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Kostüme, Komik und Reime: Auf der Bühne arbeiten die Cliquen das Jahresgeschehen satirisch auf. (Simon Roth, Februar 2017)

Kostüme, Komik und Reime: Auf der Bühne arbeiten die Cliquen das Jahresgeschehen satirisch auf. (Simon Roth, Februar 2017)

Cliquenfasnacht in der Region Rorschach: Wer steckt dahinter?

In fünf Gemeinden der Region ist die Fasnachtszeit die Zeit der Cliquen. Ihre Auftritte, an denen besonders Politiker ihr Fett wegkriegen, sind beliebt. Fünf Persönlichkeiten tragen massgeblich dazu bei, dass am Wochenende wieder Cliquenfasnacht ist.
Martin Rechsteiner

Thal: Die Hüterin des Zauberbuchs

Esther Tobler (Bild: Martin Rechsteiner)

Esther Tobler (Bild: Martin Rechsteiner)

«Das ist mein magisches Buch», sagt Esther Tobler und zückt ein dickes Notizheft, eingefasst in einer Leopardenmuster-Folie. In ihm stehen sämtliche Reime, die Tobler in den vergangenen Jahren für die Thaler Gmeind- beziehungsweise Klickenfasnacht (ja, mit «K») verfasst hat. Gerne sitzt Tobler in ihrer Stube und schreibt Fasnachtssprüche. In Thal wird sie für ihre spitze Feder geliebt und auch ein wenig gefürchtet. «Einmal hat mir eine Frau mit einer Anzeige gedroht. Sie hatte einem Polizisten wegen einer Busse eine Ohrfeige verpasst.» Als Tobler die Geschichte an der Fasnacht zum Thema machte, sei sie alles andere als erfreut gewesen. «Ich habe aber nicht mehr erzählt, als in der Zeitung stand. Die Frau sah von der Anzeige ab.» Häufiger gebe es das Gegenteil: Leute, vor allem Politiker, die sich beklagen, wenn sie einmal ausgelassen werden. Es ist eine Weile her, dass Tobler selbst auf der Bühne mit einer Klicke Sprüche klopfte. «Angefangen haben wir 1985 mit der Formation ‹d’Giftsprötze›. Und aufgehört 2004.» Seit da organisiert Tobler die Klickenfasnacht und ihre drei Töchter alias «Rätschhäxä» stehen stattdessen auf der Bühne. Für sie und eine weitere Klicke verfasst Tobler jedes Jahr Reime und klebt sie anschliessend in ihr Leopardenheft. «Und dort bleiben sie. Nachträgliche Anfragen nach den Texten lehne ich konsequent ab.»

Rorschach: Das Organisationstalent

Reto Kaelli (Bild: Martin Rechsteiner)

Reto Kaelli (Bild: Martin Rechsteiner)

«Viele sehen Organisieren als undankbaren Job», sagt Reto Kaelli. Der gebürtige Goldacher, der seit zehn Jahren in der Hafenstadt lebt, sieht das anders. «Ich mache das sehr gerne.» Vielleicht hat ihn Bea Mauchle deshalb vergangenes Jahr angefragt, ob er die Organisation Cliquenfasnacht übernehmen will. Und vielleicht hat er deshalb auch sofort zugesagt. Jedenfalls hat Kaelli Erfahrung im Fasnachtsgeschäft. Mit der Clique «Die (R)an(d)ständigen» hat er dieses Jahr seinen achten Auftritt. Als Organisator der Cliquenfasnacht ist es der erste. Den ehemaligen OK-Präsidenten des Stadtfests Rorschach dürfte dies aber nicht arg ins Schwitzen bringen. Er selbst sagt: «Die Pläne sind geschrieben, die Restaurants schon gut gebucht, ich freue mich auf das erste Märzwochenende.» Es gehe aber auch anders. «2012 stand der Anlass auf der Kippe, weil es nicht genügend Cliquen gab. Genug Formationen zu finden ist die grösste Herausforderung.» Aktuell sind es sechs sprechende und drei mit Musik. «Das reicht.» Kaelli hat die Organisationszügel im Griff. Doch würde es ihn aus dem Konzept bringen, wenn an der Fasnacht eine der Cliquen mit ihren Sprüchen zu weit ginge? «Das passiert nicht, sie halten sich natürlich an unseren Ehrenkodex.» Ehrenkodex? «Auftritte dürfen nicht mehr als ‹träf› sein. Also freche Reime sind erlaubt. Aber keine ehrverletzenden.»

