Barbershops und Herrensalons werden immer billiger

Herrensalons schiessen in Rorschach wie Pilze aus dem Boden. Die Preise sind verlockend, der Wettbewerb gross. Halten die Salons, was sie versprechen? Und wie steht es um herkömmliche, teurere Salons?

Noah Salvetti,
Drucken
Teilen
Sarbast Ibrahim ist im Coiffeursalon Aram tätig, der seit kurzem in Rorschach günstige Haarschnitte und Bartpflege anbietet. (Bild: Noah Salvetti)

Sarbast Ibrahim ist im Coiffeursalon Aram tätig, der seit kurzem in Rorschach günstige Haarschnitte und Bartpflege anbietet. (Bild: Noah Salvetti)

Zahlreiche Geschäfte säumen die Strassen Rorschachs, unter ihnen auch eine Vielzahl an Herren-Coiffeursalons und Barbershops. «Haarschnitt 20 Franken» heisst es da, überall hängen Beispielbilder von Herren mit Kurzhaarfrisuren. Eine Aufmachung, die vor allem auf junge Kunden abzielt. Ein moderner, günstiger Haarschnitt ist gefragt, einer, der mit dem ihrer Idole aus der Fussball- und Hip-Hop-Szene mithalten kann. Auch Bartpflege steht bei der Klientel hoch im Kurs. Der trendige Vollbart will schliesslich gepflegt werden.

«Das Geschäft läuft gut» sagt Sarbast Ibrahim, Mitarbeiter des Coiffeursalons Aram. Das Lokal an der Hauptstrasse existiert seit drei Monaten. «Wir bedienen vorwiegend Männer. Viele kommen, um sich den Bart konturieren zu lassen», verrät Ibrahim. Das Handwerk hat er in seinem Heimatland Syrien gelernt.

«Ein Haarschnitt kostet zwanzig Franken, Waschen kostet extra»

erklärt David Tibor. Vor einem halben Jahr eröffnete er seinen Salon an der Neugasse, zuvor führte er gemeinsam mit einem Geschäftspartner einen an der Kirchstrasse. Nachdem dieser nach St. Gallen aufbrach, machte Tibor alleine weiter. Der gebürtige Ungare ist ein erfahrener Mann – er war schon in Spanien und Deutschland tätig, bevor es ihn an den Bodensee zog.

Ein hart umkämpfter Markt

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten läuft es auch für Ates Dietz vom Coiffeur- und Beautysalon Haarika an der Signalstrasse gut. «Man muss Geduld haben», weiss Dietz. Der Deutschtürke bedient Damen und Herren. An vier von sieben Tagen arbeitet er im selbsternannten «Meisterbetrieb» in Rorschach, an den restlichen drei Tagen in Esslingen bei Stuttgart.

«Bei den Preisen musst du praktisch immer volles Haus haben», sagt Roland Kohler, Inhaber von Roland’s Herrensalon an der Mariabergstrasse 6. Ein Haarschnitt ist bei ihm deutlich teurer. Er könne sich nicht vorstellen, wie die anderen Coiffeure bei solch niedrigen Preisen existieren können. Schliesslich liege der branchenweite Mindestlohn einer ausgebildeten Coiffeuse bei 3800 Franken im Monat. «Ich hatte einmal vier Angestellte. Heute arbeite ich hier mit meiner Frau», schildert Kohler, der trotz erreichtem Pensionsalter noch immer ein 50-Prozent-Pensum verfolgt, nicht zuletzt, weil er dadurch seine AHV-Rente aufbessern kann.

«Ich schätze meine Kundschaft sehr. Der Beruf bereitet mir Freude. Täte er das nicht, stünde ich nicht hier.» (Rorschacher Traditionscoiffeur Roland Kohler)

Von der günstigeren Konkurrenz hält er nicht viel. «Es ist ein sehr hart umkämpfter Markt», weiss Kohler, allerdings fürchte er sich nicht vor den Billiganbietern, er habe ja seine angestammten Kunden. Es sei wohl bloss eine Frage der Zeit, bis einige der neu aufgekommenen Geschäfte ihren Betrieb einstellen, vermutet Kohler, der seinen Salon seit nunmehr 49 Jahren betreibt.

«Wenn jemand mit einem so tiefen Preis Erfolg hat, dann soll er es machen», meint Mauro Tiberi, kantonaler Verbandspräsident von Coiffure Suisse. Tiberi ist in St. Gallen tätig und kennt den Markt sowie die günstigen Anbieter gut. «Ich muss leider zugeben, dass sie gut sind.» Unter den vielen neuen Billigsalons findet sich sogar ein ehemaliger Lehrling Tiberis. Nachdem das Geschäft so gut lief, dass sogar Investitionen möglich waren, habe dieser den Preis für einen Haarschnitt nun von 25 auf 45 Franken erhöht. Angesichts der hohen Dichte an Herrensalons in der Region Rorschach stellt sich zwangsläufig die Frage, wie viele verschiedene Anbieter eine Stadt tatsächlich verträgt, und, wie die einzelnen Geschäfte gewinnbringend operieren können.

Tiberi weiss, dass die günstigen Salons oft Kunden aus ihrem Kulturkreis bedienen. Diese würden ein Stück Heimat ins Geschäft bringen, was allenfalls Integrationsbemühungen zuwiderlaufen könne, sagt Tiberi. Wer alle Kosten in die Kalkulation des eigenen Salons einbeziehe, werde bei einem Preis von 20 Franken für den Haarschnitt finanziell sicher gefordert. Dieser Ansicht ist auch Kohler. Es ist also nachvollziehbar, dass Coiffeure wie Ates Dietz vom Salon Haarika sieben Tage die Woche arbeiten.

Lange Tage, tiefer Lohn

15 bis 20 Kunden brauche der Altstätter Mado täglich. Seine Kunden seien zufrieden. Einer von ihnen war gar so begeistert, dass er dem Coiffeur gleich einen Google Maps-Eintrag erstellte und eine positive Rezension hinterliess.

«Ein Herrenhaarschnitt nimmt etwa eine halbe Stunde in Anspruch», sagt Kohler. Grosse Pausen sind demnach beim Preis von 20 Franken wohl kaum möglich. Schlussendlich liegt es am Kunden, wem er seine Haare anvertrauen möchte.