Schulrat Boris Schedler wird Vetterliwirtschaft beim Bau des neuen Wittenbacher Schulhauses vorgeworfen +++ Der Primarschulpräsident sagt: «Einen Imageschaden gibt es bereits»

Primarschulrat und Co-Baukommissionspräsident Boris Schedler gerät in die nationalen Schlagzeilen. Anonyme Wittenbacher werfen dem Unternehmer vor, dass er sowie Familienangehörige bei der Vergabe der Aufträge für den Schulhausneubau profitiert habe. Schedler selber winkt ab: Alles sei rechtens zugegangen. Primarschulpräsident Thomas Meister hat inzwischen eine Sitzung für Montagabend einberufen.

Perrine Woodtli
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Boris Schedler, Unternehmer, Neo-FDP-Gemeinderat und Primarschulrat.

Boris Schedler, Unternehmer, Neo-FDP-Gemeinderat und Primarschulrat.

Perrine Woodtli

Rund zweieinhalb Jahre dauerten die Bauarbeiten für das neue Primarschulhaus Sonnenrain. Nun ist der 26,6 Millionen Franken teure Neubau fertig. Bevor der Betrieb nach den Ferien beginnt, sorgt das Schulhaus nun für Diskussionen: «Hier macht Vetterliwirtschaft Schule» titelte der «Blick» am Montag.

Anlass für den fast ganzseitigen Artikel ist Boris Schedler. Der 53-Jährige sitzt seit 20 Jahren im Primarschulrat Wittenbach, wo er für die Bauten verantwortlich ist. Wie der «Blick» schreibt, werfen anonyme Wittenbacher dem Co-Präsidenten der Baukommission Vetterliwirtschaft vor:

«Tatsächlich haben mehrere Firmen Aufträge für diese Baustelle erhalten, die allesamt familiäre oder sonstige Verbindungen zu Schedler aufweisen.»

Sein Schwager, sein Sohn und er selber hätten profitiert

Einen Auftrag erhielt etwa die Max Schetter AG. Die Sanitärfirma gehört Schedlers Schwager. Sie hat für den Schulhausneubau einen Auftrag in Höhe von 665'000 Franken erhalten, schreibt «Blick». Auch die Schreinerei V. Burger AG bekam zwei Zuschläge. Zum Zeitpunkt der Auftragsvergaben habe ein Sohn von Schedler seine Lehre dort absolviert. Die beiden Aufträge seien 410'000 Franken schwer gewesen.

Die IG Energietechnik AG wiederum sei vom Generalunternehmer beauftragt worden. Dort sei ein weiterer Sohn von Schedler Projektleiter. Dazu komme ein 239'000-Franken-Auftrag an die Firma Ganz Verlegearbeiten AG, wo Schedler selber Geschäftsführer ist. Auch die Zuffelato und Wirrer AG erhielt einen Auftrag in der Höhe von 207'000 Franken. Dabei handelt es sich um eine Schwesterfirma der Ganz Verlegearbeiten AG.

Für das neue Schulhaus Sonnenrain haben verschiedene Unternehmen Aufträge erhalten.

Für das neue Schulhaus Sonnenrain haben verschiedene Unternehmen Aufträge erhalten.

Urs Bucher

Fünf Firmen, die mit Schedler in Verbindung stehen, bekommen Aufträge in der Höhe von 1,5 Millionen Franken – die Informanten sind sich sicher, dass dies kein Zufall ist.

Schedler: «Bin in den Ausstand getreten»

Boris Schedler, der am 27. September neu für die FDP in den Gemeinderat gewählt wurde, sieht indes kein Problem. Alles sei mit rechten Dingen zugegangen. «Bei den Aufträgen für die Ganz Verlegearbeiten AG und die Zuffelato und Wirrer AG bin ich in den Ausstand getreten», versichert Schedler gegenüber «Blick». Und was die Sanitärfirma Max Schetter AG betreffe, stimme es zwar, dass der Chef der Firma der Bruder von Boris Schedlers Frau sei. Aber: Da seine Frau gestorben sei, gebe es folglich auch keine Familienverbindung mehr zu ihrem Bruder. Hier habe er also nicht in den Ausstand treten müssen.

Bei der Schreinerei V. Burger AG habe sein Sohn tatsächlich die Lehre absolviert. Die Schulhausarbeiten seien aber losgegangen, als sein Sohn bereits nicht mehr in der Firma tätig gewesen sei. Bei der Vergabe des Auftrages an die IG Energietechnik AG, wo ebenfalls einer seiner Söhne arbeite, habe die Baukommission sowieso keinen Einfluss gehabt, wird Schedler zitiert. Dieser Auftrag sei vom Generalunternehmer vergeben worden.

