Nach dem Bummelsunnitg stoppt Corona nun auch den Samichlaus in Rorschach

Die Rorschacher Zunft St.Nikolaus will den Kindern keine Samichläuse mit Maske über dem Bart zumuten. Daher hat sie schweren Herzens den traditionellen Klauszug von Anfang Dezember abgesagt. Sicher stattfinden sollen hingegen die Anlässe auf dem Lindenplatz. Schlimmstenfalls ohne Besucher aber mit Liveübertragung online.

Rudolf Hirtl
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Das Herzstück des beliebten Rorschacher Anlasses sind die Begegnungen zwischen Kindern und Chläusen.

Das Herzstück des beliebten Rorschacher Anlasses sind die Begegnungen zwischen Kindern und Chläusen.

Bild: Urs Bucher (Dezember 2017)

Wenn jeweils Anfang Dezember über 60 Samichläuse vom Bodan durch die Hauptstrasse zum Lindenplatz in Rorschach ziehen, dann wähnen sich über 1000 Besucherinnen und Besucher in der abgedunkelten und geschmückten Stadt in einer Märchenlandschaft. Das Wichtigste sind dabei seit jeher die Kinder, die ihre Sprüchli aufsagen und dafür vom Chlaus mit Nüssli, Mandarinen und Grittibänzen belohnt werden.

Leuchtende Kinderaugen sind denn laut Zunftmeister Ruedi Mohler auch die Belohnung für das aussergewöhnliche Engagement der Zunft St.Nikolaus Rorschach. Auf dem Lindenplatz angekommen, nehmen der heilige St.Nikolaus und sein Rupprecht ihren Platz auf der Bühne ein, umringt von den Gardekläusen. Dort erzählt er eine Geschichte und hört sich weitere Sprüchli an.

Schutzkonzept ist für die Zunft nicht umsetzbar

Aufgrund der aktuellen Lage um Covid-19 und der damit zusammenhängenden Einschränkungen und Vorschriften wird es dieses Jahr allerdings keinen Chlauszug in Rorschach geben. «Schweren Herzens musste der Vorstand der Zunft St.Nikolaus den Chlauszug absagen. Die aktuelle Gesundheitslage lässt eine Durchführung nicht zu», so Ruedi Mohler. Da der Chlauseinzug mit mehr als 1000 Besucherinnen und Besuchern als Grossveranstaltung klassifiziert wäre, sei die Zunft nicht in der Lage, ein entsprechendes Sicherheits- und Gesundheitskonzept umzusetzen.

Klauseinzug in Rorschach mit dem heiligen St.Nikolaus in der Pferdekutsche.

Klauseinzug in Rorschach mit dem heiligen St.Nikolaus in der Pferdekutsche.

Urs Bucher (Dezember 2017)

Der Kontakt zwischen Samichlaus und Kind könne wegen der geltenden Abstandsregelung nicht stattfinden. Die Chläuse, die jeweils auf den Knien den Kindern auf Augenhöhe begegnen würden, könnten den geforderten Abstand nicht einhalten.

«Zudem ist ein Samichlaus mit Maske über dem Bart für viele Kinder etwas abschreckend»,

betont Mohler. Die engen Platzverhältnisse auf dem Lindenplatz seien ausserdem nicht geeignet für die anschliessende Veranstaltung auf der Bühne mit Kindern und Chlaus.

Das OK der Zunft St.Nikolaus habe zwar Überlegungen angestellt, den Zug an einen grösseren Platz am Seeufer zu führen, doch nachdem Anlässe mit über 1000 Personen als Grossveranstaltung eingestuft wurden, sei klar gewesen, dass sich der Rorschacher Traditionsanlass nicht umsetzen lasse. «Wir bedauern die Absage sehr. Wir freuen uns umso mehr auf die Durchführung im nächsten Jahr und wünschen den Nikoläusen einen erholsamen Winterschlaf», sagt Ruedi Mohler, der übrigens selbst nicht in eines der Chlauskostüme steigt, weil er jeweils zu sehr mit der Organisation beschäftigt ist.

Für den Handballklub als Chlaus unterwegs

Wenn er Zeit dafür hätte, wäre er gerne einer der roten Samichläuse, welche die Sprüchlein der Kinder abhören, oder einer der schwarzen Laternenkläuse, die Licht ins Dunkel bringen, oder aber einer der grauen Gardekläuse, die links und rechts der vorausfahrenden Pferdekutsche mit dem heiligen St.Nikolaus und seinem Rupprecht für Sicherheit und Disziplin sorgen? «Zweifellos ein roter. Weil ich schon früher, beim damaligen Fortitudo Rorschach, als roter Chlaus unterwegs war, um Familien mit Kindern zu besuchen.»

Advent auf dem Lindenplatz findet sicher statt

Die Winterzeit am See verschönert jeweils auch der Verein Weihnachten in Rorschach mit dem «Advent auf dem Lindenplatz». Begleitet von Musik, Geschichten oder Gesang wird dort täglich ein Fenster des Adventskalenders geöffnet. «Wir werden den Anlass durchführen», sagt Bea Mauchle, Präsidentin des Vereins, «schlimmstenfalls mit einer Online-Übertragung, falls die Einschränkungen weiter verschärft werden.» Aktuell ist sie mit der Sponsorensuche für den Anlass beschäftigt, dem täglich bis zu 100 Personen beiwohnen. Gesucht sind zudem Menschen und Vereine, die etwas zum Rahmenprogramm beisteuern möchten.

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