeverein fest. «Wir gehen davon aus, dass sämtliche Detailhandelsfachgeschäfte am Sonntag, 6. Dezember, geöffnet haben, und holen die dementsprechende Bewilligung in globo ein», heisst es in der Mitteilung an die Mitglieder. Nicht nur, weil am Sonntagsverkauf ein attraktiver Wettbewerb mit Preisen von mehreren tausend Franken lockt, sind die beiden Vorstandsmitglieder zuversichtlich, dass am Nikolaustag viele Menschen nach Rorschach kommen werden.

«Bereits während des Lockdowns haben wir die Unterstützung durch Kunden in dieser für das Gewerbe sehr schwierigen Zeit gespürt»,

so Deborah Angehrn. Grossartig gewesen sei aber vor allem auch die Solidarität der Gewerbler untereinander. Diese hätten sich wo immer möglich gegenseitig unterstützt. Beide betonen aber auch, dass ein zweiter Lockdown richtig wehtun würde. Der Aufwand für Onlinehandel und Lieferservice sei enorm hoch.

Entscheid über Klauseinzug noch nicht gefallen

Beleuchtete Strassen und Häuser, Zimtduft, Männer in roten Umhängen und ein wärmender Glühwein; am Klauswochenende lockt dieses Ambiente jeweils viele Besucher in die Innenstadt von Rorschach. Schwer beladen mit Nüssen, Mandarinen, Grittibänzen und Biberli ziehen die Kläuse dabei beim Bodan ein und laufen der Hauptstrasse entlang bis zum Lindenplatz. Ob sich Kinder und Erwachsene auf diesen Anlass freuen dürfen, wird laut OK-Mitglied Alexander Kleger in den kommenden Wochen entschieden.