Zudem, so Schedler weiter, seien für jeden Auftrag zwischen fünf und sieben weitere Firmen eingeladen worden, ein Angebot abzugeben. Am Ende habe immer das günstigste Angebot den Zuschlag erhalten. Der Auftrag, der an die Firma des Schwagers vergeben wurde, sei öffentlich ausgeschrieben worden. «Sämtliche an Drittfirmen vergebenen Arbeiten sind das Ergebnis von korrekt durchgeführten Vergabeverfahren nach den Vorschriften über das öffentliche Beschaffungswesen.» Vorwürfe der Vetterliwirtschaft seien vor diesem Hintergrund «haltlos und unbegründet».

«Er sollte in diesem Fall auf das öffentliche Amt verzichten»

Kritischer sieht es Martin Hilti, Geschäftsführer von Transparency Schweiz, der sich ebenfalls im «Blick» äussert:

Martin Hilti, Geschäftsführer von Transparency Schweiz.

Martin Hilti, Geschäftsführer von Transparency Schweiz.

PD
«Wenn von fünf öffentlichen Aufträgen fünf Firmen den Zuschlag erhalten haben, die direkt mit dem Baukommissionspräsidenten in Verbindung stehen, ist das schon ziemlich aussergewöhnlich.»

Auch wenn alles mit rechten Dingen zugegangen sein sollte, müssten Behördenmitglieder verhindern, «dass nur schon der Anschein einer Unregelmässigkeit entstehen könnte». Dies, damit das Vertrauen in die öffentliche Hand keinen Schaden nehme, so Hilti. Es sei deshalb heikel, wenn der Präsident der Baukommission gleichzeitig Geschäftsführer von Unternehmen sei, die von dieser Baukommission Aufträge erhalten wollen. «Er sollte in diesem Fall auf das öffentliche Amt verzichten.»

Schulrat trifft sich am Montagabend

Nicht erfreut über die plötzliche mediale Aufmerksamkeit ist Primarschulpräsident und Co-Baukommissionpräsident Thomas Meister. Er will zwar nicht von einem Feuer im Dach sprechen.

«Trotzdem habe ich natürlich keine Freude daran, wenn ich so etwas über eines unserer Behördenmitglieder lesen muss.»
Thomas Meister, Primarschulpräsident Thomas Meister (CVP)

Thomas Meister, Primarschulpräsident Thomas Meister (CVP)

Ralph Ribi

Er hat für Montagabend kurzfristig eine Sitzung mit allen Primarschulratsmitgliedern sowie zwei Mitgliedern der Geschäftsprüfungskommission einberufen. Er wolle das Ganze gemeinsam diskutieren und sauber aufarbeiten, sagt Meister. «Dann sehen wir, ob wir reagieren müssen.»

Zum jetzigen Zeitpunkt gehe er aber davon aus, dass alles korrekt abgelaufen sei und keine juristischen Konsequenzen drohen. Er sei selber in die Vergaben involviert gewesen. Die öffentliche Vergabeordnung sei eingehalten worden, Boris Schedler sei dort, wo es nötig gewesen sei, in den Ausstand getreten, sagt Meister. Hinzu komme, dass man während des gesamten Prozesses von einem unabhängigen Architekten und einer Juristin begleitet worden sei.

Meister: «Würde mich mit meiner Firma nie bewerben»

Bis auf die zwei Firmen, bei denen seine Söhne tätig waren, habe er von Schedlers Verbindungen gewusst, sagt Meister. Dass Schedler mit seiner eigenen Firma eine Offerte eingereicht habe, sei ihm überlassen. Verboten sei dies nicht. Er persönlich, ergänzt der Bauunternehmer, würde sich mit seiner eigenen Firma aber nie bewerben und dies vermischen.

Befürchtet Meister, der Ende September als neuer Schulpräsident in den Gemeinderat gewählt wurde, nun, dass die Schlagzeile ein schlechtes Licht auf Wittenbach und das Schulhausprojekt wirft? Er sagt:

«Einen gewissen Imageschaden gibt es bereits. Das ist unbestritten.»

Schedler bleibt ruhig

Dass er national mit dieser Geschichte in den Medien sei, sei natürlich unschön und «völlig ungerechtfertigt», sagt Boris Schedler am Montag auf Anfrage. Dennoch bleibe er ruhig. «Wir haben alles richtig gemacht und ich muss den Vorwurf der Vetterliwirtschaft oder gar der persönlichen Bereicherung mit Entschiedenheit zurückweisen. Er ist unbegründet und rufschädigend.» Es gebe gar keinen Spielraum, um diese Vorschriften zu umgehen.

Es könne sein, dass das Ganze nun trotzdem ein negatives Licht auf ihn werfe, sagt Schedler.

«In einem politischen Amt muss man aber, soweit die Grenzen des Rechts eingehalten sind, mit solchen Unterstellungen umgehen können.»

Der Primarschulrat wisse und sei sich sicher, dass alles vorschriftsgemäss abgelaufen sei.