Goldach/Untereggen: Die zwei mit dem frischen Wind

Philipp Engel und Marcel Hollenstein (Bild: Martin Rechsteiner)

Philipp Engel und Marcel Hollenstein (Bild: Martin Rechsteiner)

Vor einem Jahr sah es nicht danach aus, als würde die Goldacher Cliquenfasnacht ihre 60. Austragung erleben. Denn das Organisationskomitee trat geschlossen zurück, der Anlass stand vor dem Aus. Wären da nicht Philipp Engel (l.) und Marcel Hollenstein. Sie haben sich entschieden, die Cliquenfasnacht weiterzuführen. «Dass Goldach auch noch die Cliquenfasnacht verliert, konnten wir nicht zulassen, das wäre doch schade», sagen die beiden jungen Herren. Hollenstein amtet nun als Präsident der Fasnachtsgesellschaft. «Das ist bloss auf dem Papier so, wir haben per Münzwurf entschieden, wer seinen Kopf dafür hinhält», sagt Engel und lacht. «Wir haben dieselbe Funktion und machen alle gleich viel.» Die beiden Goldacher kennen sich vom Fussballspielen und treten seit 2016 mit der Clique «Äffzeh» auf. Als Organisatoren der Cliquenfasnacht wollen sie frischen Wind in den Anlass bringen, ihr wieder zu altem Glanz verhelfen. «Früher war sie ein fester Termin in Goldacher Kalendern, ganze Quartiere gingen gemeinsam hin», sagt Hollenstein. «Das soll wieder so werden.» Dafür suchen die Organisatoren für 2020 mehr Cliquen und mehr Restaurants, die mitmachen. «Wir wollen Vereine mehr einbinden. Und viellicht lässt sich auch einmal etwas Gemeinsames mit unseren Nachbardörfern organisieren?»

Tübach: Der Kulturelle

Stefan Weibel (Bild: Martin Rechsteiner)

Stefan Weibel (Bild: Martin Rechsteiner)

Sie ist wohl die jüngste Cliquenfasnacht in der Region: die Tübnacht. «Die Präsidentin der Kulturkommission hat sie mit diesem Namen vor etwa acht Jahren eingeführt», sagt Stefan Weibel. Weibel ist Mitglied der Kommission, die für verschiedene kulturelle Anlässe im Dorf zuständig ist. Er kümmert sich um die Tübnacht, gemeinsam mit anderen Mitgliedern. Der Tübacher, der seit 1977 ununterbrochen im Dorf lebt, setzt ein Lächeln auf, wenn er auf die Cliquenfasnacht zu sprechen kommt. «Es freut mich, dass der Anlass in der Gemeinde so beliebt ist. Das ganze Dorf ist dann auf den Beinen.» Doch nicht für alle sei die Tübnacht ein Grund zur Vorfreude, sagt Weibel mit einem Augenzwinkern. «Sie ist die Nacht der Wahrheit. Wer ein Geheimnis hat, muss befürchten, dass es an der Cliquenfasnacht aus kommt.» Mit den Sprüchen und der Satire könne es den Tübachern fast nicht weit genug gehen, sagt Weibel und wirkt dabei schon fast ein wenig stolz. «Verglichen mit anderen Orten, zum Beispiel in Deutschland, wo es ähnliche Anlässe gibt, geht es bei uns in Tübach aber fast lieblich zu und her. Man nimmt Rücksicht.» Der Pensionär bezeichnet die Cliquenfastnacht als «schon fast einen Selbstläufer.» Die Cliquen organisieren viel selber und sprechen sich ab. Das verschafft Weibel, der ab und zu auf humanitäre Mission in Entwicklungsländer geht, etwas Luft.

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